Die Ö1 Fundgrube

Was hat 1967, das Gründungsjahr von Ö1 bewegt? Und was davon ist heute noch in Betrieb? Wir sammeln Erinnerungen, Erzählungen und Fundstücke aller Art: Als Texte und Bilder, kurze Audios und Videos, die Sie hier für die "Ö1 Fundgrube" hochladen können.

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Meine Erinnerungen 1967

adreg - 30.07.2017 | 18:17

Schuldienst 1967

Im September 1967 habe ich meine Unterrichtstätigkeit in Oberösterreich, im BRG Linz Hamerlingstr. begonnen. Ich übernahm eine 1.Klasse in Mathematik und als Klassenvorstand mit 48 (achtundvierzig !) Schülerinnen – die Schule war damals eine reine Mädchenschule.In einer Unterstufe war die große Schülerzahl war für mich nichts ganz Ungewöhnliches, denn 2 Jahre davor hatte meine größte Klasse in der Österreichischen Schule in Istanbul (Avusturya Kiz Lisesi) 56 Mädchen.
Wir Lehrerinnen, die Schularbeiten und Hausübungen zu verbessern hatten, stöhnten zwar, aber akzeptierten die Ausnahmesituation, die bis Ostern andauerte, weil dann die 2. Schule, die im Gebäude untergebracht war , auszog.
Danach blieben 38 Schülerinnen in der Klasse, fast unverändert während der ganzen Unterstufe- die gesetzliche Grenze war schließlich 36, die aber nicht immer eingehalten werden konnte.
An große disziplinäre Schwierigkeiten erinnere ich mich nicht, die Mädchen gingen gern in die Schule und mir machte das Unterrichten Freude. Damals war Schule ihre Hauptaufgabe und oft emotionaler Mittelpunkt– Ablenkungen durch Internet, Handy etc. gab es ja noch nicht

Schwieriger war schon die Situation, dass wir gedrängt wurden Überstunden zu machen, weil es zu wenige Lehrerinnen und Lehrer gab, das brachte manche von uns an körperliche Leistungsgrenzen .
Natürlich waren so große Klassen nicht ideal und viele Kollegen und Kolleginnen , auch ich, engagierten sich in Gewerkschaft und Personalvertretung , um diese Zustände zu verbessern – mit Erfolg wie man ja an den heutigen Zahlen sehen kann. Daher kann ich die Verbissenheit, mit der man Veränderungen heute vermeiden will, nicht nachvollziehen.

Und noch etwas: Lehrergehälter gehörten zu den kleinsten unter allen Akademikergehältern (Mein Vater, ein Tischlermeister, hat immer gesagt „Warum willst du einen Hungerleiderberuf ?“ )
Ich verdiente am Anfang netto etwa 800 Schilling, während mein Mann in der Voest als Dipl.Ing. 4 000 Schilling bekam.
Das hat sich glücklicherweise deutlich geändert- mit dem nötigen Engagement !

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Viva Espana

grabenhoferv - 21.07.2017 | 18:38

Die Geschichte handelt von mir als Nachkriegsgeborene, die das Erbe einer Generation in sich trägt, die ihr Leben auf Sparflamme flimmern lassen musste. Gespart wurde sowohl mit Geld als auch mit den eigenen Gefühlen.

