Neue Konstellation in der Innenpolitik
1994
In den USA kommt es zur konservativen Wende, in Österreich wird sie vorbereitet. Einige Krisenherde, wie Südafrika, Nordirland oder der Nahe Osten entspannen sich weiter. Andere entflammen, wie in Ruanda und natürlich weiterhin in Bosnien.
8. April 2017, 21:58
Folge 71: 1994
In den USA erleiden die Demokraten Bill Clintons eine Niederlage: In beiden "Häusern" erlangen die Republikaner die Mehrheit. Im Repräsentantenhaus erstmals seit 40 Jahren.
Bürgerkrieg gibt es 1994 in Tschetschenien. Boris Jelzin schickt Bomben und Panzer. Das weckt Erinnerungen an Afghanistan.
Unfassbare Greuel geschehen 1994 in Afrika: In Ruanda flammt der Hass zwischen den verfeindeten Völkern der Hutus und der Tutsis wieder auf. Es kommt zu Massakern von unvorstellbarer Grausamkeit.
Krieg und Frieden in Afrika
Die Zahl der Toten wird auf mindestens eine Million geschätzt. Und es gibt mehr als zwei Millionen Flüchtlinge. Die Welt schickt Hilfe. Auch Österreich. Susanne Brezina, die man den "Engel von Ruanda" nennt, bringt die Caritas-Hilfe in die Lager.
In Südafrika wird Nelson Mandela bei der ersten freien Wahl zum Präsidenten gewählt. Damit ist die Rassentrennung in Südafrika beendet. Wenn auch die Anfangsschwierigkeiten der neuen demokratischen Regierung groß sind.
Entspannung in Krisenherden
Im Nahen Osten schreitet 1994 der Friedensprozess voran: Es beginnt die Selbstverwaltung der Palästinenser: Der Gaza-Streifen und Jericho werden zur "Versuchsstation" des neuen Palästina. Izaak Rabin, Shimon Peres und Yassir Arafat erhalten gemeinsam den Friedensnobelpreis
Nach 25 Jahren Terror nehmen die Londoner Regierung und die IRA den Dialog auf. Die irisch-republikanische Armee verkündet den Gewaltverzicht. Die radikalen Protestanten ziehen mit.
Bosnienkrieg geht weiter
In Bosnien herrscht 1994 nach wie vor Krieg. Und es ist kein Ende abzusehen. Trotz Vereinbarungen und Waffenstillständen bleibt der Grundkonflikt ungelöst: Serben gegen Moslems. Einsätze von UNO, NATO und den USA sind bloße "Alibi-Aktionen".
Österreich steht 1994 ganz im Zeichen der EU. Das Land sagt JA zur europäischen Union.
Wechsel in Italien, Deutschland...
In Italien muss Silvio Berlusconi zurücktreten. Der selbsternannte "Erlöser Italiens" war über Bestechungsaffairen und Schmiergeld-Skandale gestolpert.
In Deutschland löst Roman Herzog Richard von Weizsäcker als Bundespräsident ab.
...und Österreich
Die Koalition feiert den Erfolg einträchtig. Bundespräsident Thomas Klestil meint, Österreich könne nun einen zentralen Platz in der europäischen Integration beanspruchen. Landwirtschaftsminister Franz Fischler, der neue EU-Agrar-Kommissär, spricht von großer Verantwortung:
1994 gibt es in Österreich Nationalratswahlen. Es kommt zu erheblichen Veränderungen, Die SPÖ und ÖVP rutschen ab, die FPÖ gewinnt dazu, ebenso Grüne und LIF. Eine solche Aufsplitterung hat es in Österreich noch nie gegeben.
Bundeskanzler Franz Vranitzky reagiert in einer ersten Stellungnahme eher gelassen. Vizekanzler Erhard Busek spricht von einer schmerzlichen Niederlage. Rechnerisch hat Schwarz-Blau die Mehrheit, aber Jörg Haider will in der Opposition bleiben:
Die Überraschung der Wahl ist das neue Liberale Forum. In seiner ersten Wahl kommt des auf immerhin sechs Prozent, die Grünen schaffen sieben.
Wachablösen...
In Wien übergibt Helmut Zilk das Amt des Bürgermeisters an Michael Häupl und Minister Rudolf Scholten verlängert den Vertrag mit Burgtheater-Direktor Klaus Peymann. Apropos Kultur: Beim ORF gibt es 1994 nicht nur 150 neue, von dem Tiroler Komponisten Werner Pirchner geschaffene sogenannte "Kennungen" für Ö1 Sendungen, sondern es gibt auch die "große Wachablöse": Gerhard Weis wird Hörfunkintendant und Gerhard Zeiler tritt als neuer Generalintendant die Nachfolge von Gerd Bacher an.
