ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Gedanken für den Tag
Mobbing und Entfremdung
Heinz Janisch, Journalist und Autor, zum 90. Geburtstag von Christine Nöstlinger
16. Oktober 2026, 06:57
So wie man gute Freunde nicht nur einmal sehen will, sondern immer wieder das Gespräch mit ihnen sucht - so sollte man auch Bücher immer wieder neu in die Hand nehmen und das Gespräch mit ihnen suchen.
Besonders ergiebig sind solche Gespräche mit den Büchern von Christine Nöstlinger. Nicht nur, dass man immer wieder überrascht ist, wie vielstimmig ihr Werk ist und wie viele Themen sie schon frühzeitig angesprochen hat, wie Mobbing in "Die feuerrote Friederike", die Trennung der Eltern in "Der gefrorene Prinz" oder auch die wachsende Entfremdung der Menschen inmitten eines neuen Wohlstands, nachzulesen im Buch "Andreas oder Die sieben unteren Achtel des Eisbergs."
Überrascht liest man auch wieder die Gedichte von Christine Nöstlinger, und damit sind nicht nur die Bände im Wiener Dialekt gemeint, "Iba de gaunz oamen Fraun". "Iba de gaunz oaman Mauna" und "Iba de gaunz oaman Kinda", diese punktgenauen Sozialreportagen, in lyrische Form gegossen. Andere Gedichte von Christine Nöstlinger finden sich verstreut in Lesebüchern oder in Sammlungen wie "Mein Gegenteil". Immer sind diese Gedichte klar und unsentimental, ehrlich und direkt, ohne romantische Verklärung.
So wie der "Auszählreim": Liram/Larum/Löffelstiel/Kindheit/ist kein/Kinderspiel./Wie sie auch immer sei/selten/ist sie froh/niemals/ist sie frei." Kindheit ist kein Kinderspiel. Dass die Kinder auch genau mitkriegen, was bei den Erwachsenen alles falsch läuft, das ist in vielen Nöstlinger-Texten spürbar.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Übersicht
Playlist
Komponist/Komponistin: Kurt Schwertsik geb.1935
Album: Kurt Schwertsik: Die Klavierwerke
* Elegie (... für Irina Cerha)
Titel: Albumblätter für Klavier
Solist/Solistin: Aya Klebahn
Länge: 01:49 min
Label: Gramola 99209
