Johan Bothas Spiritualität

Johan Botha gilt derzeit als einer der bedeutendsten und gefragtesten Tenöre unserer Zeit. Sein Repertoire reicht vom italienischen Fach bis hin zu Wagner und Strauss. Seine Stimme nennt er ein "Gottesgeschenk". Für Ö1 hat er offen über seine Spiritualität gesprochen.

"Von Anfang an habe ich das Gefühl gehabt, dass meine Stimme ein Geschenk Gottes ist und ich eine Berufung von ihm geschenkt bekommen habe", sagt Johan Botha - der Otello in Verdis gleichnamiger Oper, Florestan in Beethovens "Fidelio" und Max in Webers "Freischütz", um nur einige Partien zu nennen. Das Repertoire des aus Südafrika stammenden Tenors spannt sich von den dramatischen Verdi-Partien über Puccini bis hin zu Richard Wagner und Richard Strauss.

"Ich bin ein religiöser Mensch", sagt Johan Botha gleich zu Beginn des Gesprächs, "mein Leben und meine Arbeit sind von meinem Glauben geprägt."

Kindheit in Südafrika

Der gefragte Tenor wurde am 19. August 1965 in Rustenburg in Südafrika geboren. Die Kindheit in diesem Land hat ihn tief geprägt. "Wir hatten eine Farm mit 1.700 Hektar, das ist fast die Fläche von Wien. Dort waren tausende Kühe, Schafe und Schweine und viele, viele wilde Tiere, vor allem rund um die großen Wasserlöcher. Und diese Tiere waren auch mein erstes Publikum, weil ich ab meinem 5. Lebensjahr wusste, dass ich Opernsänger werden möchte."

Seine Augen blitzen, wenn er von Versuchen mit Schwarzpulver und anderem "Unfug" erzählt, den er und seine Schwester und seine Cousins auf der Farm angestellt haben. Und er erzählt auch von den aufregenden Ausflügen mit den Pferdegespannen mit den Eltern und Großeltern in die nächstgelegene Stadt am Wochenende, um dort den Gottesdienst zu besuchen.

Von der Apartheid geprägt
Johan Botha spricht auch von der Apartheid, mit der er aufwuchs: "Wir haben gelernt, andere hassen zu müssen. Und ich habe immer gefragt - warum? Aber niemand konnte mir eine Antwort geben, die mich zufrieden gestellt hätte."

Respekt und Toleranz sind daher zwei Werte, die dem aus Südafrika stammenden Tenor für sein Leben und bei der Erziehung seiner beiden Söhne ganz besonders wichtig sind.

Johan Botha zählt heute zu den bedeutendsten Sängern der Opernwelt und zu der raren Spezie jener dramatischen Tenöre, die im deutschen wie im italienischen Fach gleichermaßen reüssieren.

Internationale Karriere
Seine Gesangsausbildung begann Johan Botha bereits mit 13 Jahren in seiner Heimatstadt Rustenburg. Im Sommer 1990 sang der damals 25-jährige im Bayreuther Festspielchor. Seinen internationalen Durchbruch schaffte Johan Botha 1993 als Pinkerton in "Madame Butterfly" an der Pariser "Opéra Bastille". Mit dieser Rolle debütierte er später auch an der Mailänder Scala. Heute gastiert der gefragte Tenor regelmäßig an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt: am Londoner Covent Garten, den Pariser Opernhäusern, der New Yorker Metropolitan Opera, der Berliner und der Hamburgischen Staatsoper und den Salzburger Festspielen.

Sein künstlerisches Zentrum ist die Wiener Staatsoper, wo er 1996 als "Cavaradossi" in Puccinis "Tosca" debütierte und seither in zahlreichen Neuproduktionen zu erleben war. Zuletzt als "Siegmund" in Richard Wagners "Walküre" unter der Leitung von Franz Welser-Möst. Bereits im Juni 2003 wurde Johan Botha zum bisher jüngsten österreichischen Kammersänger der Staatsoper Wien ernannt.

Die Stimme - ein Gottesgeschenk

Seine Stimme ist für den Tenor ein Geschenk Gottes, und auch die Kompositionen sieht er als Geschenke des Himmels. "Auch wenn viele Menschen sagen, dass dieser und jener Komponist gar nicht gläubig waren. Das ist mir egal. Sie haben das Talent von Gott bekommen, denn ohne Talent hätten sie gar nichts komponieren können. Ich weiß, wem ich mein Talent verdanke!"

Der Tenor gilt auf Grund seiner technischen Beherrschung als Stimmphänomen, das heute praktisch ohne Vergleich ist.

Die Bühne ist für Johan Botha sein Beruf, seine Berufung. "Ich habe eine Verabredung mit Gott auf der Bühne. Jeder Auftritt ist ein Gebet. Und er wollte, dass ich jemanden mit meiner Stimme glücklich mache."

Religiösität ohne konfessionelle Zwänge
Johan Botha bezeichnet Gott als "eine Art Freund, der mich seit meiner frühesten Kindheit begleitet" und sagt weiter: "Ich hatte viele schwierige Momente in meinem Leben. Ich bin Legastheniker und hatte es nicht leicht in der Schule. Aber immer hat Gott mir zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Menschen als Hilfe mit auf meinen Weg geschickt."

Johan Botha gilt derzeit als einer der meistbeschäftigten und gefragtesten Tenöre unserer Zeit. Die Bühne ist für ihn ein Ort der Freude und des Triumphes - und auch ein Ort der Gefahr: "Ich bete auch vor jedem Auftritt auch um Schutz. Denn die Bühne ist gefährlich. Nicht nur die Stimme ist in Gefahr; Bühnenteile können herunterfallen. Alles ist oft recht fragil gebaut. Und es gibt Fechtszenen, Kampfszenen."

Seit 17 Jahren ist Johan Botha mit seiner Frau Sonja verheiratet. Hauptwohnsitz ist Wien, und hier gehen auch die beiden Söhne in die Schule. Ein Mal pro Monat gibt es hier einen Gottesdienst in ihrer Muttersprache afrikaans, sonst besucht die Familie den englischsprachigen Gottesdienst der "Vienna Community Church". In eine konfessionelle Box lässt sich Johan Botha nicht pressen:

"Meine Verabredung mit Gott ist auf der Bühne und überall dort, wo ich gerade bin. Ich glaube an Gott, aber ich bin nicht lutherisch oder reformiert oder sonst was. Das ist Gott auch egal. Er wird nur fragen, ob ich an ihn geglaubt habe und was ich mit den beiden Kindern gemacht habe, die er mir anvertraut hat."

Hör-Tipp
Motive, Sonntag, 16. August 2009, 19:05 Uhr

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Wiener Staatsoper - Johan Botha
Johan Botha