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Mathilde Vaerting - Doku über die erste Universitätsprofessorin in Deutschland

1923 erhielt Mathilde Vaerting als erste Frau eine ordentliche Professur an einer deutschen Universität. Doch von Beginn an hat die Pädagogin mit scharfem Gegenwind zu kämpfen. Featureautorin Isabelle Engels dokumentiert das außergewöhnliche Leben ihrer Urgroßtante.

Als Mathilde Vaerting am 1. Oktober 1923 an der Universität Jena ihre Antrittsvorlesung hält, ist das nicht nur für die knapp 40jährige der persönliche Höhepunkt ihrer Karriere, sondern auch ein wissenschaftshistorisch bedeutsames Ereignis: erstmals erhält in Deutschland eine Frau eine ordentliche Professur. Doch statt wie üblich mit einem Festakt in der Aula, findet die Veranstaltung in einem kleineren Hörsaal statt, nur wenige Kollegen finden sich ein.
"Begabung ist an kein Geschlecht gebunden"
Alles an der Pädagogikprofessorin scheint auf Ablehnung zu stoßen: die Berufung durch einen sozialdemokratischen Bildungsminister, ihr Leben als "unverheiratete Lehrerin", ihr Eigensinn, insbesondere aber ihr Geschlecht und ihre wissenschaftliche Kritik an männlicher Vorherrschaft.
Verbunden mit dem Ziel einer völligen Gleichberechtigung muss ihre dazumal revolutionäre Aussage "Begabung ist an kein Geschlecht gebunden" als Bedrohung wahrgenommen worden sein.
Themen von erstaunlicher Aktualität
Von der Universität bekämpft und 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, gerät die Pionierin der Geschlechterforschung für lange Zeit in Vergessenheit.
Mathilde Vaerting´s wiederentdeckte Thesen sind von erstaunlicher Aktualität. Erstaunlich bleibt auch, wie es die 1884 geborene Tochter einer 12köpfigen emsländischen Großbauernfamilie überhaupt bis zur Universitätsprofessorin schaffen konnte.
Isabelle Engels zeichnet in diesem Feature den ungewöhnlichen Weg ihrer Urgroßtante nach.
Redaktion: Eva Roither

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