Operndirektor Franz Salmhofer

Vor 110 Jahren geboren, lebt Franz Salmhofer vor allem in Anekdoten weiter. Salmhofer wurde im Laufe seiner Tätigkeit als Staatsoperndirektor zu einem absoluten Wiener Original. Er wirkte jedoch auch als Komponist, Dichter und Dirigent.

Salmhofer über seinen Anfang als Operndirektor

Er war vielleicht der allerletzte wirkliche Theaterprinzipal alter Schule, ein Theaterpraktiker, der das Metier von der Pike auf erlernt hatte. Franz Salmhofer: Komponist, Dichter, Dirigent und legendärer Wiener Operndirektor nach dem zweiten Weltkrieg.

Am 22. Jänner 1900 in Wien geboren, wurde Salmhofer im Laufe seiner Tätigkeit zu einem absoluten Wiener Original, über den sich auch unzählige Anekdoten erhalten haben, nachzulesen bei Prawy, Prikopa, Schenk bis zu Wagner-Trenkwitz.

Musik für das Burgtheater

Salmhofer ist in äußerst bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, sein Vater war Klavierträger, die Mutter Köchin. Sein musikalisches Talent fällt bereits früh auf und so wird er schließlich Sängerknabe im steirischen Admont. Als sein Vater als Kriegsinvalide aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrt, muss er aber mit den inzwischen erworbenen musikalischen Fähigkeiten vor allem zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Nichtsdestoweniger wird er Schüler von Franz Schreker, es entsteht eine Komposition nach der anderen, in den verschiedensten Stilrichtungen, und ab den späten 1920er Jahren ist er quasi der Hauskomponist und Hauskapellmeister des Wiener Burgtheaters, für das er hunderte Schauspielmusiken schreibt.

Erfolgreicher Opernkomponist

Als Schreker-Schüler entwickelt Salmhofer natürlich auch eine besondere Affinität zur Oper, dennoch lässt er seine ersten beiden Opernversuche lieber in der Schublade liegen. Die Staatsoper erobert er sich zunächst als Ballett-Komponist: Die "Österreichische Bauernhochzeit" etwa wird dort auch ein großer Kassenerfolg, und ein Jahr später, 1935, hat dann im Haus am Ring seine erste gültige Oper Premiere: "Dame im Traum" - eine leidenschaftliche Liebesaffäre mit tödlichem Ausgang.

Eine Oper jedenfalls, die heutzutage durchaus eine Chance verdienen würde, genauso wie sein musikdramatisch wohl bedeutendstes Werk "Iwan Tarrassenko" - eine wirkungsvolle Geschichte um den Opfertod eines russischen Dorfschmiedes. Veristisch aufbereitet, eine melodienreiche Sängeroper, deren Uraufführung 1938 ebenfalls an der Wiener Staatsoper stattgefunden hat. Zehn Jahre später folgte im kriegsbedingten Ausweichquartier der Staatsoper, im Theater an der Wien, dann eine erweiterte Neufassung, bei der allein schon die Besetzung mit drei absoluten Publikumslieblingen dieser Zeit den Erfolg garantierte: Ljuba Welitsch, Paul Schöffler und Helge Rosvaenge gestalteten ihre Rollen mit Totaleinsatz.

Überraschende Bestellung zum Staatsoperndirektor

Wie aber kam es nach dem Krieg zur eigentlich völlig überraschenden Bestellung Salmhofers zum Wiener Operndirektor? Dafür hat es wohl mehrere Gründe gegeben. Da war zunächst einmal die Tatsache, dass er keineswegs zu den Sympathisanten des Dritten Reiches gezählt hat, ja fast wäre er sogar von Nazis mit Berufsverbot belegt worden, schließlich entsprach seine erste Frau nicht den gültigen Rassegesetzen, und trotzdem ist er immer zu ihr gestanden.

Was weiters für ihn gesprochen hat war seine künstlerische Originalität, seine lange Theatererfahrung, seine erklärte Liebe zu Österreich -dokumentiert etwa in seiner 1943 am Salzburger Landestheater uraufgeführten bäuerlichen Volksoper "Das Werbekleid" - und vor allem sein absolutes Talent mit Menschen umzugehen.

Der Durchsetzer

Mit List, Schlauheit, Diplomatie und Beharrlichkeit gelang es ihm, auch unmöglich Scheinendes durchzusetzen. In erster Linie die Adaptierung des Theaters an der Wien als Spielstätte für die zerbombte Oper am Ring, trotz Champignon-Zucht auf der Bühne, trotz unzähliger Ratten-Familien in den Garderoben. In wenigen Monaten macht er das Haus bespielbar, wobei die gesamte Opernfamilie tatkräftig mithilft.

Und auch für die Ausstattung seiner Eröffnungsinszenierung hat er eine originelle Idee: "Die Bühne bleibt so, wird nicht abgestaubt. Ich spiele hier 'Fidelio'. Wir haben hier diese wunderbare Eisenschließtüre. Wenn die zufällt, glaubt man, man ist in einem Gefängnis!" In erster Linie aber garantiert auch hier die Besetzung den Erfolg: Josef Krips am Pult, Anny Konetzni als Leonore, Paul Schöffler Pizarro, Willy Franter beziehungsweise Max Lorenz Florestan, dazu noch Irmgard Seefried, Anton Dermota, Herbert Alsen und Fritz Krenn.

Von "Nabucco" bis "Kiss me Kate"

Salmhofer bleibt ein Jahrzehnt lang Chef der Staatsoper in Theater an der Wien, mit der Wiedereröffnung des Hauses am Ring, 1955, übersiedelt er jedoch in die Volksoper, wo er noch weitere acht Spielzeiten Gelegenheit hat, ein Haus nach seinen Prinzipien zu führen. So sorgt er in erster Linie für ein Ensemble, das vom Publikum geliebt wird, holt aber zusätzlich auch Weltstars ans Haus, zum Beispiel Mario del Monaco, der nur deshalb an die Volksoper gelockt werden kann, weil man dort ein auf ihn maßgeschneidertes Plakat druckt: "Mario del Monaco in Carmen".

Salmhofer aber holt auch Marcel Prawy an sein Haus und öffnet es damit für das amerikanische Musical, selbst wenn er von dessen Qualitäten nicht von vorneherein überzeugt gewesen ist. "Alles oder nichts" lautet seine Devise und sein Spielplan enthält alle nur denkbaren Stücke, die zum Begriff Volksoper passen: "von 'Nabucco' bis 'Kiss me Kate'", wie er es selbst formuliert hat.

Clown mit Autorität

Im Sommer 1963 geht Salmhofer schließlich in Pension, als Professor, Hofrat und erstes Ehrenmitglied aller drei österreichischen Bundestheater. "Ein wissend-weiser Clown", wie ihn Marcel Prawy in seinen Erinnerungen bezeichnet, aber auch "ein Herr mit großer Autorität, und der letzte total ein-, nein durchgreifende Direktor."

Salmhofer hat nun vor allem Ruhe gesucht, nur mehr gelegentlich komponiert - auch aus gesundheitlichen Gründen -, sich aber ganz besonders gefreut, als die Volksoper anlässlich seines 70. Geburtstages seine schon 1945 fertiggestellte Oper "Dreikönig" herausgebracht hat - eine Eifersuchtstragödie im salzburgischen Bergbauernmilieu. Am 22. September 1975 ist Franz Salmhofer in seiner Heimatstadt Wien gestorben.

Hör-Tipp
Apropos Oper, Dienstag, 26. Jänner 2010, 15:05 Uhr