Eine der unverwechselbaren Stimmen der Burg
Fred Liewehr
Er war 60 Jahre Mitglied des Wiener Burgtheaters und prägte mit seiner unverwechselbaren Stimme den Klang des Hauses maßgeblich. Anlässlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstags widmet die Ö1 Sendung "Patina" Fred Liewehr eine zweiteilige Reihe.
8. April 2017, 21:58
Fred Liewehr über die Grundlagen seiner Karriere
Als Kammerschauspieler Fred Liewehr im hohen Alter von 85 Jahren im Juli 1993 verstorben ist, ist auch eine der großen, unverwechselbaren Stimmen des Burgtheaters - dem er sagenhafte sechs Jahrzehnte angehörte - erloschen. Als gefeierter Operetten- und Musicalstar der Wiener Volksoper hat der Erzkomödiant und Hofrat aber auch Wiener Musicalgeschichte mitgeschrieben.
Fred Liewehr, am 17. Juni 1909 im mährischen Neutitschein geboren, wollte ursprünglich Maler werden, sattelte dann um, und nach einigen Semestern Germanistik-Studium übersiedelte er ans Reinhardtseminar, wo Max Reinhardt selbst zu seinen Lehrmeistern zählte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Liewehr lange Jahre Lehrer an diesem Institut.
Enormes Repertoir
Nach seinem Debüt an der Josefstadt und einer Grazer Saison kam er als 24-jähriger Jugendlicher Held 1933 an das Burgtheater. Seine zahlreichen Rollen zu nennen ist auch auszugsweise nicht möglich. Ebenso sind die Ehrungen, die das Ehrenmitglied des Burgtheaters und der Wiener Volksoper, Hofrat Professor Fred Liewehr in seiner langen Karriere erfahren hat, kaum aufzulisten.
Er war ein legendärer Karl Moor, ein gesuchter Romeo, stand als Max Piccolomini, Marquis de Posa, Egmont und Don Carlos auf der Bühne, als Ferdinand in "Kabale und Liebe" und Wetter von Strahl im "Käthchen von Heilbronn". Für seine großen Grillparzer-Rollen erhielt er den Grillparzer-Ring. Liewehr ist aber auch aus der Riege der großen Hofmannsthal-, Raimund- und Nestroy-Darsteller nicht wegzudenken.
Zweite Karriere als Sänger
Kammerschauspieler Fred Liewehr, der mit der 1963 verstorbenen Kammersängerin Marta Rohs verheiratet war, feierte im Haus am Währingergürtel als Petrucchio in "Kiss Me Kate" Triumphe. Er war Operettenheld der - heute scheint es - letzten großen Wiener Operettenära im "Bettelstudent" oder "Vogelhändler" und stellte seine Erfahrungen auch als Intendant der Burgenländischen Festspiele in Mörbisch und bei den Grillparzer-Spielen auf Burg Forchtenstein zur Verfügung.
Alles in allem brachte es Liewehr auf unglaubliche 260 Rollen in 8.000 Auftritten. Sein Repertoire stellte, wie es Lotte Ledl bei der Feier zu Liewehrs 60jährigem Burg-Jubiläum ausdrückte, einen "Führer durch die Weltliteratur" dar.
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Eva
Hör-Tipp
Patina, Sonntag, 14. Juni und Sonntag, 21. Juni 2009, 9:05 Uhr