Schmutz und SchmutzentfernerInnen

Putzen lassen, aber richtig

Na, sauber! Der Frühling ist da, aber Ihre dreckigen Fenster lassen ihn nicht rein? Wenn Sie allein beim Gedanken an Wischmob und "Clean streifenfrei" bereits die Frühjahrsmüdigkeit überkommt, dann wird es Zeit für eine Haushaltshilfe.

Was ist Schmutz eigentlich? Und wie bekämpfen wir ihn? Von diesen zentralen Fragen ausgehend beginnen die Dramaturgin Katrin Kazubko und die Autorin Tamara Trautner den einführenden historischen Teil ihrer glänzenden Fibel "Perlen - Das Putzfrauenbuch". Schmutz gab es schon immer, doch erst seit relativ kurzer Zeit sagte ihm die Menschheit systematisch den Kampf an - mit Mitteln, Maschinen und Menschenkraft.

Noch im 16. Jahrhundert defäkierte man auf offener Straße, das Eintauchen des Körpers in Wasser galt gar als gesundheitsgefährdend. Die dadurch erweiterten Poren - so glaubten viele Ärzte des Mittelalters - seien offene Pforten für ungebetene Körperbesucher wie etwa die Pest. Es folgten zwei Jahrhunderte ohne Badefreuden, dafür mit sehr viel Parfüm und Puder.

Schmutzgeber und Schmutznehmer

Aber nicht nur die Einstellung der Menschen zum Schmutz veränderte die Rolle derer, die für seine Beseitigung zuständig waren. Das heutige Verhältnis zwischen Schmutzgebern und Schmutznehmern ist auch die Folge ökonomischer und politischer Entwicklungen, sowie einer sich wandelnden Auffassung von Familie. Was früher Knechte, Mägde, Ammen und Köchinnen, kurz: das so genannte "Gesinde" erledigte, übernehmen heute bezahlte Putzhilfen.

Fleißig, pünktlich und ordentlich wünscht man sich die Bodenkosmetiker. Wichtig für die beidseitige Zufriedenheit: klare Bedingungen für saubere Arbeit. Nicht nur aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten kommt es gerade in diesem Arbeitsverhältnis häufig zu Missverständnissen. Hier versorgen die beiden Autorinnen den Schmutz gebenden, aber ungern Schmutz nehmenden Leser mit handfesten Tipps. Schließlich sollte in allen Facetten der schillernden Beziehung die Chemie stimmen, nicht nur, was die Auswahl der Putzmittel betrifft.

Ein intimes Verhältnis

Was ist die Putzperle? Dienstleisterin? Mitarbeiterin? Mit welchen Worten bringen wir ihr unter Wahrung ihrer und unserer Würde bei, dass wir sie jeden Dienstag pünktlich zur wöchentlichen Wohnungsreinigung erwarten? Und zwar allein - ohne zufällig kürzlich eingetroffene Familienmitglieder! Wie formulieren wir korrekt unsere Empörung über den versehentlich eingesaugten Hamster?

"Ratschläge zum Umgang mit der Haushaltshilfe", die noch viel mehr Details hervorkehren, bietet das Buch "Wie sag ich's meiner Putzfrau?" von Christine Demmer und Heide Huck: die 300 wichtigsten Sätze, die in der Kommunikation mit Putzhilfen helfen, in sieben Sprachen übersetzt. Wenn Sie Ihrer Perle einmal in ihrer Muttersprache "Das haben Sie ganz toll hingekriegt" oder "Sie haben dort Kratzer hinein gemacht" sagen wollen, dann kann diese Aufstellung durchaus nützlich sein.

Geboten werden weiters Tipps für den sachgerechten Umgang mit Arbeitsgeräten und Putzmitteln, über rechtliche Belange bis hin zu Erlaubnissen und Verboten für die Reinemachefrau oder den Reinemachemann. Und das sind schließlich jene Menschen, die am weitesten in unsere Intimsphäre eindringen. Unsere Perlen wissen, was wir gegessen haben, berühren, was wir angepatzt oder verschwitzt haben. Sie merken, wen wir bewirtet und mit wem wir unser Bett geteilt haben. Nicht zuletzt deshalb schlagen die Autorinnen für das sachliche Verhältnis einen ebensolchen Ton vor.

Putzen literarisch

Wer sich auf literarische Art dem Thema Putzen nähern will, dem sei hier noch das "Putzbuch" der Experimental-Autorin Sabine Hassinger empfohlen. Ein außergewöhnlicher Text, der die Gehirnwindungen des Lesers ordentlich durchputzt.

lächerlich wie du Putzen gehen gut findest nicht lächerlich
wäre wenn du Putzen gehen nicht gut finden würdest
hättest ein Problem mehr um ein Problem weniger zu haben
wird die Putzfrau engagiert seit du Putzen gehst gleichen sich
gewisse Probleme aus bist nicht zufrieden mit einem bescheidenen
weg du weißt nicht ob du einen erkennenden wettmachst

Buch-Tipps
Katrin Kazubko und Tamara Trautner "Perlen", Mosaik bei Goldmann Verlag, ISBN 3442166594

Christine Demmer & Heide Huck, "Wie sag ich's meiner Putzfrau?", Eichborn Verlag, ISBN 382184860X

Sabine Hassinger, "Das Putzbuch", Ritter Verlag, ISBN 3854153562