Ausstellung in Madrid

Gärten der Impressionisten

Die "Gärten der Impressionisten" ist der Titel einer Ausstellung, die im Madrider Museum Thyssen-Bornemisza erstmals die Wirkung von Gärten und Parkanlagen auf das Schaffen der Impressionisten und die Generation der Post-Impressionisten zeigt.

Kulturjournal, 23.11.2010

Bis 13. Februar 2011 sind rund 130 Exponate von Monet bis Cézanne, von Manet bis Klimt sind in Madrid zu sehen.

Beeindruckende Museumsmeile

Mehrere Kunstsammlungen geben in der spanischen Hauptstadt einem Viertel entlang der Allee der Castellana seinen Namen: die Museumsmeile. Das Prado-Museum mit seinem kürzlich eröffneten Zubau von Rafael Moneo; schräg gegenüber ein Stadtpalast, in dem die Kunstsammlung des deutschen Stahlbarons Thyssen-Bornemisza als Leihgabe an den spanischen Staat untergebracht ist; sowie einige Gehminuten entfernt, das Museum Moderner Kunst "Reina Sofia", das in diesen Tagen seinen 20-jährigen Bestand mit mehreren Sonderausstellungen feiert.

Vor drei Jahren kam zu den drei großen Museen die Kunstsammlung der katalanischen Sparkasse La Caixa dazu: das Schweizer Architektenduo Herzog und de Meuron entwarf einen Museumsbau, der sich einem denkmalgeschützten Umspannwerk anpasst. Als optisches Rufzeichen pflanzte der französische Biologe Patrick Blanc einen vertikalen Garten direkt vor den Museumseingang.

Vertikaler Garten

Die Feuermauer des benachbarten Gebäudes wurde von Blanc senkrecht begrünt. Der 24 Meter hohe Garten, der in der Pflanzenvielfalt mit einer konventionellen Grünanlage nicht mithalten kann, ist bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv.

Aus dem senkrechten, aus recycelten Kunststoffen hergestellten Nährboden wachsen Grünpflanzen - so bunt, wie auf der Computeranimation des Biologen Patrick Blanc ist der vertikale Garten vor der Sammlung La Caixa noch nicht aufgeblüht.

Ob die experimentelle Anpflanzung in vertikaler Hochlage neben fotografierenden Passanten auch Künstler inspiriert, ist nicht bekannt.

Arbeiten im Grünen

Dafür kann man in dem nur wenige hundert Meter entfernten Museum Thyssen-Bornemisza nachempfinden, welche Wirkung Parks und Grünanlagen auf die Maler des Impressionismus ausübten. In der ersten Ausstellung, die sich dem Garten als Zentrum und Schauplatz des Schaffens von Künstlern widmet, sind über 130 Exponate zu sehen, die die Bedeutung des Arbeitens im Grünen für die Kunst beleuchten.

"Der Garten ist ein idealer Vorwand, um die schillernde Vielfalt der Farben zu entwickeln, wie sie die Impressionisten liebten. Sie suchten eine Ausweitung ihre Studios, einen Raum, den die sie sich aneignen konnten", sagt Guillermo Solana, der Leiter des Thyssen-Museums.

Wechselspiel des Lichts und der Farben

So ließen sich Monet und Caillebotte nach eigenen Entwürfen private Parks anlegen - Gärten, die den Mittelpunkt ihrer Arbeit bildeten. Die Impressionisten wollten unter freiem Himmel das Wechselspiel des Lichts und der Farben beobachten und darstellen.

"Den Impressionisten ging es vor allem um die Empfindung eines Augenblicks, in dem Licht und Stimmung zusammenspielen - den perfekten Augenblick", so die Monet-Expertin Paloma Argulló.

"Krautmaler" Camille Pissarro

Einige Maler trugen ihre Staffeleien in die Parks und bildeten Natur, Seen, Pflanzen und Menschen ab. Eine Sonderstellung in der Gruppe der Impressionisten, die den Mittelstand oder Sonntagsausflügler im Schatten von Bäumen malten, nimmt Camille Pissarro ein. Er ging nicht in die Parks, sondern suchte in Gemüsebeeten nach Motiven.

"Man nannte ihn den 'Krautmaler', weil er die einfache Poesie der Gemüsebeete liebte und die Hingabe des Bauern und Landarbeiters verehrte. Pissarro war im Kreis der Impressionisten ein Mann mit klar linken Überzeugungen, ein Anarchist, der im Arbeiter ein Motiv sah, das seinen Idealen viel eher entsprach, als der Bürger, der am Sonntag einen Sonntagsausflug macht, wie er in den Bildern von Monet, Sisley oder Renoir auftaucht", erläutert Direktor Guillermo Solana.

Triptychon von Klimt

Nicht nur die bekanntesten Vertreter des Impressionismus sind in der Ausstellung vertreten, die im Thyssenmuseum und in der Kunstsammlung der Caja Madrid zu sehen ist. Auch die Generation der Post-Impressionisten, die als Schrittmacher der Moderne gilt, hat sich an Motiven aus Parks und Gartenanlagen versucht: Cézanne, Gauguin und Van Gogh, aber auch Gustav Klimt, von dem eine Art Triptychon aus drei Gartenansichten zu sehen ist.

Direktor Guillermo Solana ist stolz auf die drei Gemälde aus dem Pariser Musee d'Orsay, weil es besonders schwierig geworden sei, Klimts Bilder als Leihgaben für eine Ausstellung zu bekommen.