Prix Italia 2010 an ORF-Hörspiel "Little Enemyz"

Der 62. Prix Italia endete mit einem Erfolg für Ö1 und für den ORF. Das gemeinsam mit dem Mitteldeutschen Rundfunk produzierte Hörspiel "Little Enemyz" von Krok & Petschinka wurde in Turin als beste Hörspielbearbeitung mit dem renommierten Prix Italia ausgezeichnet.

Der Wiener Autor, Maler und Regisseur Eberhard Petschinka zählt damit zu den erfolgreichsten Hörspielmachern der Gegenwart.

Beasts of No Nation

"Little Enemyz" ist die akustische Verfilmung des 2005 erschienenen Romans "Beasts of No Nation" des jungen nigerianischen Autors Uzodinma Iweala. Darin erzählt Iweala in einer hochartifiziellen, poetischen Sprache die Geschichte des afrikanischen Jungen Agu. Agu gerät auf der Flucht in die Hände von Rebellen - und wird Soldat. Da er für das Gewehr noch zu klein ist, muss er mit der Machete töten. Gegen seinen Willen verliert er sich in einem Strudel aus Gewalt, Blut und Entbehrungen. "Wer dieses Buch zuklappt", schrieb Bartholomäus Grill, der Afrika-Korrespondent der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT, "muss kein anderes mehr zum Thema lesen. All die Versuche von ehemaligen Kindersoldaten, ihren Leidensweg authentisch zu schildern, verblassen neben diesem grandiosen und furchterregenden Roman".

Eberhard Petschinka hat, ausgehend vom englischen Originaltext, die Geschichte des kleinen Agu verdichtet und in einen Hörfilm umgewandelt. Mit Hilfe von afrikanischen Laiendarstellern und der Musik von Marilyn Manson und Wolfgang Mitterer erzeugt er ein Bild, das das Grauen nicht abbildet, sondern mit den Mitteln des Radios neu erschafft. Ö1 hat "Little Enemyz" zuletzt im Rahmen des Afrika-Schwerpunkts "Ke Nako - Afrika jetzt" im Mai dieses Jahres ausgestrahlt.

2. Prix Italia für Petschinka

Der 1953 geborene Wiener Eberhard Petschinka, der als Maler und auch als Regisseur unter dem Pseudonym "Krok" auftritt, ist einer der produktivsten und innovativsten Hörspiel- und Radiomacher der Gegenwart. Für sein Stück "Rafael Sanchez erzählt 'Spiel mir das Lied vom Tod'" erhielt er 1999 den "Hörspielpreis der Kriegsblinden" und den "Premios Ondas" in Barcelona. Bereits 2008 gewann er mit der Papstsatire "Santo Subito" seinen ersten Prix Italia, im Jahr davor, ebenfalls für "Santo Subito", den Prix Europa für das "beste europäisches Hörspiel des Jahres". 2009 wurde Petschinka für sein Lebenswerk mit dem Günter-Eich-Preis ausgezeichnet.

Der Prix Italia wurde 1948 von der RAI gegründet und gilt als der bedeutendste Radio- und Fernsehwettbewerb weltweit. Zu den bisher Ausgezeichneten zählen unter anderen Dylan Thomas, Samuel Beckett, Friedrich Dürrenmatt, Ingmar Bergmann, Eugène Ionesco oder George Tabori.