Getrübte Idylle am Wiener Volkstheater

Dogville

2003 erhielt Lars von Triers Film "Dogville" über eine attraktive Blondine, die vor Gangstern in das Städtchen Dogville flüchtet, die Goldene Palme beim Festival von Cannes. Das Wiener Volkstheater eröffnete die Saison nun mit einer Theaterfassung.

Lars von Triers Film "Dogville" erhielt 2003 die Goldene Palme beim Festival von Cannes. Es ist ein Werk mit einer eigenen, sehr persönlichen Filmsprache. Nun eröffnet das Wiener Volkstheater die Saison mit einer Theaterfassung von "Dogville". Die Bühnenfassung stammt von Christian Lollike, Regie führt Georg Schmiedleitner

Grace, eine attraktive Blondine flüchtet vor Gangstern in das Städtchen Dogville, das irgendwo am Fuße der Rocky Mountains liegt. Nach anfänglichem Misstrauen akzeptiert die Bevölkerung schließlich die junge Frau, die bald einfache Arbeiten verrichten muss, ausgebeutet wird und schließlich von der Sklavin zur Sex -Sklavin wird: Sie wird angekettet und der Lust-Befriedigung der männlichen Bevölkerung preisgegeben.

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Der Standard

(...) Wir finden die siebensüß im eigenen Frustrationsfett simmernde Dorfschullehrerin (Claudia Sabitzer), und der sich anschließende Reigen der Vergewaltigungen und Demütigungen führt Grace absehbar in den abwaschbaren Mostbottich.

Ihre Rache zur finalen Krönung dieses Futterkrippenspiels wird eine furchtbare sein - denn wurmstichig sind bekanntlich immer die anderen. Aber wie kann man nur auf die trübe Idee verfallen, aus einer verschmockten, gleichwohl genialen Filmversuchsanordnung ein Spiel über das Mitleiden "mit der geschundenen Kreatur" zu organisieren? Über das sich lediglich sagen lässt, es sei unfallfrei, aber halt sehr zähledern und gänzlich blickdicht gegenüber unangenehmen Einsichten über die rabenschwarze Bühne gegangen?

Die Presse
Die Premiere wurde stark akklamiert, es sitzen ja viele Theaterleute drin und Angehörige der Künstler. Wie auch immer: Nach der finanziell (öfters auch künstlerisch) desaströsen ersten Saison ist Schottenberg, vor allem aber dem Volkstheater, Genesung dringend zu wünschen. Trotzdem fragt man sich, was ist der Nutzen dieser Aufführung, die an Brecht oder Max Frisch erinnert, ein Lehrstück eben, aus dem man raus geht und sich erleichtert denkt: Bin ich froh, dass ich so was nicht erleben muss? Oder-aber noch mehr Schulter zuckend: tolle Schauspieler, grässliches Stück.

Wiener Zeitung
Das einzig Packende an der Theatervorstellung ist der Knalleffekt am Schluss. Nicht nur, weil er ein zweistündiges Leiden an hölzern-klobigem Ensemblespiel und an ebensolchem Bühnenbild beendet, sondern weil er tatsächlich eine überraschende Pointe setzt. Kennt man allerdings den der Bühnenadaption zu Grunde liegenden Lars von Trier Film aus 2003, fällt auch diese letzte Belohnung für Zuschauergeduld weg.

Veranstaltungs-Tipp
Lars von Trier und Christian Lollike, "Dogville", ab Donnerstag, 15. September 2006 (Premiere), 15:00 Uhr, Volkstheater Wien,
Ö1 Club Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (10 Prozent).

Links
Volkstheater - Dogville
Der Standard - Die Geilheit, die sie meinen
Die Presse - Es knallt in den Rocky Mountains
Wiener Zeitung - Das Theater vor fünfzehn Jahren