Uraufführung im Theater in der Josefstadt
Karl Markovics als Nestroy
Am 14. September 2006 beginnt mit Herbert Föttinger eine neue Ära am Theater in der Josefstadt. Zum Auftakt inszeniert Direktor Föttinger ein neues Stück von Peter Turrini. In der Titelrolle von "Mein Nestroy" ist Karl Markovics zu sehen.
8. April 2017, 21:58
"Man ist nie sicher, ob man der Aufgabe gewachsen ist"
Peter Turrinis Stück "Mein Nestroy" hat am 14. September 2006 im Theater in der Josefstadt Premiere. In der Titelrolle ist Karl Markovics zu sehen, ein Schauspieler, der von vielen Theater- und Fernsehproduktionen bekannt ist, aber zum ersten Mal an der Josefstadt spielt. Maria Rennhofer hat mit Markovics über seine Beziehung zu Nestroy gesprochen.
Maria Rennhofer: Herr Markovics, wie nahe steht Ihnen die Person Nestroy. Sie haben bereits in Nestroy-Stücken gespielt, wie weit haben Sie sich bisher mit seiner Persönlichkeit auseinandergesetzt, wie sehr identifizieren Sie sich in diesem Stück mit ihm?
Karl Markovics: Die Titelrolle ist in dem Fall nicht nur Nestroy, sondern wirklich mein Nestroy. Insofern habe ich mich ihm so weit genähert, wie ich mich ihm überhaupt nähern konnte, nämlich hauptsächlich auf Grund des Stückes und der Vorlage von Peter Turrini, die ja wiederum sein Nestroy ist, also Turrinis Sicht dieser Figur und dieser Kulmination der Ereignisse, die im Jahr 1833 rund um die Uraufführung von "Lumpazivagabundus" stattfinden, und der außerdem in diesem Stück die Sicht der Marie Weiler, der Lebensgefährtin von Nestroy, also ihren Nestroy zeigt.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie in Zukunft, wenn Sie eine Rolle in einem von Nestroys Stücken spielen, einen anderen Zugang dazu finden?
Ja, mit Sicherheit. Ich kann das deswegen mit solcher Sicherheit sagen, weil mein Zugang zur Musik Mozarts zum Beispiel auch ein anderer wurde, nachdem ich "Amadeus" gespielt habe.
"Mein Nestroy" - Sie sagten es schon - kann Ihr Nestroy sein oder der Nestroy von Turrini oder der Nestroy der Lebensgefährtin Marie Weiler. Der Inhalt bezieht sich sehr stark auf die Beziehung zwischen Nestroy und seiner Lebensgefährtin. Was passiert in dem Stück?
Ich glaube, das große Anliegen von Peter Turrini war, hier eine Art von Ehrenrettung der Person der Marie Weiler anzutreten, die ja im Stück sagt, die Leute behaupten, sie sei ein zänkisches, störrisches, geiziges Weib, sie hätte dem Nestroy das Leben zur Hölle gemacht. Alles von dem, was die Leute sagen, meint sie in diesem Monolog, sei schon wahr. Dahinter steht aber ein unausgesprochenes Aber, und von diesem Aber handelt das Stück "Mein Nestroy" sehr viel: die nicht an den Haaren herbei gezogene Hypothese, dass Nestroy ohne diese Frau wahrscheinlich diese Art von Arbeit nicht hätte leisten können, die er in seinen Stücken geleistet hat. Marie Weiler war die, die dahinter war, dass aus den Vorlagen auch Stücke entstanden sind. "Mein Nestroy" erzählt auch etwas von dem Traum gerade von Leuten, die im komischen Fach zugange sind, von dem großen Traum nach dem Tragischen, nach dem Hehren, nach dem Wahren, nach dem ihrer Meinung nach Wahrhaftigen und Schönen - für einen Theatermenschen natürlich in Form des Burgtheaters - anhand der Figur Nestroy. Im Stück wird thematisiert, dass Marie Weiler es mehr oder weniger durch einen Schachzug verhindert hätte, dass Nestroy ans Burgtheater kommt, weil sie überzeugt war, dass seine Bestimmung im Volkstheater liegt, genau hier den Leuten aufs Maul zu schauen und es ihnen auch gegen die Ohren zu schleudern.
Entsteht vielleicht in jedem Schauspieler manchmal der Wunsch, man möchte jetzt die großen Klassiker am Burgtheater spielen?
Auf jeden Fall, aus zweierlei Gründen. Auf der einen Seite sind natürlich die großen, klassischen Schauspiele allein vom Rollenfundus her eine große Herausforderung. Auf der anderen Seite spielt hier sehr viel der Blick der Leute auf einen Schauspieler eine Rolle. Der Blick der Menschen auf einen Komiker ist ein weitaus handgreiflicherer, ein weitaus vereinnahmenderer als auf einen tragischen, auf einen Heldendarsteller. Da ist immer eine Art von Distanz, immer eine Art von Aura. Nach der sehnt man sich und sehnte sich auch Nestroy, der sich bis zu einem gewissen Grad vor einer Vereinnahmung verwahren will, der sie auf der anderen Seite aber sucht, diese großen Lacher, dieses Schenkelklopfen, dieses auf der Straße irgendwie begrüßt und bejubelt werden.
Für Ihr Debüt an der Josefstadt haben Sie sich eine ziemliche Herausforderung ausgesucht: eine Uraufführung, die der neue Direktor des Hauses inszeniert, seine Frau Sandra Cervik ist Ihre Bühnenpartnerin, belastet das ein bisschen auch zusätzlich emotional die Arbeit?
Nein, mich weniger als Herbert Föttinger, der sich im Endeffekt weit größerem Druck aussetzt. Er hat ja tatsächlich das große Risiko indem er sagt: Ich mache die Eröffnung meines Hauses mit einer eigenen Inszenierung, mit einer Uraufführung, mit einem urösterreichischen Thema, mit einer zentralen österreichischen Theaterfigur und riskiere da etwas. Wenn man's genau nimmt, setzten wir alle uns diesem Risiko aus. Angst habe ich keine davor, denn das ist genau der Grund, warum ich Theater mache.
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Download-Tipp
Ö1 Club-DownloadabonenntInnen können die Sendung "Im Künstlerzimmer" vom 10. September 2006, 11:50 Uhr, mit Karl Markovics nach der Ausstrahlung 30 Tage lang im Download-Bereich herunterladen.
Veranstaltungs-Tipp
Peter Turrini, "Mein Nestroy", ab Donnerstag, 14. September 2006, Theater in der Josefstadt,
Ö1 Club-Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (10 Prozent).
Link
Theater in der Josefstadt
