Im Fokus - Religion und Ethik
Zwischen Weihwasser und Scheiterhaufen - Exorzismen und Hexenprozesse in Österreich
Dämonen und Teufel - Besessen in Österreich +++ Meine Urahnin, die Hexe +++ Moderation: Konstantin Obermayr
2. September 2026, 16:05
Dämonen und Teufel - Besessen in Österreich
Verrissene Gliedmaßen, gehässige Grinser und tiefe Stimmen, so zeichnet die Hollywood-Filmindustrie seit Jahrzehnten Bilder von Menschen, die angeblich vom Teufel oder von Dämonen besessen sind. Die rituelle Austreibung von Dämonen aus (vermeintlich) vom Teufel besessenen Menschen hat in Österreich eine lange Geschichte. Von Seiten des Vatikan gibt es konkrete Richtlinien, unter welchen Umständen ein Exorzismus durchgeführt werden kann. In Österreich wird die Praxis des Exorzismus als Teil des Seelsorgeangebots der Kirche angesehen. Oftmals beinhaltet sie auch die Zusammenarbeit mit Psychiater:innen. Esoterik-Boom und der wachsende Einfluss charismatischer Gruppen führen zur Zunahme von "Teufelsaustreibungen" - in christlichen wie in nicht-christlichen Gemeinschaften. "Im Fokus" hat in der österreichischen Geschichte der Besessenheit gegraben und sich umgehört, was heute passiert, wenn Menschen glauben, von Dämonen besessen zu sein. - Gestaltung: Amelie Sztatecsny
Meine Urahnin, die Hexe
"Meine Urahnin wurde als Hexe verbrannt." Als Kind hat die deutsche Journalistin Juliane Schiemenz erfahren, dass sie eine Nachfahrin der Pommerschen Adeligen Sidonia von Borcke ist, die im 16. Jahrhundert geboren und 1620 als Hexe hingerichtet wurde.
1604 musste Sidonia von Borcke in das evangelische Jungfrauenstift Kloster Marienfließ eintreten. Dort fügte sie sich nicht in die strenge Ordnung und geriet bald in Streit mit den übrigen Klosterfrauen und der Klosterleitung. Von ihren Mitschwestern wurde sie schließlich der Hexerei bezichtigt. 1620 wurde sie in einem Hexenprozess zum Tod verurteilt, mit dem Schwert hingerichtet und anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Fälle von sogenannter Hexenverfolgung und -verbrennung gab es auch in Österreich zu Hunderten. Die letzte "Hexe" wurde in Salzburg 1750 hingerichtet. Die Geschichte ihrer Vorfahrin sei eine Geschichte einer intelligenten, selbstbewussten und augenscheinlich unbequemen Frau, sagt Juliane Schiemenz heute. Kerstin Tretina ist dem Schicksal der Sidonia von Borcke nachgegangen und hat mehr über die Hexenprozesse in Erfahrung gebracht, die nicht, wie so oft vermutet, ausschließlich ein Phänomen des Mittelalters waren.
Sendereihe
Gestaltung
- Konstantin Obermayr