Im Sommer 1967 war ich 15 Jahre alt. Unsere Urlaubsreise sollte nach Spanien gehen, genauer gesagt nach Torredembarra, wenige Kilometer von Tarragona entfernt. Dort fuhren wir jedes Jahr hin, immer auf denselben Campingplatz "La Pineda", und wenn wir dort auch noch denselben Zeltplatz wie die Jahre zuvor ergattern konnten, war für meine Eltern die Welt in Ordnung.
Tage vor der Abreise begann mein Vater den grauen VW-Käfer für die Reise zu adaptieren. Die hintere Sitzbank wurde herausgenommen. Das kleine Auto wurde voll geladen, bis es nichts mehr schlucken konnte. Alles, was wir für sechs Wochen Aufenthalt brauchten, musste mit: das Steilwandzelt, Gaskocher mit Gasflasche, Klapptisch und -stühle, Luftmatratzen, Kisten voller billiger Konservendosen von Aldi, Stöße von Heften und die Bleistiftkolonnen meines Vaters. Mein Vater sammelte nämlich Bleistiftstummel, die er in hölzerne Verlängerer schraubte und mit einer Maschine, die am Tisch festgeschraubt wurde, spitzte. Auch die kam mit. Mein Vater packte, bis der Dachträger sich krümmte und im Inneren des Autos kein Millimeter Platz mehr mit Leerraum verschwendet war.
Meine Mutter saß vorne, mit vollgepackten Eimern zwischen den Beinen und Taschen auf dem Schoß. Diesmal hatte mein Vater das Auto so voll geladen, dass für meine kleine Schwester Claudia und mich hinten zwischen Gepäck und Autodach cirka. 30 Zentimeter Platz blieben, um die ganze Reise flach zu liegen. Als wir die kleine Straße von unserer Siedlung in den Ort hinunter tuckerten, stieg in mir eine derartige Wut empor, dass ich es mit einem kräftigen Schubs schaffte, dass das Gepäck unter uns ins Rutschen kam und meinem Vater ins Genick polterte.
Fluchend brachte mein Vater den Wagen mit einer Vollbremsung zum Stehen und jetzt wurde umgeladen. Meine Mutter stöhnte gequält auf: "Ja, sag mal,
Marcel, wie dämlich hast du denn diesmal gepackt!", während mein Vater schimpfend mitten im Ort in aller Herrgottsfrühe den Wagen ausräumte und das Gepäck am Straßenrand deponierte. Ich betete flehentlich, dass keine meiner Mitschülerinnen zu dieser Tageszeit schon unterwegs war, um Semmeln fürs Frühstück zu holen. Es dauerte eine knappe Stunde, bis mein Vater umständlich und schwitzend alles wieder in Reih und Glied verstaut hatte, mit dem Unterschied, dass Claudia und ich wieder jeweils 30 Zentimeter Platz hatten, nun aber in der Senkrechten.
Dann ging es endgültig los auf die dreitägige Anreise. Stunde um Stunde mühte sich der Käfer über Straßen, Autobahnen und Pässe mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Mehr schaffte er nicht. Ungerührt hielt mein Vater das Lenkrad fest, den Blick starr auf das Stückchen Straße vor ihm gerichtet.
In den seltenen Fahrtpausen auf diversen Parkplätzen jagte die ganze Familie erst aufs Klo. Dann verdrückten wir eilig die selbst gestrichenen Brote aus Vaters silberner Blechdose, die er noch aus dem Krieg besaß. Essen gingen wir nie - undenkbar bei diesen Preisen.
Übernachtet wurde meistens auf einem Campingplatz, aber diesmal waren wir zu spät dran und es gab keinen freien Platz mehr. Also schlief mein Vater im Auto und meine Mutter mit Claudia und mir auf einer Bahnhofsbank. Keine Strapaze war zu groß, wenn man dabei Geld sparen konnte.
Als wir dann erschöpft am Ziel ankamen, musste zuerst das Zelt aufgebaut werden. Mein Vater schimpfte, weil wir die Zeltstangen nicht gerade hielten. Wir lieferten unseren Zeltnachbarn gleich ein spannendes Straßentheater, indem wir Einblick in unsere missliche Familiensituation gewährten. Ich wäre am liebsten zu einem winzig-kleinen Staubkörnchen im spanischen Sand implodiert, denn mein Vater äußerte sich nur im Kommandoton und es war ihm auch nicht möglich, die Lautstärke zu regulieren. Er schien gar nicht zu bemerken, dass da noch andere Leute waren und breitete unsere Utensilien in weitem Umkreis aus, als wären wir allein auf weiter Flur.
