Der Prinz des Balkan-Pop

Die Engelsstimme des Balkan

Der erst 26-jährige mazedonische Popsänger Tose Proeski ist bei einem Verkehrsunfall in Kroatien tödlich verunglückt. Er war nicht nur in Mazedonien populär. In den anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawien hatte er den Status eines Stars.

Es war für alle Menschen des einstigen Jugoslawien ein Schock, als sie vom Tod des erst 26-jährigen mazedonischen Pop-Sänger Tose Proeski, der bei einem Verkehrsunfall in Kroatien tödlich verunglückte, erfuhren. Denn Proeski war nicht nur in Mazedonien populär. In den anderen Ländern Ex-Jugoslawiens hatte er den Status eines Stars.

Bereits nach der ersten Nachricht über seinen tödlichen Verkehrsunfall in Kroatien, etwa 140 Kilometer von Zagreb entfernt, wo er in der populärsten kroatischen TV-Show auftreten sollte, waren alle Medien in der Region voll mit Berichten darüber. Unzählige Fans und Kollegen, mit denen er oftmals aufgetreten war, standen unter Schock.

"Prinz des Balkan-Pop"

Der erst 26-jährige Proeski war einer der wenigen Popmusiker, der Gesang auf einer Musikakademie erlernte. Er stand kurz vor dem Ende seines Studiums an der Akademie in Skopje. Mit 16 hatte er den ersten Auftritt in der Musikszene in Mazedonien - und seit damals ging seine Karriere steil bergauf. Man nannte ihn den "Prinzen des Balkan-Pop". Im durch den Krieg geteilten ehemaligen gemeinsamen Staat Jugoslawien kann man, wenn es um gegenseitige Kontakte geht, ein Phänomen entdecken. Dieser Krieg (1991-1999) war für Außenstehende oft sehr verwirrend, weil man mitunter nicht wusste, wer gerade gegen wen kämpfte - oft blieb unklar, wer Verbündeter und wer Feind war.

Auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlicher Intensität hielt man sogar während des Krieges die Kontakte ständig aufrecht - von den wirtschaftlichen bis zu den privaten. In Kroatien und in Bosnien Herzegowina, also in jenen Ländern, die Kriegsschauplätze und daher am Meisten betroffen waren, verhielt man sich reserviert und wollte darüber in der Öffentlichkeit nicht viel reden.

Proeski - erster gemeinsamer Nachkriegs-Nenner

So waren die ersten Filme und Musik-Gastspiele aus Serbien und Montenegro sehr oft von Untertönen begleitet und stießen mitunter auf öffentliche Ablehnung. Die Verursacher der scharfen Trennung zwischen den einstigen Mitbürgern konzentrierten sich mehr auf die Unterschiede, als an Gemeinsamkeiten. Und sie gaben sich alle Mühe, dies auch der ganzen Welt zu zeigen.

In diesen Verhältnissen markierte Tose Proeski einen neuen Zeitabschnitt. Denn nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren war Proeski der erste gemeinsame Nenner, den man, offiziell wie privat, ohne Rückhalt im gesamten Ex-Jugoslawien feierte.

Eine außergewöhnliche Erscheinung

Sein großes Talent, die schöne und kultivierte Stimme und sein zweifellos präsentes Charisma waren sicher nicht die einzigen Eigenschaften, die zu seiner Beliebtheit in der ganzen Region führten. Kroatien und Mazedonien haben in ihrer gemeinsamen Geschichte immer gute Beziehungen gepflegt. Die ersten Bücher in mazedonischer Sprache wurden in Zagreb bereits im 19. Jahrhundert gedruckt. In den 1970er Jahren absolvierten viele mazedonische Studenten in Zagreb ihr Studium an der Akademie für Film und Darstellende Künste. Für den Schauspielunterricht gab es - bis in Skopje eine ähnliche Akademie gegründet wurde - , eine eigene Klasse, wo in Mazedonisch unterrichtet wurde.

Mag sein, dass das Ausbleiben einer gemeinsamen Staatsgrenze diese Kontakte stimulierte. Man fand sich nie von einander bedroht, was beim Nachbarn jedoch sehr oft der Fall war. Ein wichtiger Faktor ist auch die Tatsache, dass Mazedonien von den Kriegsereignissen verschont blieb. Und dass die dortigen Politiker zu den letzten zählten, die (wenn auch leider vergeblich) versuchten, den Jugoslwien-Krieg zu stoppen.

"Liebe statt Aggression"

Seit 2004 war Tose Proeski UNICEF-Botschafter für Kinder in Mazedonien. Und in dieser Funktion gab er zahlreiche Konzerte, um den betroffenen Kindern zu helfen.

"Die Anderen haben die Aggression verbreitet, Proeski hat das Gegenteil gemacht - er verbreitet die Liebe" - mit diesen Worten verabschiedete sich in Krusevo, dem Heimatstädtchen von Tose Proeski, der mazedonische Staatspräsident Branko Crvenkoski, von dem tragisch verunglückten Sänger. Mehr als 20.000 Menschen aus allen Ländern des ehemaligen Jugoslawien kamen nach Krusevo, um sich von ihrem Idol zu verabschieden. Sie haben diese Rolle Tose Proeskis erkannt - und offensichtlich sein Bestreben nach Verständigung geschätzt und unterstützt.

Links
Tose Proeski
You Tube - Tose Proeski
UNICEF