Turbulente Vergangenheit - unsichere Zukunft
Der Mekong
Der Mekong ist die Lebensader Südostasiens. In der Mekong-Region gibt es gute Erde für den Landbau, riesige Waldgebiete und reiche Bodenschätze. Jetzt wollen Politiker, Banken und Unternehmen die Region zu einem marktbasierten Wirtschaftsraum machen.
8. April 2017, 21:58
Die "Mutter des Wassers", wie der Mekong auch genannt wird, ist die Lebensader Südostasiens. Die Mekong-Region ist reich an natürlichen Ressourcen. Es gibt gute Erde für den Landbau, riesige Waldgebiete, zusätzlich zum Flusswasser viel Regen und reiche Bodenschätze.
Dieser Reichtum hat Entwicklungsexperten und Politiker beflügelt. Zusammen mit Banken und Unternehmen aus aller Herren Länder wollen sie die Region von einem subsistenzorientierten zu einem marktbasierten Wirtschaftsraum entwickeln.
Das Jahreszeitliche Auf und Ab - der Motor des Ökosystems.
Der Mekong - mit etwa 4.600 Kilometern, der zehntgrößte Fluss der Welt - wird vor allem von Schmelzwasser und den saisonal auftretenden Monsunregen gespeist und ist daher starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen.
In der Trockenzeit zwischen November und Mai kann der Pegel des Mekong bis zu 15 Meter absinken und der Fluss vier Fünftel seiner ursprünglichen Fläche einbüßen. Die Nebenflüsse trocknen dann zu unscheinbaren Rinnsalen aus. Während der Regenzeit wiederum führt der Mekong so viel Wasser, dass er weite Teile des Uferbereiches überflutet. Dadurch werden nicht nur die Böden mit Nährstoffen versorgt, auch die Fische erhalten größere Nahrungs- und Laichgebiete.
Asiens Garten Eden
Die Artenvielfalt des Mekong ist fast so gewaltig wie die des Amazonas. Etwa 830 verschiedene Arten von Säugetieren, mindestens 2.800 Vogelarten sowie 900 Amphibien und Reptilien kommen im Einzugsgebiet des mächtigen Stromes vor.
Besonders wichtig für die etwa 60 Millionen Menschen dieser Region ist der Fischreichtum, denn er stellt ihre Haupteiweißquelle dar. Unter den mindestens 1.300 Fischarten sind Besonderheiten wie der Mekong-Riesenwels, der bis zu 300 Kilogramm schwer werden kann und bis zu 2.000 Kilometer flußaufwärts schwimmt, um seine Laichgründe zu erreichen. Doch der größte Süßwasserfisch der Erde - und nicht nur dieser - ist vom Aussterben bedroht, denn Dämme blockieren die Wanderrouten.
Mit Wasserkraft zum Wohlstand
Seit 1992, seit die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) die Mekonganrainerstaaten Vietnam, Laos, Thailand, Kambodscha und die südchinesische Provinz Yunnan zur sogenannten "Greater Mekong Subregion" zusammengefasst hat, gilt das Einzugsgebiet des großen Stroms als künftiger Wachstumspol der Erde.
"Mit Wasserkraft zum Wohlstand" lautet das Motto von Politikern, Bankern und Unternehmern. Umweltorganisationen wie etwa der WWF sehen in den zahlreichen Dammbau-Projekten jedoch eine der größten Gefahren für den Mekong. 82 große Dämme existieren bereits, 179 weitere sind in Planung bzw. in Bau, um die aufstrebenden Wirtschaften Thailands und Chinas mit Strom zu versorgen.
In seinem "Living Mekong Programme" versucht die Umweltorganisation Naturschutzziele mit einer nachhaltigen Entwicklung der Region zu vereinen und bemüht sich darum, dass bei neuen Megaprojekten zur Energiegewinnung zumindest die Richtlinien der Weltstaudamm-Kommission eingehalten werden, um die negativen Folgen abzuschwächen.
Ethische Richtlinien für den Staudammbau
Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Effizienz, partizipative Entscheidung und Rechenschaftspflicht - das sind die fünf Grundwerte, auf denen die neuen Richtlinien der Weltstaudammkommission (World Commission on Dams, WCD) beruhen. Ihr 2000 veröffentlichter Bericht sollte dazu dienen, "aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen".
Zu diesem Zeitpunkt gab es weltweit bereits rund 45.000 Großstaudämme, deren soziale, ökonomische und ökologische Folgen erstmals von unabhängigen Experten geprüft wurden. Großstaudämme, so der Schuss, haben die Flüsse der Welt fragmentiert und wichtige Ökosysteme und Fischereiressourcen zerstört.
Zwischen 40 bis 80 Millionen Menschen wurden durch den Bau von Stauseen vertrieben, bzw. umgesiedelt. Doch heute zeigt sich: Es hat sich wenig geändert. Nur wenige halten sich an die von der Weltstaudammkommission entwickelten Richtlinien. Sie spielen etwa bei der Kreditvergabe für neue Dämme in der Mekongregion kaum eine Rolle, mahnt zum Beispiel das International Rivers Network (IRN).
Entwicklung - nicht nachhaltig
Nam-Theum-2 gilt als Paradefall für die enttäuschten Hoffnungen, die die Weltstaudammkommission geweckt hatte. Das im Bau befindliche 1.070-Megawatt-Wasserkraftwerk in Laos wird rund 1,3 Milliarden US-Dollar kosten und ist das größte Projekt, das je in dem armen Land geplant wurde. Und es ist seit Jahren der erste Großstaudamm, den die Asiatische Entwicklungsbank, die Europäische Investitionsbank und die Weltbank fördern.
"Hier wird ein Großprojekt unterstützt, das zahlreiche Umwelt- und Sozialstandards der Weltbank bricht und gegen fast alle Empfehlungen der Weltstaudammkommission verstößt. Nam-Theun-2 wird die Armut in Laos nicht mindern sondern neue Armut unter den hunderttausend Anrainern schaffen", kritisiert das International Rivers Network (IRN).
Dem Damm müssen 6.000 Menschen weichen, 100.000 weitere bedroht er in ihren Lebensgrundlagen. Die Weltbank hofft, dass er dem unterentwickelten Land pro Jahr bis zu 150 Millionen Dollar einbringt und der Regierung hilft, ihre Bildungs- und Gesundheitsausgaben im ersten Jahr um bis zu 30 Prozent zu steigern. Bisher lebt Laos von Subsistenzwirtschaft, dem Raubbau an seinen Wälder und der Entwicklungshilfe.
Hör-Tipp
Dimensionen, Donnerstag, 6. November 2008, 19:05 Uhr
Links
Weltstaudammkommission
WWF
Australian Mekong Ressource Center
International Rivers Network
Salween Watch Coalition
Terraper
