Zwei Musiker. Ein Höhenflug

Sternstunde in Rudersdorf

Es gibt Sternstunden im Jazz. Manche Konzerte führen in Höhen, die unerreichbar scheinen. So geschehen beim Festival Limmitationes im Mai dieses Jahres. Planen lässt sich das nicht. Anhören kann man es sich schon. Heute Abend in Österreich 1.

Antonello Salis und Simone Zanchini

Manche Konzerte führen in Höhen, die unerreichbar scheinen. Das passiert. Wenn geniale Musiker zusammenkommen, die Stimmung passt, wenn das Publikum mitspielt, wenn alles funktioniert und dann noch ungebremste Inspiration dazukommt, dann kann es zu einer derartigen Sternstunde kommen.

Limmitationes in Rudersdorf

Alljährlich veranstaltet Udo Preis im südburgenländischen Ort Rudersdorf ein eher kleines, aber sehr feines Festival: Limmitationes. Ort ist der ehemalige Speicher des Gasthauses Schabhüttl, der zu einer Art Kulturzentrum umgewandelt wurde. Ein Raum zum Wohlfühlen. Dort fand heuer vom 6. bis 8. Mai das Festival statt. Und dort kam es zum Höhenflug, zur Sternstunde.

Salis und Zanchini

Zwei Akkordeonisten aus Italien betraten die Bühne. Beides erfahrene Musiker, die in verschiedenen Formationen und mit vielen Bands unzählige Platten und CDs eingespielt haben. Hier trafen sie aufeinander: der aus Villamar stammende Antonello Salis und der aus Novafeltria stammende Simone Zanchini. Salis ist übrigens auch Pianist.

Abtasten - Abheben - Trance

Die beiden betraten die Bühne. Man war gespannt, wie sich die beiden Individualisten ergänzen und gegenseitig inspirieren werden. Das hatte fast den Charakter eines Experiments.

Das Abtasten dauerte nur kurz. Schon nach wenigen Minuten hoben die beiden gleichsam ab. Das Publikum staunte, man hörte gespannt zu, die Augen wurden groß, denn die beiden auf der Bühne agierten durchaus so, dass auch die optischen Eindrücke gewaltig waren. Manchmal sprang einer der Besucher auf - die Sache wurde mitreißend. Vulkanartige Ausbrüche waren zu hören, dann stillere Momente. Da wurde plötzlich auf eine Sessellehne geklopft - und es war Musik.

Zitate

Die beiden Musiker zitierten aus der Jazzliteratur, da klang kurz der Song Caravan an, dann kurz ein italienischer Gassenhauer. Und irgendwann spielten Salis und Zanchini wie in Trance. Da war alles vereint: Jazz, World Music, Folk, aber was sollen da Kategorien. Nach etwa 70 Minuten endete dieses erste Stück. Minutelange Standing Ovations folgten. Das Publikum war begeistert, berührt, konnte lange nicht fassen, was es da erlebt hatte, erlebt haben durfte.

Danach...

Später dann, nachdem sich die Anspannung auch bei den Musikern gelöst hatte, waren die beiden selbst auch etwas fassungslos. Ihre Augen leuchteten, sie kehrten aus der Welt, in der sie so lange verharrt hatten, wieder auf die Erde zurück. Und auch sie meinten, dass dieses Konzert eines ihrer besten war. Erklären was da passiert ist an jenem Abend in Rudersdorf, kann man nicht. Anhören kann man es sich schon.
In Österreich 1.