China in den 1960er und 70er Jahren
Cage, Mao und das I Ging
China - dieses riesige "Land der Mitte" fasziniert seit Jahrhunderten westliche Intellektuelle, Künstler, Musiker. Gerade in den 1960er und 70er Jahren war das "Phänomen China" aus Debatten westlicher Intellektueller kaum wegzudenken.
8. April 2017, 21:58
Cornelius Cardew: "We sing for the Future"
Am kommenden Freitag, dem 8. August 2008, starten in China die XXIX. Olympischen Sommerspiele - allen menschenrechtlichen Katastrophen dieses Frühjahrs zum Trotz. China hat viele Gesichter. Auch faszinierende, wie seine Kultur.
Einer der Protagonisten ist zum Beispiel Tang Jianping. Er hat im Auftrag des olympischen Komitees von China ein Konzert geschrieben, das bei der Eröffnung der Olympischen Spiele zu hören sein wird.
China Mitte des 20. Jahrhunderts
Aber auch ein Blick in die Vergangenheit lohnt. Genauer in die 1960er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, zur Musik des britischen Komponisten und Improvisators Cornelius Cardew.
China wurde in den 1960er Jahren zu einem wichtigen Bezugspunkt seines kompositorischen Denkens: Zunächst waren es Konfuzius und seine Philosophie, die ihn inspirierten. In den 1970er Jahren verfiel Cardew, wie viele andere westliche Intellektuelle auch, der Ideologie des Maoismus.
Komponist, Improvisator, Propagandist
Der junge Cornelius Cardew verließ die britische Insel, um sich mit der musikalischen Avantgarde auseinander zu setzen. Einige Jahre lang war er Assistent Karlheinz Stockhausens in Köln, lernte die aktuellen Strömungen der Avantgarde hautnah kennen. Um schließlich ganz eigene Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.
Er ging zurück nach England. Dort lernte er die gerade im Entstehen begriffene "frei improvisierte Musik" kennen, ein Glücksfall für Cardew, der die Hierarchie zwischen Komponist und ausführenden Interpreten aufzuheben suchte. Dies gelang ihm schließlich mit seiner graphischen Partitur "Treatise". Die Beschäftigung mit chinesischer Philosophie, Versuche, Chinesisch zu lernen, all dies hinterließ Spuren in seinem musikalischen Denken.
Cardew, der Maoist
Wir schreiben die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Cardew war, wie viele andere Künstler und Intellektuelle seiner Zeit, links politisch aktiv. Doch kaum einer war dauerhaft so radikal wie Cardew, der der Avantgarde letztlich den Rücken kehrte und seine Kunst vollständig in den Dienst der Politik und der Propaganda stellte und einfache Arbeiterlieder schrieb. Cornelius Cardew starb durch einen Autounfall, angeblich durch Antikommunisten verursacht.
Buch-Tipp
Cornelius Cardew, "A Reader", Copula
CD-Tipp
Cornelius Cardew, "Treatise", John Tilbury, Keith Rowe, Eddie Prévost, Matchless Recordings MRCD26
Cornelius Cardew, "The Great Learning", The Scratch Orchestra, DGG CDA/D/D471572-2
Hör-Tipp
Zeit-Ton, Montag, 4. August 2008, 23:05 Uhr