Für mich war mein Vater auch so angezogen, als gäbe es außer uns niemanden. Er trug in Spanien stets eine weite, kurze, lila Hose aus glänzendem Stoff mit Gummizug am Bund und zwei Schlitzchen an den Seiten. Er hatte uns erzählt, dass das eine Unterhose von seiner Armee-Uniform aus dem Krieg sei. Unten guckten seine dünnen Beinchen heraus wie zwei krumme Besenstiele. Bei manchen Bewegungen blitzte auch der Pimmel hervor. Meine Mutter sah das nicht, weil sie stark kurzsichtig war, was auch durch die dicke Brille nur notdürftig ausgeglichen werden konnte. Mir jedenfalls war dieser Kleidungsstil saupeinlich.
Wenn dann das Zeltgerippe stand und mit der Plane überzogen war, verzog sich mein Vater mit den Heften und verlängerten Stiften samt seiner Luftmatratze hinter das Zelt, wo es schattig und unwirtlich war und kam nur zum Essen hervor. Zum Strand ging er kaum. Wenn das doch einmal geschah, dann trug er zu seiner lila Kriegsunterhose braun karierte, geschlossene Filzpatschen mit einer Bummel oben drauf, weil der Sand zu heiß war zum Durchlaufen. Wenn genau vor der Linie, die die Brandung zieht, wenn sie den trockenen Sand berührt, die braun karierten Schuhe fein säuberlich nebeneinander standen, dann wussten wir: Vater ist ins Wasser gegangen.
Einen Bummel über die Strandpromenade hinein in die Altstadt mit ihren engen Gässchen und der Kirche unternahmen wir fallweise, wenn die Lebensmittelvorräte knapp wurden. Mein Vater ging voran, die Aktentasche, ohne die er nirgends hinging, an der gestreckten Hand, meine Schwester und ich hinterher, als Schlusslicht meine sehbehinderte Mutter mit leidender Miene. Den Gang meines Vaters habe ich noch lebhaft vor Augen. Er ging nicht wie andere Leute, einen Fuß vor den anderen setzend, sondern er warf zwei schlabbernde Hosenbeine nach außen, was den übrigen Körper in rhythmische Bewegung versetzte. Manchmal blieb er ruckartig stehen, knallte die Aktentasche samt Thermosflasche und silberner Blechdose auf den Boden, wechselte umständlich die Tragehand und die Hosenbeine machten sich wieder auf den Weg.
Bei den kleinen Geschäften in der Stadt war dann meine Mutter an vorderster Front: "Un kilo de patatas, ocho panecillos y diez huevos, ...". Schließlich hatte sie zu Hause bereits mehrere Fernkurse - damals noch per Tonband - in Spanisch belegt. Mir erschien das damals recht exotisch, da ich meine Kontakte in Spanien mühelos auf deutsch knüpfte.
"Ja, Kartoffeln, Brötchen und zehn Eier, bitteschön Senora!", erwiderte der Händler freundlich. Mein Vater zahlte und warf einen Blick auf seine Uhr. Dabei ließ er ruckartig den Arm nach vorne schnellen wie ein Boxer beim Schlag. Der Ärmel flutschte nach oben und er stellte die Uhrzeit fest, meistens genau nach halben Minuten. "Nu, ich globe, wir müssen weiter."
Spät abends schlich sich oft spanische Musik aus einer nahe gelegenen Bar in unser Zelt und streute mir spannende Unruhe ins Herz. Einmal konnte ich meinen Vater erweichen, mit mir ins Algusto zum Tanzen zu gehen. Ich holte mein Minikleid hervor, das ich für solche Zwecke mitgenommen hatte. Es war hellblau geblümt und aus Papier, ähnlich einer sehr dicken Küchenrolle. So etwas konnte man damals über ein BRAVO-Heft bestellen. Ich hatte es nur in meiner Größe ausschneiden und an den "Nähten" zusammenkleben müssen. Ich malte meinen Mund mit hellrosa Lippenstift aus und fand mich toll. Ich war sehr aufgeregt.
Als wir bei der riesigen Freiluftbühne ankamen, hielt sich mein Vater die Hände an die Ohren: "Bei der Lautstärke - Nee!". Zum Glück steuerte gleich ein braun gebrannter junger Spanier mit blendend weißen Zähnen auf mich zu und tauchte mit mir im schummrigen Trubel der dröhnenden Tanzfläche unter. Ein Blick in Bernardos schwarze Augen und ich schwebte im spanischen Himmel. Als ich gute zwei Stunden später meinen Vater mit einem leeren Limonadenglas in der Hand am Rand der Tanzfläche nach mir suchend stehen sah, stahl sich leise ein Gefühl von Liebe und Geborgenheit in meine Brust. Ich rannte ihm entgegen und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Nu, ich globe, wir müssen zurück.", sagte er mit Blick auf die Uhr.
Den glutäugigen Bernardo habe ich nicht wieder getroffen, aber ich habe später einen feschen Steirer mit blitzenden dunkelbraunen Augen geheiratet, der immer noch an meiner Seite weilt.

