Marketing und Produktzyklen
Wer soll das alles lesen? - Teil 3
Gibt es zu viele Neuerscheinungen bei zu wenigen Lesern? Oder ist es unsere immer kurzlebigere Zeit, die auch Bestsellern nur noch ein kurzes Leben im Verkaufsregal beschert? Welchen Einfluss hat das Marketing der Verlage auf ihr Angebot?
8. April 2017, 21:58
80.000 bis 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr werden auf dem deutschsprachigen Buchmarkt laut Gerald Leitner, Geschäftsführer des Büchereiverbandes Österreich, verlegt. Knapp ein Viertel davon, also rund 20.000 Exemplare entfallen auf die Belletristik. Der Rest sind Sachbücher, Kinder und Jugendliteratur, diverse Ratgeber, sowie Lyrik und vieles Andere mehr.
Auf der größten Buchmesse der Welt, der in diesen Tagen stattfindenden Frankfurter Buchmesse, werden heuer sogar noch mehr Bücher präsentiert. Es sind exakt 103.534 Neuerscheinungen. Der Stichtag für diese Zahl war der 16. September.
Wie behält man den Überblick?
Bei so vielen Büchern drängen sich fast zwangsläufig Fragen auf - wie zum Beispiel: Wer soll all das Lesen? Was geschieht mit jenen Büchern die erst vor wenigen Jahren publiziert wurden und heute in keiner Buchhandlung mehr zu finden sind? Denn auch im vergangen Jahr, waren es mehr als 100.000 Neuerscheinungen. Und im Jahr davor ebenfalls und so weiter und so fort.
Für die Büchereien bedeutet diese jährliche Flut an neuen Publikationen eine große Herausforderung, denn die Bestände sollen möglichst aktuell gehalten werden. Es ist ein schwierige Entscheidung welche Bücher aus dem Sortiment genommen werden und welche noch länger angeboten werden, und oft auch eine einfache Platzfrage.
Der Einfluss des Internet auf den Buchmarkt
Der Buchmarkt hat sich laut Gerald Leitner in den letzten Jahren nicht nur auf Grund der gestiegenen Anzahl der Neuauflagen und der gestiegenen Buchpreise verändert. Der eigentliche Motor der Veränderungen auf dem Buchmarkt war und ist das Internet.
Von weltweit abrufbaren antiquarischen Bücherlisten über rund um die Uhr verfügbare Online Rezensionen bis hin zur Zeit sparenden Bestellung via Mouse Klick, hat das weltweite Daten Netz den Markt revolutioniert.
Beschleunigte Produktzyklen
Ein weiteres Zeichen der Veränderung ist auch die Beschleunigung der Produktzyklen, also wie lange ein neu erschienenes Buch in einer Buchhandlung erhältlich ist, bis es von einem aktuelleren Titel ersetzt wird.
Hier kommt auch die Vermarktung der Bücher beziehungsweise das Aufbauen eines Autors hinzu. Im Idealfall sorgt ja der Verlag dafür, dass der jeweilige Autor oder die Autorin in den für die Zielgruppe relevanten Medien vorkommt. Also, das Buch in diversen Zeitungen und Zeitschriften rezensiert wird, der Autor in Talk Shows und Radiosendungen auftritt, Lesungen hält, das Buch möglichst flächen deckend und vor allem zeitgleich in den Verkaufsregalen landet und natürlich auch Online erhältlich ist.
Je nach Autor und dem damit verbundenen Marketingaufwand entscheidet sich dann, ob das Buch neben Buchhandlungen unter anderem auch auf Zeitungs- und Buchverkaufsständen in Flughäfen, Bahnhöfe oder Supermärkten erhältlich ist.
Mit diesem gezieltem Marketing können Verlage auch Bestseller "schaffen", um sie dann meist nach nicht allzu langer Zeit, wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Hier gibt es laut der Lektorin des Residenzverlag Salzburg Astrid Graf zwischen den Verlagen aber gravierende Unterschiede. Denn manchen Verlagen scheint Literatur noch ein echtes Anliegen zu sein.
Mehr zur Frankfurter Buchmesse in oe1.ORF.at
Download-Tipp
Ö1 Club-Mitglieder können die Sendungen der Woche gesammelt jeweils am Donnerstag nach Ende der Live-Ausstrahlung im Download-Bereich herunterladen.
Links
Deutscher Buchpreis 2005
Frankfurter Buchmesse
