Nick Allen, Theaterpädagoge

Ich wurde in England geboren, lebe jetzt hier in meinem "selbst auferlegten Exil", in der Obersteiermark, seit 2002 leite ich das Festival "Shakespeare in Styria" in Murau. An Ö1 schätzt er besonders, dass hier die österreichische Sprache gepflegt wird.

Meine Heimat bleibt Wien, ich bin mit 17 nach Wien gekommen, um Gesang zu studieren. Und da begann ich, den Österreichischen Rundfunk zu hören – wegen des Opernkonzerts! Ab 1967 war ich bis zur Einstellung aktiv beim Schulfunk dabei.

Ich kenne Österreich wie kein Zweiter, denn ich war 40 Jahre lang für Vienna's English Theatre als Tourneeleiter im ganzen Land tätig, zehn Monate im Jahr, und da habe ich immer im Hotelzimmer mit meinem kleinen Kofferradio Ö1 gehört.

Seit es Ö1 gibt, liebe ich das Mittagsjournal, weil es tiefer gehende Hintergrundinfos liefert. Ö1 war früher formaler – es ist lockerer geworden. Ich drehe ganz selten ab. Ich schätze die Mischung, die kurzen Fünf-Minuten-Geschichten, den Überraschungseffekt (wie bei "Leporello"). Ich bin ein sehr kritischer Hörer, will aber auch genießen. Am kritischsten bin ich gegenüber manchen Anrufern in "Von Tag zu Tag".

Ich merke im Radio, aber noch mehr beim Fernsehen, eine gefährliche Tendenz zur "Eindeutschung" der Sprache. Ich liebe die österreichische Sprache, die eigene Formen hat und eine akzeptable Form der Hochsprache darstellt. Diese Sprache zu pflegen, halte ich für eine wichtige Aufgabe für Ö1. Je mehr Europa hoffentlich entsteht, desto stärker sollte die Bedeutung der Regionaleigenheiten werden.

Meine Wünsche? Mehr Konzerte, weil Konzerte ihre eigene Dramaturgie haben. Einfach zum Musik hören.

Wenn es ein Ereignis ist, eine Übertragung aus der Oper oder von Festspielen, gestalte ich manchmal den Abend feierlich, mit Kerzenlicht und Wein, wechsle vom Fauteuil zum Sofa, weil's dort den besseren Klang gibt; manchmal höre ich dann zu zweit. Das ist noch schöner.