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Erinnerungen an 1967

oe1post - 21.07.2017 | 17:33

Dieses Schreiben erreichte uns postalisch und wird unter dem Nickname "oe1post" veröffentlicht. (Ö1)

Das Jahr 1967 war für mich schicksalhaft, da es mir trotz des Widerstandes des damaligen Musikchefs Dr. Hans Sachs gelungen ist, als Frau zu einem Probespiel zum ORF Symphonieorchester zugelassen zu werden und in dieses Orchester aufgenommen worden zu sein!
Bei einer mündlichen Bewerbung sagte mir Dr. Hans Sachs, die Frauen im Orchester wären eine Nachkriegserscheinung, man möchte lieber Männer!! Obwohl eine Stelle frei und ausgeschrieben war, schrieb man mir, es wäre keine Stelle vakant. Dann rief mich eine Geigerin an, wieso ich nicht beim Probespiel wäre. Ich solle sofort kommen. Das tat ich, vorbereitet war ich ja immer, packte mein Cello, fuhr in den Rundfunk, zeigte die Bestätigung des eingeschriebenen Lebenslaufes etc, her.
„Da muss etwas passiert sein, schreiben´s nochmals einen Lebenslauf und spielen´s vor“.

Das war der Beginn meiner wunderschönen Zeit im ORF! Jetzt bin ich 80, lebe mit meiner autistischen Tochter Laila in meinem Elternhaus, spiele bei diversen kleineren Veranstaltungen Cello, meine Tochter malt in Gugging.

Ich denke oft an die ersten Konzerte unter Max Schönherr im Sendesaal, dann an die Gründung des ORF Symphonieorchesters 1968 unter Milan Horvath. Die ersten Tourneen durch Österreich, bei denen wir überall groß gefeiert wurden! Der Pioniergeist erfüllte uns alle bis zum letzten Pult!
Das Funkhaus hat sich inzwischen sehr verändert. Damas gab es noch Garderoben mit Garderobenfrauen. Sie hatten umhäkelte Kleiderbügel für uns Musiker bereit. Wenn meine Mutter keine Zeit für meinen kleinen Sohn hatte, gab ich ihn fallweise in der Garderobe mit einem Korb Matchboxautos ab! Die Aufnahmekabinen waren woanders, hinten oben im Sendesaal. Dort waren auch Pausenräume für uns. Die Kantine war oben im 4. Stock, die Krankenscheine holte man zuerst im Büro, später bei einem Automaten im Halbstock rechts vom Eingang. Gegenüber des Funkhauses war ein großer Parkplatz und eine Grünfläche. Dort verbrachte ich oft die Mittagspause.-
In der ORF Clubzeitung im September 2016 schrieb man über mich!
Mich freut es sehr, dass das Thema Frauen im Orchester kein Thema mehr ist, dass die ersten Frauen vor mir, dann mit mir bewiesen, dass wir viel aushalten und nicht wegen 37 Grad Fieber oder Schnupfen zu Hause bleiben! Und dass wir unsere beruflichen Aufgaben gewissenhaft erfüllten war ja selbstverständlich! Ich saß am ersten Cellopult und wurde noch in den Jahren meiner Pension von Leuten angesprochen! Soetwas freut einen!

Das wären halt ein paar Gedanken über 1967!

