"Sehen, hören, fragen"

Er ist ein ein kompromissloser Künstler: Gottfried Honegger bezeichnet Kollegen, wenn es ihm nötig erscheint, auch als "Schmarotzer" und er kämpft gegen den regionalen Kulturverfall an. Seit 1999 ist der ewige "zornige junge Mann" Mitglied der französischen Ehrenlegion.

Kunstausbildung und Brotberuf

Noch nach Jahrzehnten sind diese drei Begriffe für den 93-jährigen Schweizer Künstler Gottfried Honegger für seine Arbeit wesentlich: "Sehen, hören, fragen", diese drei - fast könnte man sagen - "Handlungsanleitungen" hat sein Lehrer Ernst Georg Rüegg dem jungen Gottfried Honegger in der Kunstgewerbeschule Zürich fast als eine Art Trost auf den Weg mitgegeben.

Denn ihm hatte Gottfried Honegger erzählt, dass er gerne Architektur studiert hätte, sich dies aber nicht leisten könne. Eigentlich wollte Honegger Automechaniker werden, aber seine Mutter - die meinte, dass sich ein Automechaniker immer schmutzig macht - vermittelte ihm einen Job als Schaufensterdekorateur.

Über sein Leben wollte er beim Interview eigentlich nicht erzählen, nein darum würde es ihm nicht gehen, viel, viel wichtiger wäre es über die verfehlte Kulturpolitik zu sprechen und darüber, warum Kunst ein Lebensmittel für alle ist. Seine Lebensgeschichte, die könne man ja auch nachlesen.

Gottfried Honegger wird 1917 in Zürich geboren, seine Mutter entstammt einer Bauernfamilie aus dem Kanton Graubünden. Seine Kindheit verbringt er bei den Großeltern in Sent im Engadin. Gottfried Honeggers Muttersprache ist das Rätoromanische, und bis heute ist er mit dem Engadin sehr stark verbunden. Durch seinen Lehrer Ernst Georg Rüegg - Honegger besucht 1932 ein Jahr lang einen Vorkurs an der Kunstgewerbeschule in Zürich - wird ihm die Kunst nahegebracht, sein erster Museumsbesuch führt in eine Picasso-Ausstellung in Zürich.

Zürich, Paris und New York

Gottfried Honegger schließt seine Lehre als Schaufensterdekorateur ab, 1936 wird er Chefdekorateur bei der Spira-Textilien AG in Zürich. Er beginnt zusätzlich mit seiner künstlerischen Arbeit, mit seiner späteren Frau Warja Lavater gründet er ein Atelier für angewandte Grafik, Dekoration und Fotografie. Und 1938 wird er als Lehrer für Schaufensterdekoration an die Kunstgewerbeschule in Zürich geholt.

Nach der erfolgreichen Gestaltung der Abteilung "Wirtschaft" bei der Schweizerischen Landesausstellung im Jahr 1939 zieht Honegger nach Paris, um hier als freier Maler zu arbeiten. Für die Geigy AG geht Honegger als Grafiker 1958 nach New York. In all dieser Zeit arbeitet er an seinen persönlichen Projekten. Seine erste Einzelausstellung hat er 1959 in New York in der Martha Jackson Gallery. Und er schließt Künstlerfreundschaften mit Joan Miró, Fernand Léger, George Grosz, Richard Huelsenbeck, Hans Richter, Jean Arp, Johannes Itten, Mark Rothko und Sam Francis.

Ausschöpfung der Möglichkeiten

Ab 1960, nach seiner Rückkehr nach Europa, arbeitet Honegger "nur" mehr als Künstler. Ihm geht es um die Ausschöpfung der gestalterischen Möglichkeiten, auf die Leinwand klebte er rechteckige Kartonstücke, die Formen sind in die Form selbst imprägniert. Seine Skulpturen sind Manifestationen des Seins - sie stehen da in verschiedenen Farben grau, gelb, blau und rot gestaltet - und vereinen sich durch ihr Dasein mit ihrer Umwelt.

In den letzten Jahren hat sich Honegger immer mehr für das hinter dem Bild Befindliche interessiert, das heißtwie kann das, was hinter dem Bild ist, gegenständlich durch feine Linien dargestellt werden, filigran und doch vorhanden.

Gottfried Honegger ist ein streitbarer Geist, der 1968 das "Schweizer Manifest" initiiert hat, in dem sich Intellektuelle mit den Unruhen in Zürich, den sogenannten Globus-Krawallen, befassen. Kunst im öffentlichen Raum ist für ihn ein wichtiges Anliegen, und es geht ihm darum, den Menschen die Kunst näher zu bringen.

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