Improvisierte Musik & live act

Zwischen Orient und Okzident

Die Themen dieser "Zeit-Ton"-Ausgabe: Von einer österreichisch-libanesischen Freundschaft und der universellen Kraft improvisierter Musik, die sich in der CD "Oriental Space" manifestiert. Und: Bei "colophony circuit" live trifft angriffslustige Violine auf Techno.

"Oriental Space": noujoum funk

Ziemlich genau vor einem Jahr trafen sich in Wien im "Amann Studio" Franz Hautzinger, Helge Hinteregger, Mazen Kerbaj und Sharif Sehnaoui zu einer von Christoph Amanns berühmt berüchtigten "Live Recording Sessions".

Das damals aufgenommene Konzert ist - in acht Stücke gegossen - nun auf dem Label "aRtonal" als CD erschienen.

Keine Bauchtanz- und Wasserpfeifenromantik

Der orientalische Raum, den Franz Hautzinger in dem Projekt "Oriental Space" gemeinsam mit Helge Hinteregger, Mazen Kerbaj und Sharif Sehnaoui aufspannt, hat nichts mit Bauchtanz- und Wasserpfeifenromantik zu tun.

Viel mehr verdeutlicht die CD "Oriental Space" einmal mehr, dass sich die Welt eben nicht so einfach in Orient und Okzident teilen lässt. Und dass sich hinter dem viel strapazierten Begriffspaar Orient und Okzident letztendlich ganz persönliche Geschichten verbergen, in der sich Einflüsse beider Seiten auf immer wieder neue Art und Weise mischen - Geschichten, die durchwegs zu Recht nach einer individuellen Betrachtung verlangen.

Beschäftigung mit arabischem Kulturraum

"Oriental Space" sei vor allem an die in das Projekt involvierten Persönlichkeiten gebunden, so Initiator Franz Hautzinger. Die Beschäftigung mit arabischen Einflüssen sollte nicht im Vordergrund stehen. Indirekt hätten sich diese in der Musik aber dann wohl doch bemerkbar gemacht, ergänzt Helge Hinteregger, denn natürlich würde die Begegnung mit den beiden aus dem Libanon stammenden Musikern Mazen Kerbaj und Sharif Sehnaoui auch eine Beschäftigung mit dem arabischen Kulturraum darstellen:

"Durch die Begegnung lernt man das Andere kennen, allerdings über die informellen und nicht über die offiziellen Informationskanäle. Man spricht über Hintergründe und über die musikalische Sozialisation. All diese vielen verschiedenen Eindrücke spielen zusammen und wirken letztendlich auch auf die Musik".

Universelle Musik zwischen Ost und West

Für sie würde der Orient ja eigentlich erst in Syrien beginnen, so Mazen Kerbaj und Sharif Sehnaoui. Der Libanon, auch gerne als die Schweiz des Nahen Ostens bezeichnet, würde sich gewissermaßen an der Schwelle vom Orient zum Okzident befinden.

Sharif Sehnaoui führt aus, warum: "Ich glaube, dass der Libanon kein arabisches Land mit einer starken Tradition ist. Im Vordergrund stand immer schon der Handel. Das bisschen an Tradition und Identität, das sich in der libanesischen Gesellschaft dennoch manifestieren konnte, fiel schließlich dem 15-jährigen Krieg zum Opfer. Ich bin sicher, dass wieder so etwas wie eine libanesische Tradition und Identität entstehen wird. Aber das wird seine Zeit brauchen und das ist auch der Grund, warum Mazen und ich uns am westlichen Kunst- und Kulturverständnis orientieren."

Für improvisierte Musik

An der improvisierten Musik schätzt Mazen Kerbaj nicht zuletzt ihren universellen Ansatz. Improvisierte Musik sei frei von nationalen Zuschreibungen:

"Sie kann in jedem Land passieren, ein jeder kann sie, wo auch immer er gerade ist, zu seiner ganz persönlichen Stimme machen."

Angriffslustige Violine, brachialer Techno

"Colophony Circuit" ist die "cooperation electrique" von Mia Zabelka und "Electric Indigo", wie es die beiden Musikerinnen selber formulieren. Am Mittwoch, den 16. Februar, sind sie im "rhiz" wieder live zu erleben.

Mia Zabelkas angriffslustiges Violinspiel trifft auf "Electric Indigos" brachialen Techno - eine durchwegs explosive Mischung. Mitunter treten "Colophony Circuit" auch gemeinsam mit Dorit Chrysler am Theremin auf, das nächste Mal am 24. März im "Porgy und Bess".

CD-Tipp
Franz Hautzingers "Oriental Space", mit Helge Hinteregger, Mazen Karbaj und Sharif Sehnaoui, aRtonal

Konzert-Tipp
rhiz: "colophony circuit" live (electric indigo: electronics, mia zabelka: violin), am Mittwoch, den 16. Februar.

Links
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Mazen Kerbaj
rhiz
Porgy&Bess