Studenten auf den Barrikaden
Proteste gegen Uni-Kürzungen
In mehreren italienischen Städten demonstrieren Studenten gegen die Universitätsreform der Regierung Berlusconi. Das schwer kritisierte Paket soll noch diese Woche von der Abgeordnetenkammer verabschiedet werden.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 25.11.2010
Zorn gegen Politiker
Die Zukunft gehört uns - mit diesen oder ähnlichen Slogans zogen hunderte Studenten und Gymnasiasten durch die römische Innenstadt. Ihr Zorn galt und gilt vor allem der Politik - die in ihren Augen schuldig ist, jungen Italienerinnen und Italienern durch ein schlecht durchdachtes Sparpaket die Zukunft zu verbauen.
Dutzende Studenten machten ihrem Zorn vor dem römischen Senat Luft. Einige versuchten in das Gebäude einzudringen. Andere warfen Eier und Rauchbomben gegen die Tore des Gebäudes. Weitere Ziele der Demonstranten waren die römische Residenz Silvio Berlusconis und der Parteisitz der PDL. Hier kam es zu Handgemengen mit der Polizei. Sechs Carabinieri werden verletzt, 2 werden festgenommen. 26 angezeigt.
Finanzielle Unsicherheit
In Sprechchören verlangen die Studenten die Freilassung ihrer Kollegen: "Erneut wird in Rom aber auch sonst in Italien mit Gewalt auf unsere Proteste reagiert. Wir wollen aber nichts anderes als einen gut funktionierenden staatlichen Universitätsbetrieb, einen, der auch finanziert wird."
Blockieren wir die Reform der Unterrichtsministerin, heißt es auch in anderen Städten. Einer der heikelsten Punkte. Die finanzielle Unsicherheit. Selbst die Gelder für das laufende Kalenderjahr stehen noch aus.
Außerdem - so beklagt dieser Lehrbeauftragte in Salerno - verschlimmert die Reform die Lage der Werkverträge und prekären Arbeitsplätze: Meine Kollegen besetzen jetzt die Dächer des Gebäudes, um ihr klares Nein zu dieser Reform zum Ausdruck zu bringen. Diese Reform investiert nichts in die Zukunft der Universitäten. Sie schädigt die Studenten. Denn sie sieht Kürzungen der Stipendien vor. Und bietet keine den jungen Menschen keine Perspektiven.
Auch Forscher flüchten vor leeren Kassen
Der Stipendienfonds 2011 wird von bestehenden 96 Millionen Euro auf 70 Millionen reduziert. Damit hat geht er auf das Niveau des Jahres 1998 zurück. Die Sitzstreiks und Blockaden in Triest, Palermo und Turin gelten aber auch dem nicht wahrgenommenen Forschungsauftrag. Die Reform, die den Abgang junger Wissenschaftler hätte verhindern sollen, ist auch darin gescheitert: Jemand der nach dieser sogenannten Reform sich der Lehre und der Forschung widmen muss, hat nur zwei Möglichkeiten. Entweder er wird geschoben - verfügt über Vitamin B - oder er hat einfach sehr, sehr viel Mut.
Insgesamt will die Regierung im kommenden Jahr 700 Millionen Euro im Universitätsbereich einsparen. Die Proteste gehen daher weiter.
