Vom DJ zum Ausstellungsdirektor

"Ich habe ein Problem, wenn ich gefragt werde, was ich beruflich mache. An dieser Frage bin ich echt gescheitert. Ich kann auch keine Kurzbiografie schreiben. Von mir gibt's entweder gar keine, oder eben eine Langversion", sagt Edek Bartz.

Edek Bartz im Gespräch mit Renata Schmidtkunz

Bekannt geworden ist Edek Bartz in den 1970er- und 80er-Jahren unter dem Künstlernamen Edward Geduldig. Gemeinsam mit seinem alten Schulfreund waren sie das Duo "Geduldig und Thimann", das traditionelle jiddische Lieder zu Gehör brachte. Bartz arbeitete später als DJ, kuratierte Ausstellungen, organisierte große Konzerte in Wien oder in Günter Domenigs Steinhaus am Ossiachersee. Er war einer der Erfinder des Musikfestivals "Töne - Gegentöne". In so einem Leben hat auch ein Lehrauftrag für Industriedesign an der Universität für Angewandte Kunst in Wien noch Platz.

Renata Schmidtkunz: Sie haben im Laufe Ihres Lebens immer in irgendeiner Form mit Kultur zu tun gehabt. Das ist Musik, das ist bildnerische Kunst, das ist Organisation von Ausstellungen - das heißt es gibt irgendetwas Verbindendes, einen Fluss, der durch Sie fließt und der Sie immer auch an diese Ufer kommen lässt?
Edek Bartz: Ich bin ein sehr begeisterungsfähiger Mensch. Wenn ich eine tolle Musik höre, oder einen tollen Künstler sehe oder eine tolle Ausstellung, hab ich sofort das Gefühl: Ich möchte das so gerne vermitteln, andere teilhaben lassen daran. Und diese Begeisterung zieht dann überall weiter. Wenn ich jetzt Design unterrichte und mit Studenten über Neuentwicklungen spreche, reden wir natürlich auch über Musik! Und natürlich reden wir über die Kunst! Und natürlich reden wir auch über die Literatur! Ich sehe gar nichts isoliert. Ich verstehe auch diese isolierte Haltung bei anderen überhaupt nicht. Ich sehe immer, dass es ein ganzes, großes Volumen gibt und in diesem Volumen stecken viele verschiedene Dinge. Und aus diesen Dingen kreiere ich immer etwas Neues.

Wenn Edek Bartz einen Fragebogen ausfüllen müsste, da steht "Profession Doppelpunkt", dann schreibt Edek Bartz hin...?
Ich weiß es nicht. Ich hab so was noch nie gemacht Aber ich hab mich schon oft gefragt, was ich machen würde, wenn ich es machen müsste, und an dieser Frage bin ich echt gescheitert. Wenn die Leute immer wieder fragen: "Wie kann man dich bezeichnen?" - wenn ich einen Artikel in einer Fachzeitschrift schreibe, und "Kannst du eine Kurzbio schicken"... Ich kann keine Kurzbio grafie schicken. Von mir gibt's entweder gar keine Bio, oder eben eine Langbio. Ich selber halte das auch gar nicht für wichtig. Ich mache es einfach.

Als Ausstellungsdirektor der Viennafair, wie fühlen Sie sich in diesem kommerzialisierten Kunstmarkt, wo es um wahnsinnig viel Geld geht - heutzutage können Bilder unglaubliche Preise erzielen, in keiner Relation zu irgend einem Schaffen - wie geht es Ihnen da drin?
Man darf einfach nicht zynisch werden und das alles durch eine Brille sehen des "Reich und Schön". Das Image der Kunst hat sich natürlich verändert. Die Underground-Kunst existiert heute fast gar nicht. Es ist ein riesiger Markt geworden, eine Spielwiese der Reichen, die es heute scheinbar lustiger finden Kunst zu kaufen als in die Oper zu gehen. In der Oper musst du drinnen sitzen und drei, vier Stunden den Mund halten. Das ist keine Party, das ist ja nichts! Die Musiker wollen nachher auch nicht mit dir reden. Und vorher können sie sowieso nicht mit dir reden. Das heißt, gesellschaftlich profitierst du nicht wahnsinnig davon. Kunst ist dagegen etwas anderes. Da kommen immer Künstler, und die wollen erfolgreich sein, die wollen reiche Leute treffen, die wollen auf viele Partys gehen, die wollen Lifestyle! Die Welt der heutigen Kunst geht zusammen mit diesem gesellschaftlichen Reichtum, das hat sich optimal aneinander gefügt.

Das ist aber halt eine Seite der Kunstszene, so ist aber nicht die Kunst! Es gibt Künstler, die unter ganz anderen Bedingungen und immer noch politisch agieren, wo Kunst einen Inhalt hat, wo es auch um etwas geht. Da hab ich wiederum die Möglichkeit, es einzubringen. Und das ist fantastisch!

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Im Gespräch, Donnerstag, 4. Mai 2006, 21:01 Uhr

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