Mit besten Grüßen Alexandra Bachtiar

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Jubiläumsjahr 1967

oe1post - 21.07.2017 | 17:23

Dieses Schreiben erreichte uns postalisch und wird unter dem Nickname "oe1post" veröffentlicht. (Ö1)

Im Frühjahr 1967 wurde mein jüngerer Sohn Wolfgang fünf Jahre alt. Wir wohnen seit 1962 in einer Wohnhausanlage der Gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Heimwerk" (heute "Sozialbau") mit sechs Häusern (insgesamt 130 Mietwohnungen verschiedener Größen), die in einem großzügigen Abstand voneinander erbaut worden sind (Fertigstellung 1962) und viel Freiraum für die Kinder ließen, was auch gut genützt wurde. Unser Sohn war einer von elf Gleichaltrigen, die seine Spielkameraden waren.

Ich hatte 1965 einen Lungeninfarkt nach einer Venenoperation (Krampfadern) und deshalb wurde mir im Gemeinde-Kindergarten am Wolfrathplatz ein Platz für unseren kleinen Sohn eingeräumt. Aber gerade das Jahr vor dem Schuleintritt hielt man das nicht mehr für notwendig, er durfte nicht mehr in diesen Kindergarten gehen, und der Evangelische Kindergarten in unserer Nähe hatte auch keinen Platz mehr frei. (Im katholischen Kindergarten fragten wir nicht an, weil unsere Kinder nicht getauft sind.)
So verbrachte unser Jüngerer das Jahr vor dem Schuleintritt allein in unserem Hof.
Zufällig wurde die Ghelengasse in unserem Wohnbereich im Sommer 1967 neu asphaltiert, und als der kleine Bub interessiert zuschaute, durfte er manchmal neben dem Lenker sitzend auf der Asphaltiermaschine mitfahren. Natürlich war er jeden Tag schwarz vom Teer an der Hose (jeden Tag eine frische), aber sehr glücklich, weil auch die Arbeiter sehr freundlich zu ihm waren.

Ich schreibe Ihnen deshalb, weil man heute die Familien dazu verpflichtet, ihre Kinder das Jahr vor Schuleintritt (oder sogar ein zweites Jahr davor) in den Kindergarten zu schicken. Man braucht keiner Partei anzugehören.

Elfriede Stern

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Europäische Auszeichnung für Krimmler Wasserfälle

alpenverein - 21.07.2017 | 13:38

1967 wurde den Krimmler Wasserfällen vom Ministerkommitee des Europarates das „Europäische Diplom für Naturschutz“ verliehen.

Bemerkenswert erscheint folgender Auszug aus der Festrede von Herbert Moritz, Landeshauptmannstellvertreter a.D. des Landes Salzburg.

„Die Auszeichnung des Europarates gilt nicht nur dem Wunder dieser Wasserfälle, sondern auch dem Mut der Krimmler, mit dem sie dieses Kleinod verteidigen, für das sie auch manchen Nachteil in Kauf genommen haben. Den gleichen Mut brauchen wir im Naturschutz und überall, um die manchmal unpopuläre These zu behaupten, dass die Wirtschaft Dienerin des Menschen bleiben soll, und dass wir ihr nicht mehr das Recht einräumen, sich den Menschen samt dem letzten Quentchen freien Lebensraumes zu unterwerfen.“

27 Jahre lang blieben die Krimmler Wasserfälle im Arbeitsgebiet der Alpenvereinssektion Warnsdorf-Krimml das einzige österreichische Naturschauspiel mit dieser hohen Auszeichnung.

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Rassistisch? Ich?

pinta - 15.07.2017 | 00:47

1967 arbeitete ich als Krankenschwester mit an der Entwicklung kleiner Gesundheitszentren in kolumbianischen Armenvierteln. Die einfache Frage eines Flüchtlings aus Haiti veränderte meine Weltsicht.

