20. Todestag von Dusolina Giannini
Eine fulminante "Aida"
Die Karriere der in den USA geborene Dusolina Giannini (1902-1986) verlief nicht so, wie ihr italienischer Name vermuten ließe: Zuerst widmete sie sich dem Lied, in der Oper wurde "Aida" zu ihrer Schicksalsrolle. Den Bühnenabschied nahm sie 1949 in Wien.
8. April 2017, 21:58
Dusolina Giannini über ihre Anfänge
Verdi und Schubert, Puccini und Richard Strauss: die Karriere der 1902 in Philadelphia geborenen Dusolina Giannini ist durchaus nicht so verlaufen, wie ihr italienischer Name vermuten lässt. War sie selbst also gebürtige Amerikanerin, so stammten ihre Eltern doch aus Italien.
Ihr Vater war ein bekannter Tenor, ihre Mutter Geigerin, die Musik lag ihr zweifellos im Blut und auch zwei ihrer Geschwister haben eine musikalische Laufbahn eingeschlagen, eine Schwester wurde ebenfalls Sängerin und später Gesangspädagogin, ein Bruder Komponist.
Erst Lied, dann Oper
Schon als Kind hat Dusolina Giannini eine Reihe kompletter Opern-Partien beherrscht. Dennoch wurde die Oper nicht zu ihrer Hauptdomäne, die lag eindeutig am Konzertsektor. Bereits früh hat sie sich vor allem für das deutsche Kunstlied interessiert und auf diesem Gebiet auch bedeutende Erfolge erzielt.
Was die Oper betrifft, so hat sie sich auf wenige Rollen konzentriert und mit denen auch international Furore gemacht. Insbesondere in Deutschland und ebenso in Österreich, wo sie sowohl an der Wiener Staatsoper, wie auch bei den Salzburger Festspielen ein gefeierter Gast war.
Schicksalsrolle "Aida"
Als ihre Schicksalsrolle schlechthin gilt die Aida. Fast alle wichtigen Debüts hat sie in dieser Partie absolviert, die Gott sei Dank auch in einer legendären Gesamtaufnahme festgehalten ist.
Dusolina Giannini hat mit den bedeutendsten Dirigenten ihrer Zeit zusammengearbeitet: von Furtwängler bis Toscanini und Bruno Walter, von Tullio Serafin bis zu Leo Blech, dem unvergessenen Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, dem sie sich ganz besonders verbunden fühlte.
1949 Abschied mit "Carmen" in Wien
Unter Blechs Leitung hat sie 1933 zum ersten Mal die "Carmen" gesungen, 1949 hat sie in dieser Rolle an der Wiener Staatsoper von der Bühne Abschied genommen.
Ältere Wiener Opernfreaks schwärmen heute noch von diesen Abenden. Im Konzertsaal konnte man die Giannini dann noch wesentlich länger erleben. Anfang der 1960er Jahre hat sie schließlich ein Opernstudio in Zürich übernommen, wo sie dann vor 20 Jahren auch gestorben ist.
Divergierende Urteile
Merkwürdigerweise klaffen die Urteile über diese Künstlerin weit auseinander:
Während jene, die ausschließlich ihre Platten beurteilen, ihr oft sehr kritisch gegenüberstehen, signalisieren Zeitzeugen, die sie live erlebt haben, schon bei Erwähnung ihres Namens meist größte Anerkennung.
NDR-Porträt aus dem Jahr 1965
In einem 1965 beim NDR in Hamburg aufgenommenem Selbstporträt, wo sie seinerzeit viele Rollen ausprobierte, berichtete Giannini in einwandfreiem Deutsch über ihre Anfänge und ihre Karriere.
Hör-Tipp
Apropos Oper, Dienstag, 20. Juni 2006, 15:06 Uhr
Links
cantabile-subito - Dusolina Giannini
Deutsche Staatsoper Unter den Linden
Metropolitan Opera
NDR
Salzburger Festspiele
Wiener Staatsoper
