Friedhelm Jasbinschek

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Für das Kärntner Brillenschaf kam die Rettung in letzter Minute: Nur noch 21 Tiere existierten in Österreich. Diese wurden 1987 von ein paar Idealisten zu einer Herde zusammengeführt.

Friedhelm Jasbinschek, damals hauptberuflich beim Bundesheer tätig, ahnte nicht, dass diese Miniaturherde zur Aufgabe seines Lebens werden würde. "Ich hab mir gar nicht so viele Gedanken gemacht und bin erst später intensiv eingestiegen, als ich gemerkt habe, wie bedrohlich die Lage ist."

Widerstand durch Zuchtwahl

Noch zu Beginn der Nazizeit zählte das Kärntner Brillenschaf zur wichtigsten Schafrasse Österreichs. Doch der Rassenwahn des Dritten Reichs erstreckte sich auch auf die Viehzucht. Es sollte nur mehr "stets reinweiße deutsche Bergschafe" geben. Schwarze Pigmente galten als hemmend für den Zuchtfortschritt.

Doch einige Kärntner Sturköpfe scherten sich nicht darum. In ihren Kleinherden über Kärnten verstreut, verkörperte sich der Widerstand gegen das Dritte Reich, denn für die Bauern gehörte das Schaf mit den dunkel umränderten Augen zum regionalen Kulturgut.

Aktion Schafsrettung

Auch Friedhelm Jasbinschek, der von Freunden zum Projekt Schaferhaltung hinzugezogen wurde, sieht das so: "Dieses Tier lebt seit Jahrhunderten in Symbiose mit seinem Umland, es gehört hierher, auf alten Bildern ist es überall zu sehen." Mit EU-LEADER-Hilfe gründete er 1995 einen eigenen Verein und startete die diffizile "Aktion Schafsrettung".

"Wir haben begonnen, die Tiere von den Höfen aus anzupaaren", so der Quereinsteiger, der seine Aufgabe zunächst wie ein Hobby anging. Doch daraus wurde bald ein unbezahlter Fulltimejob. Diese Rasse zu stabilisieren sei ein Riesenaufwand gewesen, erinnert sich Jasbinschek, der auch wissenschaftliche Unterstützung der Universitäten -Laibach und der Universität Wien brauchte - ohne präzise Fachkenntnis war ein dermaßen ambitioniertes Projekt nicht zu bewältigen.

Spiegeleier auf einem heißen Stein

Jasbinschek ist in das neue Fachgebiet sukzessive hineingewachsen. Klein, leichtfüßig und leichtfütterig sollte das Brillenschaf sein; auch die exzellente Fleischqualität war wesentlich. Um dahin zu kommen, war täglicher Kontakt mit den Tieren und den Züchtern wichtig, denn diese mussten mitunter eingebremst werden, damit das Schaf beispielsweise nicht zu massig wurde.

"Ich war sozusagen das Überwachungsinstrument, ein bisschen Demokratur muss sein", schmunzelt Jasbinschek: Das Kärntner Brillenschaf ist ein Senkrechtstarter geworden.

Heute gibt es bereits 180 Züchter und bis zu 4.000 Zuchtschafe sowie Zuchtkooperationen in Slowenien und Deutschland. Und das, obwohl das Kernteam, bestehend aus Friedhelm Jasbinschek, dessen Gattin und einer geringfügig Beschäftigten, aus lauter Amateuren bestand. "Hausverstand und ein bäuerliches Auge sind am wichtigsten", erklärt Jasbinschek.

Letzteres verdankt er seiner naturverbundenen Kindheit: Friedhelm wuchs mit vier Geschwistern auf Bauernhöfen auf und arbeitete bereits als Siebenjähriger kräftig mit. Gerade deswegen sei seine Kindheit "wunderschön" gewesen: "Den Sommer über zweieinhalb Monate Kühe weiden, ohne je Schuhe anzuhaben. Ich war von früh bis spät in den Waldgebieten mit den Tieren unterwegs, abends hab ich sie wieder nach Hause gebracht. Es war damals normal, dass wir Kinder so viel Verantwortung übernehmen. Alles, was ich heute mach und kann, hab ich als Kind in der Natur gelernt, das war ein Miteinander. Ich kenn jede Vogelstimme, jede Schlange, jedes regionale Pflanzenheilmittel. Ich weiß, wie man Forellen mit der Hand fängt, wie man sich ein Ei auf einem heißen Stein brät. Die heutigen Kinder wissen nicht, wie schön Kindheit sein kann."

Karger Lebensstil

Jasbinscheks Frau unterstützt ihn bis heute nicht nur bei der Vereinsarbeit, sondern teilt auch seinen spartanischen Lebensstil. Seit dreißig Jahren lebt Jasbinschek auf einem wunderschönen abgelegenen Hof in den Kärntner Karawanken, ohne Strom und Warmwasser. "Abends reichen vier Kerzen, wir gehen mit Ende des Tageslichtes schlafen und stehen mit der Sonne auf." Zum Duschen genüge das sonnenwarme Wasser aus dem Brunnen vor dem Haus. Gekocht wird auf einem italienischen Herd, der mit Holz geheizt wird.

Kinder erziehen Eltern

"Der Hof ist meine Ideenschmiede." So entstand auch die Idee für sein neuestes LEADER-Projekt "Arche Noah", ein Ausflugsschiff, das Kinder und Erwachsene ins Naturschutzgebiet Guntschacher Au bringt.

In dieser Ruhezone führt Jasbinschek Naturinteressierte ins bäuerliche Ökosystem ein. Gemeinsam werden Hecken gepflanzt, es wird Feuer gemacht, gegrillt und in einem Tipi geschlafen. "Der Umgang mit der Natur muss von klein auf erlernt werden", beschreibt der Schafzüchter seine Mission. "Mich fasziniert, wie wissbegierig die Kinder sind. Sie wollen erfahren, was ein Nützling im Garten ist, sie sind sehr kritisch und erziehen dann auch ihre Eltern."

Links
Kärntner Brillenschafe
LEADER

Download-Tipp
Radiokolleg, Pioniere der Regionalentwicklung, Montag, 5. November 2007 bis Donnerstag, 8. November 2007, jeweils 9:30 Uhr

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