Jahresbericht der Universität Barcelona

Sexuelle Gewalt als Kriegsmittel

"Alerta 2010", der Jahresbericht der Universität Barcelona über Konflikte, Menschenrechte und Friedensstiftung hat eine besorgniserregende Botschaft: Im Vorjahr wurde in den meisten kriegerischen Auseinandersetzungen sexuelle Gewalt als Waffe eingesetzt.

Sexuelle Gewalt als Kriegsmittel, Vergewaltigung als Kriegstaktik - in den meisten bewaffneten Konflikten im Jahr 2009 wurde sexuelle Gewalt gezielt eingesetzt. Zu diesem Schluss kommt der Bericht der "School for a Culture of Peace" an der Universität Autonoma de Barcelona; er wird zum neunten Mal als Jahresreport über Konflikte, Menschenrechte und Friedensstiftung veröffentlicht.

Sexualverbrechen und Massen-Vergewaltigungen

Berichte kennt man beispielsweise aus der Demokratischen Republik Kongo, wo Milizen oder bewaffnete Gruppen systematisch Sexualverbrechen und Massen-Vergewaltigungen durchführen.

Vor wenigen Tagen hat die Hilfsorganisation Oxfam gemeldet, dass allein in der kongolesischen Provinz Süd-Kivu im Vorjahr mehr als 5.000 Personen vergewaltigt worden sein sollen.

Nicht einmal das eigene Haus biete Schutz: Mehr als die Hälfte der sexuellen Übergriffe müssten die Betroffenen in der vermeintlichen Sicherheit ihres Zuhauses erfahren - häufig sogar in Gegenwart der Familie, berichtet Oxfam - basierend auf Befragungen von Opfern.

Die schlimmste Bedrohung des Friedens

Der Jahresbericht der Universität Barcelona analysiert 31 bewaffnete Konflikte weltweit - vor allem in Asien und Afrika. Gewalt gegen Frauen war in allen Staaten vorhanden, heißt es.

Kritisiert werden auch jene Friedensprozesse, die das Problem der sexuellen Ausbeutung unbeachtet lassen - wenngleich gerade das als schlimmste Bedrohung für Frieden und Sicherheit erachtet wird.

Ein "Menschrechtsindex"

Erstmals hat die Friedensforschung der Universität Barcelona für den Jahresbericht einen weltweiten "Menschenrechtsindex" erstellt: 22 Indikatoren sollen Aufschluss geben, wie einzelne Staaten mit Todesstrafe, Verurteilungen ohne Gerichtsverfahren, Folter, Verfolgung von Menschenrechtsaktivistinnen und Journalistinnen umgehen.

In dieser Liste führen Staaten Myanmar bzw. Burma, Sudan, Pakistan, Nigeria, Thailand, Russland, Somalia und Indien.

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