Eine Wiederentdeckung: Richard Oschanitzky

In Rumänien war er zwar ein Star, in Westeuropa aber kaum bekannt: Richard Oschanitzky (1939-1979), der als einer der wichtigsten Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts gilt. Sein Kollege Simion präsentiert in Kürze nun ein "Oschanitzky Memorial Concert".

Ausschnitt aus "Madrigal" von Richard Oschanitzky

Der Rumäne Richard Oschanitzky zählt zu den wichtigsten europäischen Jazzmusikern. Der am 24. Februar 1939 in Temesvar geborene Pianist, Organist, Vibraphonist, Komponist, Dirigent und Arrangeur war in Westeuropa kaum bekannt, während er in Rumänien ein Star war und neben dem Pianisten Janci Körössy als bedeutendster Jazzmusiker des vorigen Jahrhunderts gilt.

Als 16-Jähriger begann Oschanitzky seine Studien (Komposition, Dirigieren) am Konservatorium in Bukarest. Mit 18 erhält er den Staatspreis für eine Vokal-Symphonische Komposition. Zwei Jahre darauf schreibt er einen ersten Liederzyklus. Im selben Jahr entdeckt er auch den Jazz für sich. Improvisieren wird nun zu einer weiteren Leidenschaft des Vollblutmusikers.

KP-Regime verhindert Auslands-Auftritte

Das kommunistische Regime in Rumänien verhinderte, dass seine Jazzmusiker im Ausland auftreten - und so auch anderswo bekannt werden konnten. Janci Körössy verließ das Land und reüssierte in Deutschland, später in den USA. Anderen war dieser Weg versperrt.

So drang seinerzeit nur der "Ruf" Richtung Westen, dass da in Rumänien ein Riesentalent wie Oschanitzky am Wachsen war. Dazu kam das paranoide Verhalten eines totalitären Regimes. 1959 wurde Oschanitzky aus dem Konservatorium ausgeschlossen, weil er in einer westlichen Botschaft in Bukarest aufgetreten war.

Karriere, Teil 2

Richard Oschanitzky begann nun Orchester in großen Hotels zu leiten. Er trat nicht nur in der Hauptstadt Bukarest, sondern auch in Mamaia und Brasov. Später wurde er Dirigent des Radiosymphonieorchesters des rumänischen Rundfunks und des Electrocord-Orchesters. Und er dirigierte auch in der DDR.

Bald bildete er mit dem Altsaxophonisten Stefan Berendei, dem Tenorsaxophonisten Dan Mandrila, dem Bassisten Johnny Radicanu und dem Drummer Eugen Gondi das mittlerweile legendäre "Freetet". 1969 wurde mit großen Erfolg Oschanitzkys "Double Concert" in Leipzig aufgeführt.

Der Erfolg des Besessenen

Oschanitzky wurde schließlich zu einem erfolgreichen Musiker und Komponisten. Er arbeitete wie ein Besessener, schuf Orchesterwerke, trat als Jazzpianist auf, schrieb für Theater und Film, bearbeitete unzählige klassische Werke und bespielte zahlreiche Festivals in- und außerhalb Rumäniens.

Tod und Vergessen

1979 starb Richard Oschanitzky, der Bewunderer von Dave Brubeck und Bill Evans, an Leberzirrhose. Er geriet zwar nie völlig in Vergessenheit, aber seine unzähligen Aufnahmen wurden nach seinem Tod nur noch selten gespielt.

Die Wiederentdeckung

Es ist dem Saxophonisten und Komponisten Nicolas Simion zu danken, dass jetzt die erste von mehreren geplanten Doppel-CDs auf dem rumänischen Label "7dreamrecords" erschienen ist. Darauf zu hören in historischen Aufnahmen: Richard Oschanitzky als Pianist und die Wiederveröffentlichung des Doppelkonzerts für Klavier, Tenorsaxophon, Symphonieorchester und Big Band aus dem Jahr 1969, aufgenommen in Leipzig.

Der in Siebenbürgen geborene österreichische Musiker Simion hat 2004 die rumänische Uraufführung dieses Konzerts organisiert und gespielt. Im September dieses Jahres präsentiert er in Verbindung mit dem Goethe-Institut ein "Richard Oschanitzky Memorial Concert" in Bukarest.

Unaufgearbeitete Biografie

Nun gilt es auch, die Biografie von Richard Oschanitzky aufzuarbeiten. Als Angehöriger der deutschen Minderheit bekam er in seinen letzten Lebensjahren kein Auslandsvisum mehr. Nicolas Simion bewunderte Oschanitzky schon als Student in Bukarest - und diese Bewunderung hält bis heute an.

So erzählt er, dass er Oschanitzky leider nie ansprach, als dieser 1978 oft in das Bukarester Restaurant "Berlin" kam, wo er nicht nur viel Zeit verbrachte, sondern sich auch immer als großzügig erwies. Freunde und Kollegen wurden eingeladen - und manchmal das ganze Lokal.

Oschanitzky-Zitat

Wie sagte Oschanitzky einmal über Musik (es ist nicht bekannt, ob er das ähnliche Zitat Duke Ellingtons kannte):

"Man darf nicht zwischen der klassischen Musik, Pop- oder Jazz-Musik unterscheiden. Musik ist gut oder schlecht - sonst nichts!"

Hör-Tipp
Die Österreich 1 Jazznacht, Samstag, 19. August 2006, 23:17 Uhr

Link
Goethe-Zentrum Iasi - Hommage an Richard Oschanitzky