von Otto M. Zykan
Joseph Fouché
von Otto M. Zykan
8. April 2017, 21:58
... Zugabe!...
Joseph Fouché, duc d'Otrante, zu deutsch Herzog von Otranto, war ein Diener vieler Herren: Während der Französischen Revolution verstand er es trefflich, sich mit diversen Akteuren zu arrangieren, um dann letztlich, nachdem er für die Hinrichtung Ludwigs des XVI. gestimmt hatte, ganz im Sinne der Revolutionäre, auch im Hintergrund die Fäden bei der Absetzung Robespierres zu ziehen.
Joseph Fouché, der es verstand, sich immer dem "Geist der Zeit" zu verschreiben, gelang es, sich den jeweiligen Machthabern, waren es nun Revolutionäre, Napoleon Bonaparte oder Monarchisten, unentbehrlich zu machen. Rhetorisch nicht unbedingt begabt, ließ er sich in diverse Ausschüsse wählen, von denen aus er seine Macht absichern konnte. Joseph Fouché, der allen Machthabern und Förderern ohne Skrupel, rechtzeitig, wenn sich das Blatt wendete, in den Rücken fiel.
Als ein bezeichnendes Beispiel für seine einzige Begabung, sich mit den jeweiligen Machtverhältnissen zu arrangieren, mag etwa seine Einsetzung als Abbé niederer Weihen gelten, der gleich danach, als er zum Gouverneur von Lyon wurde, nicht nur ein Verbot gegen Kreuze und Kreuzwege erließ, sondern auch, ohne mit der Wimper zu zucken, Tausende Todesurteile unterschrieb. Fouché gilt auch heute noch als das Inbild des Opportunisten, des Wendehalses.
Otto M. Zykan beschäftigte sich knapp vor seinem Tod mit dieser Figur und plante, Joseph Fouché eine gleichnamige Oper zu widmen. Es war dieser Prototyp eines Opportunisten, der Otto M. Zykan interessierte. Aufbauend auf dem schon bestehenden Opernfragment wollte Zykan dieser Figur auch ein Hörspiel widmen, eine Arbeit, die nicht mehr vollendet werden konnte: Am 25.Mai 2006 fiel Otto M. Zykan in der Nähe seines Hauses in Sachsendorf bei einem Ausflug von seinem Fahrrad und war tot. So beginnt dieses Hörspiel auch mit einem Brief an Staatsoperndirektor Ioan Holender, in dem der Komponist seine Konzeption und seine Idee zu seinem "Joseph Fouché" beschreibt.
Otto M. Zykan wurde 29. April 1935 in Wien geboren und starb in der Nähe seines Ferienhauses in Sachsenburg bei Wien am 25. Mai 2006. Zykan widersetzte sich zeitlebens der kommerziellen Vermarktung seiner Musik.
1977 sorgte die Aufführung der "Staatsoperette", die zu Kirchenbann und Debatten im Parlament führte, für einen handfesten Skandal. Einem breiteren Publikum ist Otto M. Zykan wahrscheinlich als Schöpfer der Humanic-Werbung bekannt. Zykan schrieb außerdem die Bühnenmusik für mehrere Produktionen des Wiener Burgtheaters und schuf Werke für Festivals wie die Linzer "Klangwolke" und die "Wiener Festwochen". Im Dezember 2005 wurde sein Konzert für Violoncello und Orchester mit dem Titel "Beethovens Cello" von den Wiener Philharmonikern unter Zubin Metha uraufgeführt.
Die vorliegende Fassung von "Joseph Fouché" wurde anlässlich des ersten Todestages des Komponisten am 22. Mai 2007 auf Ö1 im "Hörspiel-Studio" gesendet.
Mehr dazu in oe1.ORF.at
Hör-Tipps
Hörspiel-Studio, jeden Dienstag, 20:31 Uhr
Die Hörspiel-Galerie, jeden Samstag, 14:00 Uhr
Link
Hörspiel in Österreich
