Neue Erkenntnisse zu Massengrab

Lasko: Opferzahl höher als geschätzt

Vor etwa einem Jahr wurde das Massengrab aus der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bei Lasko geöffnet. Zunächst gingen Gerichtsmediziner davon aus, dass etwa 3.000 Personen ermordet worden sein könnten. Ein Jahr später haben die slowenischen Experten ihre Schätzungen nun mehr als verdoppeln müssen.

Mittagsjournal, 28.04.2010

Zu den Opfern der siegreichen kommunistischen Partisanen dürften vor allem Kroaten aber auch andere Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie Slowenen und Vertreter der deutschen Minderheit gehören.

"7.000 Personen ermordet"

Im Bergwerksstollen der "Heiligen Barbara" bei Lasko arbeiteten Experten monatelang, um Schutt, Beton und Ziegel zu beseitigen, mit denen die kommunistischen Machthaber ihre Taten zu verbergen suchten. Doch seit dem März des Vorjahres sind nun Gerichtsmediziner am Zug. Ihre Exhumierungen führten zur Revidierung der Opferzahl, erläutert in Laibach der Chefermittler der Kriminalpolizei, Pavel Jamnik: "In zwei vertikalen Schächten, die gefüllt mit menschlichen Überresten sind, haben die Gerichtsmediziner Überreste in einem Abschnitt von fünf Metern Länge geborgen. Dabei geht es um mehr als 400 Personen. Nach groben Schätzungen dürften in diesem Bergwerk etwa 7.000 Personen ermordet worden sein."

Massaker nach Kriegsende

Verschaffen konnte sich die Polizei einen grundlegenden Überblick über den Anlauf der Massenmorde. Sie begannen nach Kriegsende und dauerten zwischen sechs und acht Wochen. Genauer erfasst sind 14 Tage, in denen slowenische Domobranzen aber auch Frauen aus dem Lager Teharje (Tüchern) zum Stollen transportiert und ermordet wurden.

Keine Dokumente vorhanden

Die Täter dürften zu Einheiten des sogenannten Korps der Volksverteidigung Jugoslawiens gehört haben. Diese Ermittlungen waren bisher aber wenig erfolgreich, erläutert Pavel Jamnik: "Das Problem liegt darin, dass es über alle diese Morde nach dem 9. Mai 1945 keine Dokumente mehr gibt. In den Verhören wurden auch Personen bezeichnet, die etwas wissen oder die vielleicht die Morde befohlen haben könnten. Mit einigen dieser Leute haben wir gesprochen, doch sie geben nichts zu, was ihnen selbst schaden könnte."

Serbien sperrt Archive

Jamnik glaubt, dass in Belgrader Archiven noch Dokumente liegen, die genauere Hinweise liefern könnten; doch Serbien hat bisher den Zugang zu den Archiven nicht gestattet. Bei den Opfern selbst wurden kaum persönliche Gegenstände gefunden.

Ausstellung in Laibach

Das Wenige zeigt eine Ausstellung im Museum für Zeitgeschichte in Laibach. Dazu zählt ein Ring, den ein Opfer vor seiner Erschießung im Mund verbarg. Gefunden wurde der Ring bei der Obduktion. Gefunden wurden auch relativ viele Schuhe sowie Frauenhaare. Belegt ist, dass nicht nur gefangene Soldaten ermordet wurden, obwohl Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren natürlich die größte Opfergruppe bilden.