Die Krimiautorin Eva Rossmann

Eva Rossmann, gelernte Juristin, hat ihre berufliche Laufbahn als Journalistin im Innenpolitik-Ressort begonnen. Nun ist sie als Krimiautorin tätig. Rossmann schildert, wie beziehungsweise wo sie ihre Geschichten findet.

Zwischen einer ersten Idee und dem fertigen Werk liegt ein weiter, oft beschwerlicher Weg. Krimiautorin Eva Rossmann schildert, wie beziehungsweise wo sie ihre Geschichten findet. Nämlich im Wirtshaus. Sie sei nicht immer auf Ideensuche. Dennoch würden ihr die Menschen, während ihrer Arbeit, Geschichten erzählen, die ihre Themen beeinflussen würden. Vier Tage in der Woche arbeitet Eva Rossmann in der Küche von Manfred Buchingers Dorfwirtshaus "Zur Alten Schule" im Weinviertel.

Nach vollbrachtem Werk an den Töpfen setzt sie sich am liebsten in die Schankstube, um zu entspannen - und um Stoff für ihren nächsten Krimi zu sammeln. In dem Wirtshaus würde man, so Rossmann, viele verschiedene Menschen treffen. Daraus entstehen ihre Geschichten. "Da gibt es", so Rossmann, "die unglaubliche Fehde zwischen einem sehr sympathischen Bauern, der sich hinaufgearbeitet hat und Galloway-Rinder züchtet und irgendeinem Unternehmer, der sich über den Typen beschwert." So sei ein Krimi daraus entstanden.

"Ich bin keine, die nur für mich lebt und die Themen aus mir selbst und aus meiner Ideenwelt schöpfen will." Das würde natürlich auch dazu führen, dass ihr vorgeworfen würde, zu sehr am Mainstram zu kleben. Diese Thematik hätte jedoch keinen materiellen Hintergrund. Es sei gerade ein Thema, das sie interessiert würde. "Vielleicht bin ich halt ein bisschen durchschnittlich", so Rossmann.

Eva Rossmann, gelernte Juristin, hat ihre berufliche Laufbahn als Journalistin im Innenpolitik-Ressort begonnen. Später verfasste sie Sachbücher, bis sie schließlich vor neun Jahren ihren ersten Krimi "Wahlkampf" schrieb.

Figuren zwischen Fiktion und Wirklichkeit

Ihre heutige Arbeitsweise als Autorin beschreibt sie so: Zuerst entwirft sie das Szenario, dann beginnt sie - gelernt ist gelernt - zu recherchieren. Und dann erst fangen die Figuren an, ein Leben zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu führen. Ihre Figuren würde sie sich selbst völlig neu im Kopf zusammen setzten.

"Da hat es", so Rossmann, "zum Beispiel eben auch gerade bei 'Wein und Tod' eine witzige Geschichte gegeben. Es kommt ein Winzer mit unglaublich blauen Augen vor. Den habe ich vor mir gesehen. Als das Buch herauskommt, sagen die ersten zu mir, dass die Figur doch der Pfaffel ist. Das ist der Weinviertler Aushänge-Winzer. Das war mir dann richtig peinlich, aber ihm hat es sehr gut gefallen."

Millionenkochen

Neun Krimis hat Eva Rossmann in den letzten neun Jahren veröffentlicht. Ihr jüngstes Buch "Millionenkochen" ist soeben im Folio Verlag erschienen. Den vergangenen Sommer hat Rossmann freilich, planmäßig, bereits über Werk Nummer zehn verbracht.

Sie schreibt am liebsten in der Wärme daheim im Weinviertler Garten. "Und ich bleib dort auch sitzen. Das habe ich mir so eingelernt und angewöhnt. Ich habe die Verpflichtung, von zumindest 10:00 Uhr in der Früh bis 18:00 Uhr am Abend vor dem Computer zu hocken. Ich glaube sonst würde ich immer wieder davon rennen und sonst würde das Buch nie fertig werden."

Begeisterte Läuferin
"Davon rennen" - das tut Eva Rossmann dennoch mit großer Leidenschaft: In den Weingärten rund um ihr Haus, ganz in der Nähe von Manfred Buchingers Weinviertler Wirtshaus, läuft sie tagtäglich in den frühen Morgenstunden ihre Runden: Für sie ist dies einer der schönsten "Wege zum Werk". Beim Laufen würde sie versuchen, nur an das Laufen zu denken. Nur dann würde ihr unerwartet eine Lösung einfallen.

In den verschiedenen Arbeitsphasen durchlebt Eva Rossmann sodann die Höhen und Tiefen unterschiedlichster emotionaler "Zustände". "Ich genieße die Phase, weil eigentlich alles entschuldigt wird und alle sagen: Ach, sie schreibt!"

Schreiben als harte Zeit
Sie selbst, so Rossmann, habe erst in den letzten Jahren herausgefunden, wie anstrengend das Schreiben sei. Zunächst sei das literarische Schreiben wie eine Belohnung gewesen. Jedoch sei sie "regelmäßig fast Zusammengebrochen".

Zu dem Zeitpunkt habe sie einen neuen Umgang damit gefunden, indem sie akzeptiert habe, dass die Arbeit nicht nur eine schöne sondern auch eine sehr harte Zeit sei.

Subtil verpackte Botschaften
In den Büchern von Eva Rossmann sind immer wieder subtil verpackte Botschaften enthalten: "Wer behauptet, er schreibe völlig wertfrei, der ist mir suspekt", betont die Autorin stets in diesem Zusammenhang. So sind etwa ihre Protagonistinnen, die Redakteurin Mira Valensky sowie deren Freundin, die Putzfrau Vesna Krajner, tatkräftige Feministinnen, die sich in der Männerwelt mit Witz und Verstand höchst erfolgreich durchsetzen.

Darüber hinaus beleuchtet die Autorin üble Machenschaften, wie sie durchaus auch real in Politik und Alltag vorkommen könnten. Eva Rossmann meint, dass das journalistische und das literarische Schreiben verschiedenen Arten seien, Wirklichkeit schriftlich abzubilden.

"Beim literarischen kommt alles aus mir selbst", so Rossmann. "Beim journalistischen Schreiben gebe ich ein Stückchen Realität wieder, kürz es ein, stelle es dar. Da kann ich leicht und relativ objektiv sagen: Das ist gut und das ist schlecht. Wenn ich einen literarischen Text schreibe, habe ich nie diese Distanz - dieses Nie-genau-zu-wissen, dieses Von-sich-selbst-doch-etwas-Hergeben und umsetzten... Ja, die Chance haben, über ein Stückchen Welt zu erzählen."