Aus meinem südamerikanischen Tagebuch:
"20. September 1967
Schrill kreischend begleiten mich die Klageweiber zum Dorfplatz. An meiner Hand der fünfjährige Sohn der soeben Verstorbenen. Esperanza, die Hoffnung wurde gerade 19 Jahre alt, Prostituierte seit dem 12. Lebensjahr, Mutter dreier noch lebender Kinder.
Diese letzte Nacht habe ich bei Esperanza verbracht. Nun bin ich todmüde und möchte nur noch in der Hängematte verschwinden. Es ist schon heiß, obwohl der Tag erst begonnen hat.
Je näher wir dem Dorfplatz kommen, desto lauter wird ein anderes Gekreische. Da brüllen mindestens 200 Kinder aus Leibeskräften eine Hymne zum Tag der Befreiung. Von klein bis groß in Reih und Glied, hellbraun bis schwarz die Hautfarben, weiß bis staubgrau die Schuluniformen.
Die Frauen rund um mich sind verstummt. Also kann ich sie fragen, von was für einer Befreiung die Kinder singen. Sie schauen mich verständnislos an. Befreiung?
"Ja, bitte, sagt mir, wovon befreit? Von der Sklaverei, vom Elend?"
Plötzlich fällt ein Schatten auf mich. Ein baumlanger, junger Mann steht vor mir und antwortet anstatt der Frauen: "Von den Steuern an die spanische Krone. Sie wissen sicher- Simon Bolivar und so weiter.."
Erstaunt blicke ich zu ihm hoch. Ihn habe ich noch nie gesehen. Er wäre mir aufgefallen. Schwarz wie die Nacht und schön. Beeindruckend seine tiefe Stimme. Sein Spanisch hat einen französischen Akzent.
"Woher kommen sie?" wollte ich gerade fragen, als er eine leichte Verbeugung andeutet und sagt: "Abelardo de Haiti - a su servicio!"
"Abelardo? Zu meinen Diensten? Ja, wo haben sie denn ihre Heloise?" frage ich lachend.
Was sonst könnte einem einfallen beim Namen Abelardo als die tragische Liebesgeschichte des gelehrten Mönchs und seiner schönen Schülerin?
Natürlich rechne ich nicht damit, dass er die Geschichte kennt. Woher auch? Aber er antwortet in reinstem Französisch, dass er zwar kein Mönch sei, aber sie vielleicht gerade kennenlerne und fragt gleich darauf: "Sind sie auf Austausch hier?"
"Auf Austausch? Wie? Sie meinen.." In meinem Hirn rattert etwas. Ich wechsle lieber ins Spanische, vielleicht habe ich ihn ja missverstanden.
"Si, si, intercambio" antwortet er ernsthaft und ich starre ihn völlig entgeistert an.
Das hieße also: Jemand aus diesem Armenviertel, vorwiegend bevölkert von Zuhältern, Prostituierten, Dealern und anderen Überlebenskünstlern, in dem ich seit einem halben Jahr mit dem Aufbau eines Gesundheitszentrums beschäftigt bin, wäre im Austausch für mich in meiner Heimatgemeinde in Österreich, um dort Entwicklungshilfe zu leisten! Blankes Entsetzen breitet sich aus in mir.
Schlagartig wird mir meine Überheblichkeit bewusst. Zudem frage ich mich im selben Augenblick, ob ich gefühlsmäßig anders reagieren würde, stellte mir ein weißer Mann dieselbe Frage.
Meine Antwort ent-täuscht mich: Ich - rassistisch!
Ich hatte mir tatsächlich eingebildet, frei zu sein von Vorurteilen, dem anderen immer auf Augenhöhe zu begegnen. Nun schäme ich mich, das Wort Entwicklungshilfe in den Mund zu nehmen.
Als ich wieder zu Abelardo aufschauen will, wird mir schwindlig. Schnell setze ich mich auf die hohe Türschwelle einer Bar. Abelardo verschwindet aus meinem Blickfeld und hält mir nach ein paar Minuten ein eiskaltes Getränk an die Wange, setzt sich neben mich und beginnt zu erzählen: von seiner Flucht aus Haiti nachdem sein Vater, Lehrer für französische Literatur, von den Tontons Macoutes abgeholt worden war; von seinem Traum, in Paris zu studieren..."
Dies war der Anfang einer wunderbaren Freundschaft, aber noch lange nicht das Ende all meiner Vorurteile.

