Die Kunst, auf Mühlviertlerisch zu surfen

Elektro-Polka von Attwenger

Das oberösterreichische Duo bringt auf seinem neuen Album "dog" Elektro-Polka, die jedem Tanzboden zur Zierde gereicht. Die Reimkünstler Falkner und Binder bestätigen damit ihren Status als einer der spannendsten Kulturexporte der Alpenrepublik.

Attwenger mit "bled"

Die Gruppe Attwenger mit Hans-Peter Falkner (Harmonika und Gesang) und Markus Binder (Text, Schlagzeug, Elektronik, Gesang) gibt es nun schon seit 15 Jahren. Ihr unverkennbarer Sound definiert sich laufend neu in einer aufregenden Mischung aus alpenländisch und elektronisch. Wie sie dabei mit Sprache umgehen, gehört zum Besten, was der deutschsprachige Raum zurzeit zu bieten hat.

Lautmalerei und Witz

Laut eigener Aussage hat Binder und Falkner die Verbindung von Sprache, Rhythmus und Musik schon immer interessiert. Der Text des Stücks "graas" (womit "Kreis" gemeint ist) besteht nur aus einem Satz, der in Verbindung mit irrlichternden Keyboards, wummerndem Bass und trockenen Beats einen unwiderstehlichen Sog entwickelt.

Andere Stücke wie "sex", "schaun" und "bam" sind wesentlich textlastiger: Alltags- und Österreichbeobachtungen, Konsum- und Kapitalismuskritik werden in der Direktheit des Slang gereimt und gerappt, dass es eine Freude ist. Die Verwendung von Dialekt als einer stark codierten Sprachform eröffnet Wortspiele und Doppelbedeutungen, die im Hochdeutschen so nicht möglich wären.

Minimalismus und Opulenz

Der Einsatz digitaler und analoger Sounds ist sehr durchdacht, besonders augenfällig in "bled", dem elften Song der CD, dessen Text aus dem repetitiven "kinan di leid wieder bled schaun heid" besteht. Der englische Radio DJ John Peel, der einmal über Attwenger sagte, er hätte keine Ahnung worum es ginge, aber es gefalle ihm sehr gut, hätte dieses Lied sicher goutiert.

Genauso wie "daun", das die Problematik des "daunihauns", des Wegwerfens, sehr lapidar beschreibt und dabei mit wirbelndem Schlagzeug, elektronischer Ziehharmonika und Zwiegesang einen Zug hat, dem man sich schwer entziehen kann. Manche Stücke lassen es auch ordentlich krachen und sind durchaus auf dem Tanzboden abhüpfbar. Aber nur ein voller Sack, der gern im Stehen schläft, wird Attwenger das vorwerfen wollen.

CD-Tipp
Attwenger, "dog", Trikont US-0340 LC 04270

Veranstaltungs-Tipp
Attwenger, Freitag, 21. Oktober 2005, 20:30 Uhr, ARGEkultur Salzburg,
Ö1 Club-Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (EUR 2,- bis EUR 5,-).

Links
Attwenger
ARGEkultur Salzburg