Kabarett-Wettbewerb für den Nachwuchs

Goldener Kleinkunstnagel 2008

Seit 1996 vergibt das Theater am Alsergrund in Wien jährlich den "Goldenen Kleinkunstnagel". Der mit 4.000 Euro dotiert Hauptpreis ist eine Auszeichnung für den engagierten Nachwuchs im Kleinkunstgenre. Auch absolute Newcomer bekommen eine Chance.

Der mit 800 Euro und drei Auftrittsmöglichkeiten dotierte Neulingsnagel ging an Andreas Bartel. Mit den beiden Duos Buchgraber & Brandl und Blözinger, sowie den Solisten Michael Ebensteiner und dem Münchner Musikkabarettisten Roland Hefter waren durchaus bühnenerfahrene Kabarettisten ins Finale vorgestoßen.

Auf zum Duell

Den 13. Kleinkunstnagel gewann das Grazer Duo Brandl & Buchgraber, das eine überarbeitete Version ihres Kabarettstücks "Schuss damit" zeigte. Damit hatten die beiden Künstler, die sich als "Teilzeitkabarettisten" bezeichnen, bereits im Vorjahr Premiere. Regie führte der Simpl-erfahrene Bernhard Murg.

Die wettbewerbstaugliche 20-minütige Zeitrafferversion des Kabarettstücks "Schuss damit" erzählt von Sinn und Unsinn des Lebens, von Siegern und Verlierern und von der Ironie des Schicksals. Joachim Brandl gibt den saturierten, des Lebens überdrüssigen Erfolgreichen. Martin Buchgrabner verkörpert den klassischen Loser, der mit Druck alles versucht und nichts erreicht. Der Siegertyp möchte sich aus Mangel an weiteren Herausforderungen umbringen, der andere übernimmt aus Not einen Job als Berufskiller, der sich als Vertreter getarnt Zutritt zum lebensmüden Erfolgsmenschen verschafft. Naturgemäß führt das Aufeinandertreffen dieser beiden - jeweils mit einer Pistole bewaffneten - Figuren zu jeder Menge komischer Momente, zum Einsatz von Slapstick-Elementen und zu duellartigen Wortspielereien.

Fast ein "Best of"

Die Pointen kommen schnell, präzise und treffsicher. Dann wieder lassen sich die beiden Kabarettisten - trotz der Kürze ihres Auftritts - wohltuend Zeit, Szenen und Charaktere zu entwickeln, setzen durchaus gekonnt ihr Mienenspiel ein und lassen dem Publikum auch die nötige Zeit, um Sickerwitze wirken zu lassen. Um das "Beinah-Best-of"-Programm" dennoch voranzutreiben, steigen Buchgrabner & Brandl zuweilen aus ihren Rollen und geben durchaus souveräne Moderatoren ihres eigenen Stücks ab.

Ein Jahr Bühnenerfahrung und 50 Auftritte mehr haben durchaus ihre Wirkung gezeigt. Der Goldene Kleinkunstnagel des Wiener Theater am Alsergrund, 4000,- Euro Preisgeld und fünf weitere Auftritte hat sich das Duo erspielt

Die Clini Clowns der Kleinkunst

Das Duo Blözinger, alias Robert Blöchl & Roland Penzinger, kommt aus der Straßentheaterszene. Beide Kabarettisten haben Erfahrung als Clini Clowns und setzen daher auch durchaus auf nonverbale Komik. 2004 wurden sie schon mit dem Goldenen Neulingsnagel, 2005 mit dem Steyrer Kleinkunstpreis und 2008 mit der Ennser Kleinkunstkartoffel ausgezeichnet.

Die Kurzfassung ihres aktuellen Programms "B-Zug" ist ein Mix aus Pantomimen-Clownereien, aber auch aus wortspielerischen Sketches wie diesem: Ein eineiiges Zwillingspärchen philosophiert im Fruchtwasser, ganz nach dem kabarettistischen Grundmuster "der Gscheite und der Blöde".

Derbe Sprüche

Im Vorjahr gewann mit Maximilian Uthoff ein Münchner Kabarettist den Goldenen Kleinkunstnagel und alljährlich versuchen etliche andere deutsche Kabarettisten ihr Glück. Diesmal ist dem Münchner Liedermacher und Kabarettisten Roland Hefter mit seiner derb-hemdsärmeligen Auseinandersetzung mit dem Münchner Oktoberfest in Wort und Musik der Einzug ins Finale gelungen. Einschlägiger Titel seines - schon mit der Hirschwanger Wuchtel ausgezeichneten Soloprogrammes: "Urlaub auf der Wiesn".

Roland Hefter, der zuletzt vornehmlich in Bierzelten und Firmenfeiern aufgetreten ist, zieht betont lässig und mit einem gewissen Quantum Brachialhumor über Karibikurlauber ebenso her wie über nicht immer trinkfeste Besucher des Oktoberfestes, macht sich über sexhungrige Münchner in Bangkok lustig und gibt dem Schönheitswahn verfallenen Models einschlägige Kosmetiktipps, wobei er sich nicht scheut, einen gewissen Hang zur Geschmacklosigkeit zu offenbaren. Für den Goldenen Kleinkunstnagel wurde er weder vom Wiener Publikum, noch von der Jury in Erwägung gezogen.

Und ewig währt die Liebe

Gewisse Chancen hatte man nach den Vorrunden dem Oberösterreicher Michael Ebensteiner zugestanden. Nach "Alle meine Bundesheerler" und "Verklemmt" ist "An Kathrin - eine Komödie in 2 Akten" bereits sein drittes Programm. Es erzählt mit feinem Witz von den Erfahrungen eines Studenten vom Land in der Großstadt Wien: die ersten Begegnungen, die ersten Enttäuschungen, die erste Liebe.

Michael Eibensteiner wählt auf der Bühne die Haltung des Naiven, der es aber bei näherer Betrachtung faustdick hinter den Ohren hat. Immerhin überreicht er seiner liebeshungrigen, nach Romantik gierenden Freundin am Ende eine Rose aus Plastik - als Symbol der Ewigkeit, und ein schönes kabarettistisches Bild für die Unmöglichkeit dieser Liebe, die schon mit schlechten Küssen begonnen hat und mit Mundgeruch endet. "An Kathrin - eine Komödie in 2 Akten" von Michael Eibensteiner erreichte immerhin das Finale des Wiener Kabarettwettbewerbs.

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 23. November 2008, 22:05 Uhr

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