Lois Hechenblaikner

PETER NEUSSER

Gedanken

Lois Hechenblaikner, Fotograf

"Der Deutsche lässt sich am besten zwischen 0,6 und 1,2 Promille ausnehmen" Der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner analysiert die Auswüchse des Wintertourismus und macht sich Sorgen um die Zukunft des Alpenraums.

Von 6. bis 22. Februar finden in Mailand und Cortina d'Ampezzo die 25. Olympischen Winterspiele statt. Spätestens dann rückt der Fokus der öffentlichen Wahrnehmung wieder auf den Wintersport- bzw. Tourismus, mit dem sich der Fotograf Lois Hechenblaikner bereits seit rund einem Vierteljahrhundert kritisch auseinandersetzt. "Ich betreibe beobachtende Kultursoziologie", so beschreibt der 68-jährige Tiroler seine künstlerische und fotografische Tätigkeit. Mit seiner Kamera ist er in den heimischen Bergen unterwegs, um die Entgleisungen des Ballermann-Tourismus in Österreichs Wintersport-Hot-Spots zu dokumentieren.

"Die österreichische Tourismus-Industrie hat ein Produkt entwickelt, das heißt: Druckablassen gegen Bezahlung", formuliert Hechenblaikner. Die deutschen Gäste aus einer Hochleistungsgesellschaft kommend, seien in dieser Hinsicht besonders dankbar, so der Fotograf: "In nüchternem Zustand ist der deutsche Mensch in der Regel sehr, sehr kontrolliert. Aber wenn man ihn richtig einstellt, zwischen 0,6 und 1,2 Promille, kann man ihn nach allen Regeln der Kunst ausnehmen. Und diese Kunst hat man in bestimmten Wintersportorten zur Perfektion entwickelt."

Lois Hechenblaikner hat sich mit seiner Arbeit viele Feinde gemacht, in seinem Heimatbundesland und anderswo. Er lässt sich davon nicht groß beeindrucken - und weist unverzagt auf die Probleme der Massengaudi-Spektakel in Österreichs Bergen hin: "Die Hoteliers und Gastronomen stehen unter einem enormen Druck. Durch Social Media und die verschiedenen Bewertungsportale im Internet werden die Gäste immer mehr zu Scharfrichtern, dem ist man als Gastronom relativ hilflos ausgeliefert. Ich kenne Hoteliers, die jeden Abend mit einem Rucksack voller Probleme ins Bett gehen. Die Burnout-Rate in der Branche ist hoch, nicht wenige Familien zerreißt es durch den Stress und die Belastungen, unter denen die Leute stehen."

Der Tourismus ermögliche eben nicht nur Bombengewinne, gibt Lois Hechenblaikner zu bedenken, er fordere auch seinen Preis. Aber vielleicht ist der Skitourismus, wie wir ihn kennen, ohnehin ein Auslaufmodell. Der Klimawandel, so Hechenblaikner, könnte ihm über kurz oder lang den Garaus machen.

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