Michael Haneke,  Jean-Louis Trintignant, Isabelle Huppert, Mathieu Kassovitz und Toby Jones

AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Hanekes "Happy End" polarisiert in Cannes

Bei seinen letzten beiden Antreten im Wettbewerb von Cannes ist Michael Haneke jeweils mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden, 2009 für "Das weiße Band" und 2012 für "Amour". Heuer hat der 75-Jährige die Chance zum Rekordsieger zu werden, als erster Regisseur könnte er zum dritten Mal den Hauptpreis des Festivals gewinnen. Gestern wurde sein Film "Happy End" der Presse präsentiert - die Erwartungen waren hoch, die Reaktionen unterschiedlich.

Morgenjournal, 22.5.2017

Industriellenfamilie in Calais

Haneke erzählt in "Happy End" von einer großbürgerlichen Industriellenfamilie im nordfranzösischen Calais. Mit Jean-Louis Trintignant als Patriarch und Isabelle Huppert als dessen Tochter. Ihr Versprechen, dass alles gut werde, ist ein brüchiges. Nach der großen Liebe in "Amour" ist es hier das Fehlen von Empathie, das die zwischenmenschlichen Beziehungen definiert.

Kommunikationsdefizite und Medienkonsum werden verhandelt, die Hemmschwellen, die in der digitalen Welt andere sind als in der realen - emotionale Kälte und der Tod als rote Fäden. Eine Fülle von Themen, die sich wie ein Puzzle nach und nach zusammenfügen.

Haneke mit DarstellerInnen

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Fehlen von Empathie

Fast beiläufig konfrontiert Haneke dann die Luxusprobleme im großbürgerlichen Elfenbeinturm mit der Flüchtlingskrise. Calais ist nicht umsonst der Schauplatz dieses Films. Es ist dabei ein Film der in jeder Szene die Handschrift Michael Hanekes trägt.

Formal gewohnt präzise, von den Bildern bis hin zu den Dialogen, in denen Haneke ein Minimum an Information reicht, um Beziehungen zu definieren, ist "Happy End" einer der überzeugendsten Wettbewerbsbeiträge bisher, kann in seiner Dramaturgie aber - so die Meinung vieler - letztlich nicht alle Versprechen halten.

Noah Baumbachs "The Meyerowitz Stories"

Da das Autorenkino, dort der Hollywoodstarauflauf: Während "Happy End" der Presse präsentiert wurde, hatten Noah Baumbachs "The Meyerowitz Stories" offizielle Premiere. Mit Adam Sandler, Ben Stiller und Dustin Hoffman in den Hauptrollen, erzählt auch Baumbach eine Familiengeschichte, wenn auch eine ganz andere. Drei Halbgeschwister finden da in New York zusammen, wenn der gemeinsame Vater nach einem Unfall ins Koma fällt. Ein Film mit Höhen, Tiefen und einigen Längen, irgendwie passend zu dieser insgesamt durchwachsenen ersten Festivalwoche.

Service

Festival de Cannes 17. - 28. Mai 2017

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