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1967 ... als alles begann

koehlmeiero - 13.07.2017 | 06:29

1967

1967. Ich wurde 18. Und begann, gegen das Alte und die Alten aufzubegehren. Obwohl Vorarlberger – streng, katholisch und konservativ erzogen – spürte ich, dass es da noch etwas Anderes gab, nicht nur „das Ländle“, die Kirche und die ÖVP. Angeregt von „Bravo“ und „Radio Luxemburg“, von Berichten im Fernsehen und der Kino-Wochenschau, von der Nähe zu München und Zürich, ließ auch ich mir die Haare wachsen, begann auch ich mich anders zu kleiden, erlaubte auch ich mir, Fragen zu stellen und ein klein wenig anders zu denken als Eltern, Lehrer und Pfarrer dies vorgaben. Und es sollte nicht lange dauern, bis ich von einem Extrem ins andere fiel: von Karl May zu Karl Marx, von der Bibel zum „Kapital“, vom „schaffa, schaffa, Hüsle baua“ zu „ho-ho-ho-tschi-minh“. Und es verließ, das Ländle.

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Tokajer - Jahrgang 1967

gudrunkavalir - 10.07.2017 | 21:52

Tokajer - Jahrgang 1967

Im August dieses Sommers heirateten meine Eltern. Die Hochzeitsreise führte sie nach Miskolc, Ungarn. Tokaj liegt nur etwa fünfzig Kilometer von Miskolc entfernt. Damals wie heute ist das Gebiet um Tokaj bekannt für den Süßwein. Bei einem Ausflug dorthin kaufte meine Mutter eine Flasche dieses Weines. Sie nahm sich vor, ihn bis zum Tag ihrer Goldenen Hochzeit aufzuheben, um ihn dann gemeinsam mit ihrem Mann im Kreise ihrer zukünftigen Familie zu öffnen. Die Ehe meiner Eltern hat fünfzig Jahre überdauert. Die Flasche Tokajer aus 1967 lagerte in all den Jahren in vier verschiedenen Kellern. In den jeweiligen Wohnungen oder Häusern darüber wurde gelacht und man vergoss Tränen. Es wurden Geburten gefeiert, Todesfälle betrauert, Krankheiten durchgestanden. Mitte Juni war es nun soweit. Bei einem großen Familienfest anlässlich zweier runder Geburtstage stellte meine Mutter den Tokajer auf den Tisch. Sie brachte einen Korkenzieher und gemeinsam mit meinem Vater öffnete sie die Flasche. Der Korken zerbröselte zwar unter dem Druck, aber jetzt hatte er seinen Zweck endlich erfüllt. Jeder von uns bekam einen Schluck des kostbaren Weines eingeschenkt. Er schmeckte süß und ein wenig nach Sherry. Gereift, aber nicht verdorben. Seine Farbe war dunkles Bernstein geworden. https://zartbitter.co.at/gesellschaftspolitik/augenblicke/tokajer-jahrgang-1967-im-august-dieses-sommers-heirateten-meine-eltern/

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3-Monats-Koliken im 6-Tage-Krieg

dunja - 10.07.2017 | 11:10

1967 kam mein Bruder zur Welt. Immer abends litt er stark an den sogenannten 3-Monats-Koliken. Nur die Redionachrichten, insbesondere die Berichterstattung zum 6-Tage-Krieg, konnten ihn beruhigen.

