Eingebunkert

Im "Kalten Krieg" sollte Österreich durch ein Netz von Bunkern vor einem Durchmarsch fremder Truppen geschützt werden. Mittlerweile werden sämtliche Anlagen abgebaut. Nur die Anlagen an der Wurzenpass-Bundesstraße sollen als Museum erhalten bleiben.

Von 1963 bis 1995 wurde an der Landesbefestigung am Wurzenpass gebaut. Die sogenannten Landesbefestigungen waren ein wesentlicher Bestandteil der in den 1960er und 1970er Jahren - vorm Hintergrund des Kalten Krieges - entwickelten Konzeption der Raumverteidigung.

"Diese hatte zum Ziel, Österreich einen Durchmarsch beziehungsweise einen Angriff fremder Truppen zu ersparen. Mit einem solchen musste zur Zeit des Kalten Krieges gerechnet werden", erinnert sich Generalleutnant Christian Segur Cabanac, der federführend an der Errichtung eines flächendeckenden Netzes von Landesbefestigungen beziehungsweise Sperranlagen beteiligt war.

Nur eine bleibt übrig

Die insgesamt etwa 500 Anlagen verteilen sich über ganz Österreich - von Vorarlberg, über Salzburg, Ober- und Niederösterreich, das Burgenland bis nach Kärnten.

Ihr Hauptzweck war die Abwehr von gegnerischen Panzern. Langfristig erhalten wird einzig die zum größten Teil unterirdisch gelegene Befestigungsanlage am Kärntner Wurzenpass bleiben - alle übrigen wurden oder werden abgebaut und teils verschrottet, teils versteigert.

Vom militärischen Bunker zum Museum

Bis ins Jahr 2002 hat das Österreichische Bundesheer die österreichweit größte Bunkeranlage einsatzbereit gehalten. Vor wenigen Jahren erst wurde die im Kalten Krieg geheim gehaltene Anlage zum Freilicht-Museum umfunktioniert und ist von Mai bis Oktober für Besucher und Besucherinnen zugänglich.

Das Museum betreibt Oberst Andreas Scherer, der letzte Kommandant der Anlage. Er erklärt, warum das Österreichische Bundesheer ausgerechnet am Kärntner Wurzenpass die österreichweit umfangreichste Bunker- und Sperranlage errichtet hat: "Die ungarische Volksarmee wäre bei einer Eskalation des Kalten Krieges den Plänen der Mächte des Warschauer Pakts zufolge über diesen Pass nach Österreich eingerückt - auch, um ein Zusammenrücken der westdeutschen und italienischen NATO-Truppen zu verhindern."

Und: Die Lage der Landesbefestigung am Wurzenpass war - im Vergleich zu jener der Befestigungen im Burgenland - ideal: "Im Gegensatz zum weitläufigen, flachen Gelände im Burgenland hätten fremde und schwer bewaffnete Truppen im bergigen Gebiet des Wurzenpasses auf mehr als 1.000 Metern Seehöhe nur sehr langsam vorankommen können," so Scherer.

Mit Horror-Szenarien gerechnet

Zweimal bezogen Soldaten des Bundesheers am Wurzenpass Stellung: Ein Mal im Jahr 1968, anlässlich des Prager Frühlings, und ein zweites Mal 1991, zum Ausbruch des Bürgerkrieges in Jugoslawien. Im Ernstfall, so Andreas Scherer, wären die befestigten Panzertürme für die Soldaten allerdings zu tödlichen Fallen geworden.

Der Grund: "Die an sich gut getarnten, aber unbeweglichen Panzerabwehrbunker wären entweder mit Wärmekameras oder spätestens nach einem ersten Feuergefecht durch die dabei entstehenden Mündungsblitze leicht im Gelände auszumachen gewesen", so Scherer.

Das heißt: Bei einem Treffer wären die drei Mann Besatzung im Inneren des befestigten Panzers praktisch verglüht. Das Bunker-Museum am Wurzenpass verdeutlicht, mit welchen Horror-Szenarien weite Teile der politischen und militärischen Führung auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs im Falle einer Eskalation des Kalten Krieges gerechnet haben.

Zum Schutz vor chemischen und atomaren Waffen

So auch in der DDR, wo Anfang der 1970er Jahre mit den Vorbereitungen für eine besonders aufwendige Bunker-Anlagen begonnen wurde: Nämlich etwas außerhalb des unscheinbaren 500-Einwohner Orts Prenden, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Berlin. Dort wurde in den Jahren 1978 bis 1983 das Objekt 17/5001 errichtet, heute auch als Honecker-Bunker bekannt.

Der Grund:. "Das technisch aufwendigste Schutzbauwerk innerhalb der Grenzen des Warschauer Paktes hätte Teilen der militärischen und politischen Führung, darunter auch dem DDR-Vorsitzenden Erich Honecker, als sicherer Zufluchtsort dienen sollen, etwa bei einem Angriff mit atomaren oder biochemischen Waffen," sagt Hannes Hensel, der mit seinem Team daran arbeitet, eine umfassende Dokumentation zum Objekt 17/5001 zu erstellen. Am Ende sollen ausgewählte Dokumente, Interviews mit Zeitzeugen, Panoramafotos und die detaillierte technische Beschreibung des Bunkers für Interessierte im Internet abrufbar sein.

Der Bunker 17/5001 wurde im Jahr 2003 unter Denkmalschutz gestellt. Als Hauptargument dafür wird die wohl einzigartige Tragwerkskonstruktion im Bauwerk genannt: "Selbst starke, etwa durch ein schweres Bombardement bedingte, Schwingungen des Erdreichs mit einem Ausmaß von 40 Zentimetern hätten die Abläufe im Bunker kaum beeinträchtigen können.", so Hensel.

Hör-Tipp
Dimensionen, Dienstag, 7.Juli 2009, 19:05 Uhr

Links
Bunkermuseum am Wurzenpass
Honecker-Bunker