Crystal Meth

Methamphetamin oder Crystal Meth, wie es im angloamerikanischen Sprachraum genannt wird, ist weltweit die am häufigsten genommene harte Droge. In Österreich und Deutschland ist die selbst herstellbare Substanz bisher wenig verbreitet.

Ende der 1990er Jahre wurde Crystal Meth in den USA erstmals zu einem breiten öffentlichen Thema. Medien und die US- Drogenbehörden bezeichneten die Substanz als die neue Horrordroge: billig und von den Konsumenten selbst herzustellen, bei längerem Konsum zerstörend für den Körper und das Gehirn. Methamphetamin ist zudem die Droge der weißen Unter- und Mittelschicht und nicht wie Crack-Kokain in den 1980er Jahren ein Minderheitenphänomen. Schätzungen gehen davon aus, dass heute über drei Millionen US-Amerikaner methamphetaminabhängig sind. Deshalb wurden auch große Aufklärungskampagnen gestartet, wie die "Faces of Meth campaign", Bilder von Methabhängigen vor und nach ihrer Sucht.

Durch Crystal Meth besser "funktionieren"

Die Fotos der Medienkampagne sollen abschrecken, der Horror der Methamphetaminsucht sichtbar gemacht werden. Weniger dramatisch ist der Alltag der Methsüchtigen. Die meisten beginnen mit der aufputschenden Substanz, um besser zu funktionieren: um Energie zu haben für zwei bis drei Jobs, um Familie und Arbeit in Einklang zu bringen oder schlicht, um über Depressionen hinweg zu kommen. Methamphetamin hilft dabei, zumindest eine zeitlang. Der längere Konsum von Methamphetamin verschlechtert den mentalen Zustand der Süchtigen. Sie berichten von paranoiden Schüben, von Angstzuständen und von aggressivem Verhalten gegenüber Familie und Freunden.

Das "Kokain der Armen"

Der Wiener Suchtexperte Alexander David sieht in der sozialen Herkunft einen Schlüssel zum Verständnis von Drogenphänomenen wie Methamphetamin: "Triste soziale Verhältnisse, schlechte Ausbildungsmöglichkeiten, die Unmöglichkeit einmal in eine solche Situation hinein geboren zu sein und nicht wieder raus zu kommen. Das sind die Faktoren, die dazu führen, dass solche Massenphänomene existieren." Die US-Regierung hat dem selbstgemachten Crystal Meth den Kampf angesagt, mit widersprüchlichem Erfolg. Zwar wurde die individuelle Herstellung stark reduziert, doch dafür stellen jetzt organisierte Drogenkartelle die Droge bereit. Produziert wird in großen Labors vornehmlich in Mexiko, und das Methamphetamin wird über die üblichen Schmuggelrouten über die Grenze gebracht.

Begrenzter Methamphetaminmarkt in Tschechien

Anders ist die Situation in Tschechien, wo Methamphetamin oder Pervitin, wie die Droge dort genannt wird, eine über 30-jährige Tradition hat. Methamphetamin war zur Zeit der kommunistischen Herrschaft die einzige harte Droge in Tschechien. Das Rezept und die notwendigen Medikamente und Chemikalien waren auch im Ostblock erhältlich. Heute ist Methamphetamin die populärste Droge in Tschechien und der Markt ist bestimmt durch die individuelle Herstellung.

Bisher gibt es keine Anzeichen, dass Drogendealer an der Massenherstellung und am Verkauf von Meth interessiert sind, da der Markt in Tschechien gesättigt ist, meint der UN-Drogenexperte Tomas Zabransky. Zabransky glaubt nicht, dass in naher Zukunft Methamphetamin, ähnlich wie in den USA, zu einem großen Drogengeschäft wird: ”Ich glaube, wir haben einen selbstsättigenden Methamphetaminmarkt in Tschechien, also Konsumenten, die ihre Droge für sich produzieren. Deshalb haben es Drogendealer schwer, in diesem Markt Platz zu finden. Man verkauft einem Bauern ja auch kein Korn!"

Hör-Tipp
Hörbilder, Samstag, 18. Oktober 2008, 9:05 Uhr

Buch-Tipps
Patrick Moore, "Tweaked. A Crystal Meth Memoir", Kensington Books, New York

Ellen Hopkins, "Crank", Simon Pulse Verlag, New York, ISBN 9780689865190

"Beyond Borders. Perspectives For Regional Cooperation in Treating Addiction", Textband zur Internationalen Konferenz zur Suchtbekämpfung, Verein Dialog, Wien

Links
Wikipedia - N-Methylamphetamin
Faces of Meth
Verein Dialog
PBS - Dokumentation "The Meth Epidemic"
Das Erste - Monsterdroge Crystal Meth
Newsweek - America's Most Dangerous Drug