APA/Hans Punz

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Das Match hinter dem Match um die Wahlduelle

Seit dem Frühsommer läuft in Österreich ein Wettrennen der Privaten mit dem ORF um die Wahlsendungen: "Sommergespräche" gab es nicht nur - wie seit Jahrzehnten – im ORF, sondern auch auf Puls4. Die Duelle jeder gegen jeden wurden ebenfalls kopiert, und so wie der ORF machten Puls4 und ATV auch Elefantenrunden. Beide Privatsender gehören zu einem großen deutschen Medienkonzern. Und im Hintergrund läuft ein großes medienpolitisches Kräftemessen um den Stellenwert der jeweiligen Fernsehinformation.

Die Zeitungen liefern die Begleitmusik dazu. Im Wochenmagazin "News" war übelstes ORF-Bashing in Form einer Karikatur von Gerhard Haderer zu sehen, auch der "Kurier" hat sein Urteil schon gefällt: Der ORF mit seinem nüchternen Setting für die Wahl-Konfrontationen sei altmodisch, Puls4 mit seinen Ja/Nein-Taferln und den oft peinlichen Geschenken, die die Diskutanten einander mitbringen müssen, hingegen dynamisch.

Wettrennen zwischen Privaten und ORF

Puls4-Infochefin Corinna Milborn sagt: "Wir sehen es als unsere Aufgabe, das zu machen. Und zwar möglichst gut. Deswegen stecken wir so viel Energie und auch so viel Geld rein, weil das eine der grundlegenden Aufgaben eines Fernsehsenders ist, wenn man ein Vollprogramm hat." Der Politikberater Thomas Hofer sieht darin aber auch ein medienpolitisches Wettrennen: "Das ist gar keine Frage. Selbstverständlich kann man als Privatsender damit nicht nur sein Image aufpolieren, sondern natürlich auch subkutan versuchen zu zeigen, dass man es gleich gut, ähnlich gut, wie auch immer – wie der ORF kann."

APA/Georg Hochmuth

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Elefantenrunde mit den Spitzenkandidaten bei ATV

Angriff in öffentlich-rechtlichem Kernbereich

Mit den Elefantenrunden auf Puls4 und ATV erzielten die zum selben deutschen Medienkonzern ProSieben/Sat1 gehörenden Sender jeweils Reichweitenrekorde. Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker kommentierte das so: "In jahrelanger Aufbauarbeit haben wir es geschafft, im Public Value Informationsbereich die öffentlich-rechtlichen Sender zu überholen." Was natürlich nur für den speziellen Hauptabend gilt. Generell sind die Privaten von den ORF-Quoten weit entfernt.

Alles ohne Subventionen – oder doch nicht?

Breitenecker streicht hervor, dass man alles "ohne hohe staatliche Subventionen" geschafft habe. Tatsächlich bekommen Puls4 und ATV aber ebenso wie der Sender Servus TV von Milliardär Dietrich Mateschitz und oe24.TV von Wolfgang Fellner sehr wohl Subventionen - bei Puls4 und ATV sind das um die zwei Millionen Euro pro Sender und Jahr aus dem Privatrundfunkfonds. Der wird wiederum aus den Rundfunkgebühren gespeist, deren Höhe dem ORF immer vorgehalten wird. Mit diesen Subventionen können die Privaten ihre Wahlberichterstattung locker finanzieren.

Förderungen für Privat-TV

"Kein Hineinverkaufen von Werbung" bei Politik

Mit Sponsoring von ganzen Sendungen, wie das bei Puls4 sonst üblich ist, geht hier nämlich nichts. Infochefin Corinna Milborn versichert: "Bei anderen Sendungen, da könnte man mehr reinverkaufen. Bei Politik geht das gar nicht, das ist Public Value." Also journalistischer Mehrwert. Für den ORF ist dieses Hineinverkaufen von offensiver Werbung in Sendungen ein Tabu, in der Information sowieso.

Wer bekommt wie viel von der GIS?

Quoten schinden durch Kopien und Frühstart

Generaldirektor Alexander Wrabetz ist nicht amüsiert über die Info-Offensive der Privaten. Die würden Sendungen kopieren, die seit Jahrzehnten ORF-Formate sind, so Wrabetz im Interview mit der "Kronenzeitung". Und das bis hin zum Titel, Stichwort: "Sommergespräche". Puls4 hat seine Wahlsendungen überdies Wochen vor dem ORF gestartet. So kann man Quote schinden.

ORF-Chef bedauert vereinnahmte Politiker

ORF-Chef Wrabetz bedauert im Gespräch mit der "Krone" die Politiker, die sich das alles antun - samt einer Spitze gegen das Fellner-Fernsehen mit seiner begrenzten Reichweite: "Die Politiker diskutieren sogar stundenlang im TV vor 15.000 Leuten. Und das, obwohl sich die Menschen, wenn es ums Fernsehen geht, überwiegend im ORF, und wenn es um Print geht, überwiegend in der Kronenzeitung informieren." Die Fronten - hier ORF, dort die Privaten und die Zeitungen mit ihren Interessen - sind klar. Die Positionen sind bezogen. Für ein Match um den ORF, das nach der Nationalratswahl noch viel härter werden könnte.

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