Gratisdeutschkurse für Migrantinnen
Das Tor zur Welt
Ein Wohltäter wollte etwas für Menschen tun, eine NGO in Wien setzt es um: Dieser Tage ging der erste Gratisdeutschkurs für Asylwerberinnen zu Ende, der Menschen am Rande der Gesellschaft einen Anfang erleichtern soll.
8. April 2017, 21:58
Rosemarie Brucher zur Situation von Asylwerberinnen
Flüchtlinge müssen in Österreich auf ihre Integration lange warten, denn die begehrten Deutschkurse stehen nur Menschen mit positivem Asylbescheid offen. Ein einmalig finanzierter Frauen-Deutschkurs gibt Migrantinnen, die durch alle Netze fallen, eine neue Zukunft.
Integration statt Neuzuzug
Dieses staatlich ausgerufene Prinzip gilt - wenn etwa Kriterien wie das Erlernen der deutschen Sprache angelegt werden - nur für einen kleinen Teil der Migranten, die sich in Österreich aufhalten. Asylwerber müssen mitunter viele Jahre auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten. In der Zwischenzeit haben sie keine Arbeitsmöglichkeit, sind auf staatliche Unterbringungen oder Heime von karitativen Organisationen angewiesen und haben kaum Möglichkeiten, die Zeit des jahrelangen Wartens sinnvoll zu verbringen, indem sie etwa Deutsch lernen.
Besonders schwer haben es in dieser Situation allein erziehende Mütter. Ihre Kinder besuchen österreichische Schulen und sind mitunter ihrer Heimatsprache kaum mehr mächtig. Sie werden mitunter nach jahrelangem Aufenthalt gemeinsam mit der Mutter in ihr Herkunftsland abgeschoben, wenn nämlich deren Asylverfahren negativ abgeschlossen wird.
Private Spendenaktion für Deutschkurs
Hilfe für diese Frauen kam nun aus privater Initiative: Das UKI - das Unterstützungskomitee für die Integration von Ausländerinnen und Ausländern - organisiert seit Jahren staatlich finanzierte Deutschkurse und Weiterbildung für anerkannte Migranten. Durch den Rost fielen jedoch die (noch) nicht anerkannten Migranten, weswegen Klaus Elsbacher - erfolgreicher Geschäftsmann und UKI-Gründungsmitglied - eine private Spendenaktion ins Leben rief, um eine kleine Gruppe dieser Vergessenen zu unterstützen.
Das UKI organisierte in seinen Räumlichkeiten einen Intensiv-Gratisdeutschkurs für Frauen, vorzugsweise Alleinerzieherinnen. Teilnehmerinnen sind hauptsächlich Asylwerberinnen und Opfer von Frauenhandel, die oft in Schutzwohnungen von Flüchtlings- und Migrantenorganisationen wohnen und finanziell von diesen Institutionen abhängig sind, da sie keine Arbeitserlaubnis haben.
Drei Monate Gratisunterricht
Fünfzehn Frauen erhielten die Möglichkeit, drei Monate lang täglich von 14:00 bis 17:00 Uhr Deutsch zu lernen. Eine von ihnen ist die aus Somalia stammende Semaid. Die junge Mutter von drei Kindern hat in Mogadishu die Wirren des somalischen Bürgerkriegs mitgemacht:
"Mein Bruder wurde von den Soldaten getötet, meine Familie hat nicht genug zu essen, erzählt sie und lächelt nach jedem Satz, wie um den Schrecken zu entkommen. Ihr Mann gelangte wie durch ein Wunder nach Österreich; sie selber schlug sich mit ihren Kindern nach Kenia durch, wo die Kleinfamilie der gewalttätigen Polizei ausgeliefert war. Im österreichischen Konsulat von Kenia erhielt Semaid schließlich ein Visum für sich und ihre Kinder.
Heute lebt sie mit Mann und Kindern in einem engen Zimmer in einem Flüchtlingsheim der Caritas und hofft auf den positiven Ausgang ihres Asylverfahrens. Der Deutschkurs hat ihr Selbstwertgefühl gestärkt und ihr Hoffnung gegeben. Am Ende der drei Monate kann sich die Traumatisierte recht gut auf Deutsch verständigen.
Geborgenheit und Hoffnung
Als Flüchtling jahrelang in Österreich zu sein, ohne Deutsch zu können, bedeutet, gesellschaftlich ausgeschlossen zu werden: ohne Sprache keine Integration. Viele Flüchtlinge und Migranten können sich jedoch keinen Deutschkurs leisten, und der Staat finanziert nur einem kleinen Teil der Flüchtlinge einen solchen Kurs - nämlich jenen, die einen positiven Asylbescheid erhalten haben.
Gegen diesen Missstand kämpfte nun das UKI an - mit großem Erfolg, wie auch die Kursleiterin Rosemarie Brucher betont: "Der Kurs hat den Frauen Geborgenheit und Hoffnung gegeben, zieht auch sie ein positives Fazit. Sie hat schon öfters im Integrationsbereich unterrichtet und weiß, wovon sie spricht: "Frauen mit schwieriger Lebensgeschichte und aus unterschiedlichsten Kulturen raufen sich da auf längere Zeit zusammen, da entsteht viel Herzlichkeit und viel Offenheit. Die Frauen haben immer wieder mit neuen Problemen zu kämpfen. Manche fangen während des Unterrichts zu weinen an. Das tägliche Zusammenkommen kann da viel Halt geben, resümiert die Deutschlehrerin.
Hör-Tipp
Journal-Panorama, Mittwoch, 29. November 2006, 18:25 Uhr
Download-Tipp
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Kurs-Tipp
UKI - Unterstützungskomitee zur Integration von Ausländerinnen und Ausländern, 1140 Wien, Felbigergasse 38/2, Tel: 01/914 88 70, DW 20, Fax: DW 27, E-Mail: office.uki@aon.at