Ich war fünf, als mein Bruder am 4.5.1967 geboren wurde. Wir lebten damals in Zagreb im damaligen Jugoslawien. Im August 1968 sind wir dann nach Oberösterreich übersiedelt.
Meine Mutter, mein Bruder und ich lebten im Sommer 1967 vorübergehend während des 4-monatigen Mutterschutzes bei den Großeltern, die ein Häuschen mit Garten im Osten der Stadt hatten. Mein Vater blieb indessen in unserer Wohnung im Westen der Stadt, wo sich auch sein Arbeitsplatz befand.
Mein Bruder litt schon wenige Wochen nach der Geburt an den sogenannten 3-Monats-Koliken. Das bedeutete abendliches Geschrei über ein bis zwei Stunden, bis er schließlich vor Erschöpfung einschlief.
Mein Opa (1901-1983) verfolgte damals mit großem Interesse die Weltnachrichten über das Radio - Fernseher gab es keinen. Rund um den 6-Tage-Krieg gab es vermehrt Sendungen, die mit einer besonderen akustischen Kennung eingeleitet wurden. Gerade diese Kennung aber auch die nachfolgende Berichterstattung, möglicherweise auch mit O-Tönen, konnte meinen Bruder herrlich beruhigen. Dreimal ist er dabei sogar eingeschlafen. Der 6Tage-Krieg dauerte glücklicherweise nicht lange, leider gab es bald auch keine Sondersendungen mehr. Der Beruhigungseffekt war dahin. Aber mein Opa besann sich der Kennung und gestaltete mit seiner tiefen Stimme einen rhythmischen Sing-Sang, der meinen Bruder ebenfalls beruhigen konnte.
Natürlich habe ich erst viel später gecheckt, worum es sich beim 6-Tage-Krieg handelte. Und es gibt auch keine Aufnahmen, weder vom Geschrei noch von der Berichterstattung - unser erstes Magnetophon kam ins Haus, als mein Bruder schon Sätze bilden konnte, also ca. 1971. Ich weiß nicht, ob es bei "Radio Zagreb" Archivaufnahmen aus der Zeit gibt. Ich würde mir das gerne wieder anhören.
Ö1 trat bewusst in mein Leben 1972, als ich zehn war und ins Gymnasium kam. Ich musste täglich um 7:10 das Haus verlassen, um den Zug in die nächste Bezirksstadt zu erreichen. Morgens lief immer Ö1, und alle konnten sich daran zeitlich orientieren. Jeweils zu Beginn des Morgenjournals sollte ich mit dem Frühstücken fertig sein...

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1967 ... im Englischen Garten in München

koehlmeiero - 08.07.2017 | 11:08

jpg - münchen 67

Juli 1967. Ein Schulfreund und ich beschlossen, in den Sommerferien für ein paar Tage nach München zu trampen. Wir waren beide 17, bald 18. Trotzdem durften unsere Eltern nichts von unseren Plänen wissen. Man stelle sich das vor. Heute marschieren achtjährige von Syrien bis England, von Afghanistan bis Schweden. Unbegleitet. Unsere Eltern hätten uns – Siebzehnjährigen - niemals erlaubt, die nicht mal 200 Kilometer von Vorarlberg bis München zu trampen. Also sagte ich meinen Eltern, dass ich ein paar Tage bei meinem Schulfreund in Bregenz verbringen werde. Und mein Schulfreund sagte zu seinen Eltern, dass er ein paar Tage bei mir in Hard (der Nachbargemeinde von Bregenz) sein werde. Und wir zogen los. Und erreichten nach einem langen Tag auf der Bundesstraße München, wo wir (wie zuvor schon beschlossen) im Englischen Garten in unseren Schlafsäcken übernachten wollten. Der Englische Garten in München hatte für uns Jugendliche einen abenteuerversprechenden Namen, während er von der älteren Generation verteufelt wurde. Vor allem wegen dem, was sich dort ab Mitte der 60er-Jahre abspielte. Der Hügel um den Rundtempel „Monopterus“ wurde zum Treffpunkt der Hippies und Gammler, der alternativen Bewegung, der Musiker, Dichter, Kleinkünstler. Er – der Englische Garten – wurde zum Feindbild der Bürgertums, zum Symbol der Gegenkultur. Und eben diese alternative Gegenkultur erlebten wir, zwei Jugendliche aus dem bieder-konservativen Vorarlberg. Was sich da drei Tage und Nächte hindurch in diesem Englischen Garten abspielte, das war für uns unglaublich und hat uns (zumindest mich) für den Rest unseres (meines) Lebens geprägt. Da lagen junge Männer und Frauen friedlich im Gras und sagen Lieder. Jeder umarmte jeden. Die Mädchen trugen lange wallende Kleider, bunte. Viele zeigten ganz selbstverständlich ihren Busen. Die Burschen hatten lange Haare und Bärte. Allerorten wurde Musik gemacht und von Friede gesungen. Jede und jeder rauchte und über allem lag ein süßlicher benebelnder Duft. Es war unglaublich. Und spätestens ab dem Zeitpunkt wusste ich: es gibt noch etwas Anderes, es gibt auch eine andere Welt, nicht nur die, die uns von Pfarrer, Lehrer, Ortsparteivorsitzendem in Vorarlberg vorgezeigt und als erstrebenswert dargestellt wurde.

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