Lamaismus und Schamanismus

Klänge der Mongolei

Die Geschichte vom Kamel, das durch das Spiel einer Pferdegeige zur Annahme seines Fohlens bewegt wird, ist keine Erfindung. Der Klang mongolischer Instrumente und Stimmen rührt und berührt auch die Menschen. Eine musikalische Reise in die Mongolei.

In der Mongolei als dem dünnst besiedelten Land der Erde stehen Tiere im Zentrum des Lebens. Der Jahreslauf, aber auch der Alltag von Nomaden gestaltet sich rund um die Bedürfnisse der Tiere, und es gibt vielstimmige Kommunikation zwischen Mensch und Tier.

Die Geschichte vom weinenden Kamel ist keine Erfindung. Der Spielfilm "Die Geschichte vom weinenden Kamel" hat vor einigen Jahren das Publikum in aller Welt gerührt. Da holt man einen Musiker, der den weiten Weg zum Jurtenplatz auf dem Pferd zurücklegt. Der Klang seiner Pferdegeige bewegt eine Kamelstute, die ihr Neugeborenes nicht an sich heran lässt, es anzunehmen und zu säugen.

Die einzelnen Worte, Zeilen und Strophen der "Long Songs" werden gedehnt und reich verziert. Diese Lieder haben als Maßeinheit bei längeren Ritten gedient: "Ich hab das Lied achtzehn Mal gesungen, dann war ich am Ziel".

Nationalsymbol

Die Jurte der mongolischen Nomaden ist traditionell in verschiedene Bereiche eingeteilt. Da der Bereich für die Frauen, dort für die Männer. Dem Eingang gegenüber ein Altarplatz. Dort hängt die Pferdegeige, um den Hals ein blaues Tuch als Symbol für die Verehrung des Himmels. Sie gilt, zusammen mit Dschingis Khan, als Ikone der Mongolei. Gute Musiker können ihr ein reiches Spektrum an Klangfarben entlocken, vom heiseren Flüstern bis zum glasklaren Jubeln.

Um die Herkunft dieses Streichinstruments, der sogenannten "Morin Chuur", ranken sich zahlreiche Legenden, Sagen und Märchen. Natürlich geht es dabei immer um eine Liebesgeschichte.

Mönche und Schamanen

Lamaismus und Schamanismus existierten lange Zeit nebeneinander, bis im 20. Jahrhundert die Kulturrevolutionäre kamen, um einen kommunistischen Musterstaat zu bauen und alles Religiöse abzuschaffen. Klöster wurden zerstört, unvorstellbar viele Kunst- und Kulturschätze vernichtet, das Schamanen als Hokuspokus für die Ungebildeten verdammt. Seit der Demokratisierung zu Beginn der 1990er Jahre tauchen vergrabene Gegenstände und Schriften aus Verstecken auf, Zeremonien finden wieder statt.

Alain Desjacques hat solche Zeremonien aufgezeichnet, in Klöstern und Hütten. Manche dieser Hütten stehen auf dem Gelände eines Krankenhauses. Der Forscher berichtet, wie die Schamanin einige Tropfen Wodka über die Trommel spritzt, um die Geister zu rufen. Die Trance, in die sie sich trommelt und singt, wird als Übergang in eine Anderswelt verstanden, wo mit den Wesen kommuniziert und über Heilung verhandelt wird.

Hiphop und Hollywood

Überall zieht es die Menschen auf der Suche nach Bildung und besserem Leben in die Metropolen. An den Rändern der Hauptstadt Ulaan Baatar sind Jurten-Slums entstanden, dort lebt, wer keinen Platz in der Gesellschaf findet. Die Musik der Jungen dreht sich um Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Kriminalität. Speziell ist, dass hier oft Bezug genommen wird auf frühe mongolische Geschichte, als das Reich groß und die Herrscher mächtig waren.

Hör-Tipp
Radiokolleg, Montag, 21. September bis Donnerstag, 24. September 2009, 9:45 Uhr