Das Leben ist ein Chanson

Die Wende zum 20. Jahrhundert war in Paris auch die Zeit der Chansonniers. Zu dieser Zeit entstand auch das Chanson réaliste. Viele der einflussreichsten Interpretationen stammen von Frauen. Ihr Leben verlief so dramatisch wie die Geschichten, die sie besungen haben.

Die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert war in Paris die große Zeit der Cabarets. Unzählige gab es davon in Montmartre. Dort trafen sich gutsituierte Herren, die auf ein Abenteuer aus waren, Gigolos, Ganoven, Künstler und Prostituierte.

Montmartre lebt heute noch von dem Mythos, der Maler Toulouse-Lautrec hat diese Szenen ja in seinen berühmten Bildern und Plakaten verewigt.

Das Leben der einfachen Leute

Es war auch die Zeit der Chansonniers. Einige - wie Aristide Bruant - wurden berühmt und wieder vergessen. Auch mangels entsprechender Tonaufnahmemöglichkeiten. Zu dieser Zeit entstand auch das Chanson réaliste, ein Genre, das den oft schweren Alltag besang, die harten Lebensbedingungen der sogenannten einfachen Leute.

Starke Frauen

Seinen Höhepunkt erlebte das Chanson réaliste in der Zwischenkriegszeit. Und das Bemerkenswerte dabei: Die Interpretinnen waren vor allem Frauen. Drei starke Frauen, drei große Namen: Fréhel, Damia und Edith Piaf. Zu den gesellschaftskritischen Themen kamen bei ihnen immer mehr persönliche Schicksale zur Sprache: unglückliche Liebesgeschichten, Drogen, Alkohol - "la dérive" nennen die Franzosen das (es ist übrigens auch der Titel eines Chansons), und heißt soviel wie sich treiben, sich (unter)gehen lassen.

Viele dieser Chansons sind Klagelieder. Ein dunkles, oft deprimierendes Universum. Die einzigen Vergnügungen waren die "bal musettes", Bälle zu Akkordeonmusik - auch sie wurden immer wieder besungen, sie waren die Möglichkeit, Partner kennenzulernen, dort spielten sich aber auch sentimentale Dramen ab.