Nach der Heimkehr erfolgt der Karriereknick

Auslandsaufenthalte

Wer Chef werden will, muss Karriere machen. Ohne einige Jahre im Ausland gearbeitet zu haben, ist bei vielen großen Konzernen nicht Karriere zu machen. Zudem steigt der Bedarf an mobilen Menschen. Doch was, wenn der erhoffte Karrieresprung ausbleibt?

Gabriele Gradnitzer über Karrierevorteile

Arbeitsnomaden nennt man sie, die Manager, Berater oder Ingeneure, die alle paar Jahre in ein neues Land ziehen. Auf Englisch, in der Sprache der Kosmopoliten, heißen sie Expatriates, bekannt als Expats. Das bedeutet "länger im Ausland Lebende".

Es werden immer mehr Expats, denn je internationaler Unternehmen werden, je mehr sie exportieren und in neue Märkte expandieren, desto mehr brauchen sie. Laut einer Studie der Unternehmensberater PriceWaterhouseCoopers (PwC) glauben mehr als die Hälfte der großen Konzerne in Europa und den USA, dass sie künftig noch mehr Mitarbeiter ins Ausland schicken werden, vor vier Jahren glaubten dies nur ein Drittel. Die gefragtesten Ziele: China, Indien, Südostasien, der Nahe Osten und Osteuropa.

Ausland bringt die gewünschte Erfahrung

Ein Blick auf die Jobannoncen zeigt: Wer Karriere machen will, muss fast im Ausland gewesen sein. Auslandserfahrung sei ein Karrieresprungbrett, sagt Gabriele Gradnitzer von der Personalberatung Neumann International. Viele junge Mitarbeiter könnten durch Auslandsaufenthalte schneller an die Spitze kommen, weil sie im Ausland schneller mehr Erfahrung sammeln können.

Wer ein paar Jahre im Ausland war, sei meist flexibler, selbstständiger, habe eine höhere soziale Kompentenz und natürlich ein besseres Wissen über unterschiedliche Märke. Nein-Sagen zu einer Entsendung ins Ausland sei oft sogar ein Karrierekiller.

Flexibilität aus Voraussetzung
Viele Manager müssten sich sehr schnell entscheiden, erzählt etwa Norbert Gabriel, der für den niederländischen Konzern OCE urspünglich nur drei Jahre ins Ausland geschickt wurde, aber letztendlich 17 Jahre unterwegs war. Er hatte keinen Plan, wie es nach den ersten drei Jahren weiter gehen würde, wie die wenigsten Manager. Nur ein Viertel der Entsendeten haben laut PwC einen fixen Job, der auf sie wartet.

Daran denke man aber nicht, erzählt auch Klaus Mattes, der für die Erste Bank in Ungarn und der Slowakei war, denn die Herausforderungen im Ausland machen Spaß, man könne mehr umsetzen, habe mehr Verantwortung und würde mehr verdienen. Auslandszulagen können das Gehalt, je nach Land in das man geschickt wird, bis zu verdoppeln, sagt auch Gradnitzer.

Familie als Stolperstein?
Mehrere Studien zeigen, dass ein Drittel der Entsendeten ihren Auslandsaufenthalt abbrechen, weil die Familien sich im neuen Land nicht zurechtfinden. Zwar würden die Unternehmen Umzug, Wohnung und Schulen organisieren, viele würden aber auf die kulturelle Herausforderung vergessen. Während die Entsendeten die meiste Zeit im Büro verbringen, seien ihre Familien der neuen Kultur viel mehr ausgesetzt, etwa beim Einkaufen, in der Schule, auf der Bank oder beim Arzt.

Einige Konzerne bieten deshalb neben Sprachtraining auch ein so genanntes interkulturelles Training an, das die Entsendeten und samt Partner und Kinder auf kulturelle Besonderheiten vorbereitet. Scheidungen und Alkoholprobleme seien unter Expats sehr häufig, erzählt Gabriel.

Das Problem mit der Familie werde künftig noch größer werden, sagt Georg Horacek, Personalleiter des Mineralölkonzerns OMV, der viele Mitarbeiter in Ausland schickt. Immer weniger Partner wollen auf die eigene Karriere verzichten. Die Familie sei auch der Hauptgrund, warum Weitgereiste und erfolgreiche Expats wieder heimkehren, etwa wenn die Eltern Pflegefälle werden, sagt Horacek. Für viele stellt sich das Heimkehren aber oft als große Herausforderung dar.

Home sweet home?
Die Statistiken von PriceWaterhouseCoopers über Heimkehrer sind ernüchternd: Nur ein Drittel von ihnen steigt nach der Heimkehr im Unternehmen auf, zwei Drittel bleiben auf ihrer Karrierestufe stehen. Weniger als die Hälfte kann die Auslandserfahrung im neuen Job anwenden. Und: Mehr als ein Viertel wechselt nach der Heimkehr innerhalb des ersten Jahres den Arbeitsplatz.

Für die hohe Fluktuation gibt es zwei Gründe: Einige gehen, weil sie inzwischen so gut qualifiziert sind, dass sie leicht einen besseren Job finden. Andere gehen, weil ihnen im Mutterkonzern die Perspektiven fehlen. Das sei besonders für Österreicher ein Problem, weil es in Österreich wenige Führungspositionen gäbe und die Hierarchien noch dazu immer flacher würden, sagt Gradnitzer. Wer also nach der Rückkehr aller Erfahrung zum Trotz nicht Chef werden kann, muss sich unterordnen, oder gehen.

Motivation für Heimkehrer
Ein Unternehmen könne sich zwar bemühen die Wiedereingliederung zu erleichtern, Garantien könne aber niemand abgeben, sagt Gradnitzer, da sich Unternehmen, deren Strategien und Eigentümerverhältnisse sehr rasch ändern. Ein gewisses Risiko ist also unvermeidbar, sowohl für die, die weg gehen, als auch die Unternehmen.

Fazit der weit gereisten Manager: Auslandserfahrung sei eine große persönliche Bereicherung und eine tolle Erfahrung. Aber: Vor allem Neugierde und Tatendrang sollte die Motivation sein, ins Ausland zu gehen, nicht nur die Hoffnung, einmal Chef zu werden.