Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Der israelische Romancier und Essayist David Grossman erhält heuer den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die ersten Glückwünsche nahm der Autor in Salzburg entgegen, wo er am Donnerstag im Literaturhaus sein neues Buch vorstellte und auch das politische Geschehen in Israel kommentierte.

Kultjournal, 11.06.2010

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesem Jahr an den israelischen Schriftsteller und Journalisten David Grossman. Der 56-Jährige wird für seinen aktiven Einsatz für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern geehrt, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag zu Beginn der Buchtage Berlin mitteilte. "Seine Bücher zeigen, dass die Spirale von Gewalt, Hass und Vertreibung im Nahen Osten nur durch Zuhören, Zurückhaltung und die Kraft des Wortes beendet werden kann", heißt es in der Begründung des Stiftungsrats des mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreises.

"In seinen Romanen, Essays und Erzählungen versucht er, nicht nur die eigene, sondern immer auch die Haltung der jeweils Andersdenkenden zu verstehen und zu beschreiben", heißt es weiter. "David Grossman gibt dem schwierigen Zusammenleben eine literarische Stimme, die in der Welt gehört wird." In seinem Hauptwerk "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" zeige Grossman die Bedeutung der Sprache für die Suche nach Identität und warne vor ihrer zunehmenden Militarisierung. "So bietet er inmitten einer Realität von Willkür, Zwang und Entfremdung Auswege aus dem jetzigen Zustand der Gesellschaft, die sich zwischen Krieg und Frieden befindet."

An politischen Debatten beteiligt

Der verheiratete Familienvater Grossman setzt sich vor allem mit der Identität Israels und dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinander, wie der Börsenverein hervorhebt. Seine Werke, darunter auch Kinderbücher, sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt, so auch ins Deutsche. Mehrfach wurde Grossman ausgezeichnet, den Münchner Geschwister-Scholl-Preis erhielt er 2008. Grossman lebt in einem Vorort von Jerusalem. Neben seinem literarischen Schaffen beteiligt er sich an der politischen Debatte um eine friedliche Lösung im Nahen Osten.

Der Chef des Münchner Hanser Verlags, Michael Krüger, hob hervor, dass ein israelischer Autor geehrt werde, "der sowohl in seinem grandiosen literarischen Werk wie in seinen politischen Stellungnahmen eine Welt beschreibt, die sich nach Frieden sehnt. Wir hoffen natürlich, dass diese Auszeichnung dazu führt, dass die Probleme im Nahen Osten auf friedliche Weise gelöst werden können." Hanser hat mehrere Werke Grossmans auf Deutsch herausgebracht.

Sohn wurde von Hisbollah getötet

Beim Ausbruch des zweiten Libanon-Kriegs 2006 hatte der Israeli mit anderen Schriftstellern eine Waffenruhe gefordert, einige Tage später wurde sein Sohn Uri von einer Rakete der Hisbollah getötet. Danach setzte sich Grossman weiter für eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt ein. 1988 war er als Journalist fristlos entlassen worden. Er hatte sich geweigert, seine Berichte über die Unabhängigkeitserklärung der Palästinenser zensieren zu lassen, bei der Jassir Arafat erstmals indirekt von einem Existenzrecht Israels sprach.

Der Friedenspreis wird traditionell am Ende der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen, dieses Jahr am 10. Oktober. Die bedeutende Ehrung wird seit 1950 an Persönlichkeiten vergeben, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen" haben, wie es im Statut heißt. Im vergangenen Jahr wurde der italienische Schriftsteller Claudio Magris geehrt. Zu den bisherigen Preisträgern gehören auch Max Frisch, Siegfried Lenz, György Konrad, Amos Oz, Mario Vargas Llosa, Yasar Kemal, Vaclav Havel und Fritz Stern.

Text: APA, Audio: ORF