Radiogeschichten

Hilde Spiels unveröffentlichter Roman

"Der Sonderzug". Von Hilde Spiel (Ausschnitt). Es liest Rafael Schuchter.

Eine Bahnfahrt nach Paris, eine zufällig zusammengewürfelte Gesellschaft von acht sehr unterschiedlichen Menschen - darunter Anna, eine junge Frau, die ohne Zukunftsplan in die Stadt ihrer Kindheit zurückkehrt (und die Züge der Autorin trägt), Luise, eine "vergilbte" Wiener Sekretärin, die ausgebrannte Schweizer Bohème-Malerin Frau Lindt und Kalk, ein magenkranker Mann aus Mulhouse, der nach Paris fährt, weil man dort nach Madame de Staël "das Glück entbehren kann". Hilde Spiel hielt "Der Sonderzug", ihren zweiten, 1935 von Zsolnay abgelehnten und heuer ebendort erstveröffentlichten Roman, für besser als ihr erfolgreiches Debüt "Kati auf der Brücke". Der vielstimmige Episodenroman ist inspiriert von einer Parisreise der damals in Zürich lebenden Autorin im Jahr 1933, verfasst im Alter von 23 Jahren. Zu hören sind einige Ausschnitte, in deren Mittelpunkt die Figur Kalk steht, die im Hotel Namur auf dem Montparnasse ihre ersten Paris-Erfahrungen macht.

Hilde Spiel, geboren 1911 in Wien, studierte Psychologie und Philosophie bei Karl Bühler und Moritz Schlick. Ihr erster literarischer Erfolg war 1933 der Roman "Kati auf der Brücke". 1936 emigrierte sie mit ihrem Mann, Peter de Mendelssohn, nach London, arbeitete als Journalistin und Übersetzerin. Von 1963 bis zu ihrem Tod 1990 lebte sie wieder in Wien. Als brillante Kritikerin, Korrespondentin der F.A.Z. und Essayistin prägte sie die literarische Szene. Der bisher unveröffentlichte Roman "Der Sonderzug" erscheint heuer in der von Karin S. Wozonig und Daniela Strigl besorgten Hilde-Spiel-Werkausgabe bei Zsolnay.

Service

Hilde Spiel, Der Sonderzug. Roman. Hrsg. v. Daniela Strigl und Karin S. Wozonig, Zsolnay Verlag, Wien, 2026

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