Umfassende Praxis und große Affinität zu Italien
Elke Uta Frenzel, Oboe
Begonnen hat sie mit Blockflöte, mit 15 wechselte sie zur Oboe: Elke Uta Frenzel, Jahrgang 1978, die an der Bruckner Privatuni Linz studiert. Die gefragte Musikerin wirkt am 29. März 2009 in Bachs "Johannes-Passion" im Kloster Fiecht in Tirol mit.
27. April 2017, 15:40
Elke Frenzel: "Morceau de Salon" v. J. Kalliwoda (Ausschnitt)
"Als ich fünf war, habe ich mit Blockflöte begonnen und mit Feuereifer gespielt. Denn immer, wenn ich geübt habe, musste ich mein Kinderzimmer nicht aufräumen. Dann wurde es mir aber zu langweilig, ich habe ein neues Instrument gesucht und wollte mit Querflöte beginnen. Es gab damals aber kein Leihinstrument.
So entschied ich mich für die Klarinette. Aber da hätte ich ein Jahr auf den Unterrichtsplatz warten müssen. Und bei der Oboe gab es beides", erzählt Elke Uta Frenzel, die aus Neustadt an der Waldnaab in Bayern stammt, Jahrgang 1978, über ihre Anfänge.
Ihr Oboe-Studium begann sie zunächst 1997 bei Jörg Bolz an der Musik-Universität Nürnberg. 2001 wechselte die Nachwuchs-Musikerin schließlich an die Anton Bruckner Privatuniversität Linz, wo sie seither bei Josef Blank studiert.
Den Bachelor hat Frenzel bereits 2006 mit Auszeichnung absolviert. Im Juni dieses Jahres hat sie nun ihr Oboe-Studium mit Auszeichnung abgeschlossen.
Am 13. Februar 2009 widmete ihr das Ö1 Radiomagazin "Intrada" ein Porträt.
Durch Orff-Festival nach Linz
Und wie kam die aparte Nachwuchs-Musikerin an die Bruckner Privatuniversität Linz?
"Ich habe nicht gesucht - Linz hat mich gefunden. Ich war in Andechs bei den Carl-Orff-Festspielen und habe dort Karsten Nagel, den früheren Solo-Fagottisten der Bayerischen Staatsoper München kennen gelernt. Er ist ein Studienkollege von Josef Blank, der dann mein Hauptfachlehrer wurde. Ich habe dann Josef Blank, der wie ich Oberpfälzer ist, vorgespielt – und es hat geklappt", berichtet Frenzel.
Magister-Arbeit über Orchester-Anfänger
Derzeit arbeitet Frenzel noch an ihrer Magister-Arbeit zum Thema " Selbstvertrauen und Selbstsicherheit bei Berufsanfängern im Orchester":
"Wie schon bei meiner Bachelor-Arbeit über das Flow-Prinzip in der Musik will ich in meiner Arbeit ein Thema aufarbeiten, das für Berufsanfänger wichtig ist. Denn man kommt in ein festes Gefüge, wo viele Faktoren eine Rolle eine Rolle spielen. Man ist als Anfänger mitunter verloren und unsicher. Es liegt aber gar nicht an einem selbst, sondern an Faktoren, die außen liegen. Wenn man sie kennt, kann man sie besser einschätzen, lernt, sich besser zu positionieren - und kann sich viele Magenschmerzen ersparen."
Konzerte in Bad Reichenhall
Zuletzt wirkte Frenzel bei Konzerten der Bad Reichenhaller Philharmoniker in der bayerischen Kurstadt mit.
Oper und Konzerte am Münchner Gärtnerplatz-Theater
Davor war Frenzel für zwei Monate am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz engagiert, wie sie in Opernaufführungen und Konzerten spielte.
Opernprojekt "Oper trifft Musical" Ende April
Ende April 2009 wirkte Frenzel beim Opernprojekt "Oper trifft Musical" (Musikalische Leitung: Dieter Müller, Regie: Andrea Mellis, Wien) in der Musik-Berufsfachschule Sulzbach-Rosenberg in Bayern mit.
Am 29. März 2009 war sie beim Start der Konzerte des Chores "Cantomania Innsbruck" zu hören, bei denen Bachs "Johannes-Passion" unter Leitung von Ingrid Czaika aufgeführt wird. Das erste Konzert fand in der Benediktiner Abtei St. Georgenberg-Fiecht bei Schwaz statt. Weitere Aufführungen gab es in der Innsbrucker St. Paulus Kirche sowie in der Pfarrkirche Telfes/Stubai.
Davor war die junge Oboistin im "Nussknacker", einem "Konzert für die ganze Familie", das aufgrund des großen Erfolgs wiederholt wurde, im Opernhaus Nürnberg zu hören.
