Die Hamar

Christliche Sekten und Markwirtschaft drohen die archaischen Kulturen Äthiopiens auszuhöhlen. Bei den Hamar, die in einer sehr unzugänglichen Gegend wohnen, werden die altbewährten sozialen Netze immer mehr durch Geld, Schnaps und Kalaschnikows ersetzt.

Die Hamar, die mit über 100.000 Personen zu den großen Völkern im Omotal zählen, leben in einer schönen, aber schwer zugänglichen Landschaft.

Die Staatsmacht ist in dieser unwegsamen Gegend kaum vorhanden. Erst seit dem Ende des äthiopischen Sozialismus 1991 unternimmt der Staat Versuche, Präsenz zu zeigen, aber in vielen Dörfern gibt es bis heute keine Schule, von ärztlicher Versorgung ganz zu schweigen.

Männer haben die traditionelle Kleidung mit T-Shirts modernisiert. Die Streifen an den Beinen sind nur aufgemalt, aber die Kalaschnikow, die heutzutage fast jeder Mann wie selbstverständlich bei sich trägt, ist echt. Der langjährige Bürgerkrieg im Südsudan hat dazu geführt, dass zahllose Waffen über die Grenze in die Omo-Region gesickert sind, die nun bei Streitereien um Weidegebiete nicht selten auch eingesetzt werden.

Beim Initiationsritus, das jeder männliche Jugendliche bei den Hamar durchlaufen muss, werden weibliche Mitglieder des Familienclans ausgepeitscht.

Bei der Auspeitschung selber dürfen Fremde nicht zusehen. Die Frauen verhöhnen dabei die männlichen Auspeitscher, um sie zu möglichst wuchtigen Schlägen anzustacheln. So beweisen sie ihre Liebe zum Initianten und die zurückbleibenden Narben gelten als eine Art Trophäe.

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Hör-Tipp
Radiokolleg, Montag, 26. November, bis Donnerstag, 29. November 2007, 9:05 Uhr