Umfangreiche Orchester- und Solo-Erfahrung
Seit 1999 konnte Frenzel, die auch Englischhorn spielt und sich auch für Orchester-Management interessiert, zahlreiche Erfahrungen sammeln: sie begann beim Bayerischen Landesjugendorchester, und war unter anderem bei der Internationalen Jungen Orchesterakademie sowie beim Jungen Ensemble der Bayerischen Staatsoper engagiert.
Weiters hatte Frenzel, die auch bei den Salzburg Chamber Soloists mitwirkt, Zeitverträge bei der Niederbayerischen Philharmonie Passau, der "Fondazione Teatro Lirico di Cagliari" auf Sardinien sowie beim "Orquestra Classica da Madeira" in Portugal. Eines ihrer jüngsten Engagements führte Italien-Fan Frenzel an das "Teatro Francesco Cilea" in Reggio di Calabria:
"Ich bin erst Mitte Dezember aus Italien zurück gekehrt. Ich habe in Reggio bei einer wunderbaren 'Turandot' mitgewirkt. Ich habe nur für meinen Studienabschluss unterbrochen", so Frenzel.
Besondere Affinität zu Italien
Abgesehen von der italienischen Lebensart, die Frenzel sehr schätzt, hat ihre große Affinität zu diesem Land auch musikalische Hintergründe:
"Italienische Oper in Italien hat schon einen Gänsehauteffekt. So war diese 'Turandot' in Reggio großartig. Es ist ein kleines Theater, aber es sind soviel junge Musiker dort, die sehr ambitioniert musizieren. Vielleicht auch gerade deshalb, weil es in Italien mit diesen Stückverträgen anders organisiert ist. Man hat dort nicht den festen Vertrag auf Lebenszeit. Da spielt jeder um sein Leben", so die begeisterte Musikerin, die sich kürzlich bei einem Orchester eines italienischen Opernhauses beworben hat.
Im Orchester der Tiroler Festspiele Erl
Und seit zwei Jahren gehört die gefragte Musikerin dem Orchester der Tiroler Festspiele Erl an - und wurde durch Festivalchef und Talenteförderer Gustav Kuhn zum Wagner-Fan:
"Ich habe 2006 eine Woche ausgeholfen – und offenbar hat mein Spiel Maestro Kuhn zugesagt. Denn 2007 wurde ich wieder engagiert. Aufgrund meines Engagements am Gärtnerplatztheater konnte ich heuer leider nicht auf dem Grünen Hügel Österreichs mitwirken", berichtet Frenzel.
"Es ist eine tolle Atmosphäre in Erl. Man taucht in die Musik ein und kommt fünf Stunden später wieder an. Durch Maestro Kuhn bin ich ein Wagner-Fan geworden. 2007 haben wir den ganzen 'Ring' gemacht. Und danach hat mir die Musik Wagners sehr gefehlt. Sie hat etwas Magisches und berührt mich sehr stark."
Engagement in italienischem Opernorchester
Zuletzt bereitete sich die ambitionierte Musikerin, die früher Judo als Leistungssport betrieben hat und 1991 dritte süddeutsche Meisterin war, vor allem auf ihren Studienabschluss vor. "Ich wohne in Nürnberg in einem mittelalterlichen Turm in der Stadtmauer. Da dudelt es jetzt heraus - und meine Nachbarn werden mich verfluchen", erzählte sie lachend.
Wie ihr beruflicher Zukunftswunsch lautet? "Nachdem ich meinen Abschluss nun erfolgreich geschafft habe, an einem Orchester an einem italienischen Opernhaus spielen zu dürfen", so Elke Uta Frenzel.
Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria
Mehr zu Opern- und Operetten-Aufführungen sowie Konzerten von Elke Uta Frenzel in oe1.ORF.at
Kontakt
Elke Uta Frenzel
Tipp
Die Porträts der Ö1 Talentebörse können seit 1. September 2008 im Rahmen der Ö1 Podcast nachgehört werden. Alle Sendungen des kostenfreien Radio-Abos finden Sie hier.
Hör-Tipp
Ö1 Talentebörse, Mittwoch, 19. August 2009, 7:55 Uhr
Links
Balboa
Cantomania
Christoph Rösel, Tenor
Colloquium Chor Füssen
Erben Event
GliArchiEnsemble
Landestheater Niederbayern
Munich Brass Connection
Orquestra Classica da Madeira
Staatstheater am Gärtnerplatz
Stephan Matthias Lademann
Südthüringisches Staatstheater – Das Meininger Theater
Teatro Francesco Cilea
Teatro Lirico da Cagliari
Tiroler Festspiele Erl 2009