Inspiriert von Liebeskummer

Neuer Roman von Javier Marias

Der 1951 geborene Javier Marias ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Spaniens. Seine Werke erreichen Millionenauflagen und wurden auch in deutscher Übersetzung zu Bestsellern. Heuer feiert Marias sein 40. Berufsjahr mit seinem neuen Roman "Los Enamoramientos", zu Deutsch "Liebeleien", in dem erstmals eine Frau als Erzählerin auftritt.

Kultur aktuell, 11.04.2011

Vor einigen Jahren spielte Javier Marias, einer der erfolgreichsten spanischen Autoren der Gegenwart, ernsthaft mit dem Gedanken, die Literatur an den Nagel zu hängen. Mit seinen wöchentlichen Zeitungsartikeln, Essays und Übersetzungen hätte er seinen kreativen Hunger stillen können, meint er, ohne sich der Marter unterziehen zu müssen, einen Roman zu entwickeln und niederzuschreiben:

"Als ich mit 'Dein Gesicht morgen' fertig war, an dem ich neun Jahre gearbeitet hatte und das über drei Bänden immerhin 1.600 Seiten umfasst, hatte ich meine Zweifel, ob ich noch einmal einen Roman schreiben würde. Ich war körperlich und geistig ausgelaugt und ich musste annehmen, alles sei erzählt, was ich in der Form eines Romans zu sagen habe."

Startauflage 100.000 Stück

Doch das runde Berufsjubiläum wird nicht nur mit der Neuauflage seines ersten, im Alter von 19 Jahren veröffentlichten Erzählbandes begangen, es gibt auch den 13. Roman in der 40-jährigen Karriere von Javier Marias zu vermelden.

Diesen verdanken die Leser einer Freundin, die dem Autor einmal ihren Liebeschmerz in allen Details anvertraute. Zwei Jahre, nachdem er die Erlaubnis der Erzählerin erhielt, ihre Geschichte einer Liebelei literarisch zu verarbeiten, ist der fertige Band mit dem Titel, in einer Startauflage von 100.000 Exemplaren in Spanien erschienen.

Aus Balzacs Erzählung "Oberst Chabert" hat sich Marias den Satz entliehen, dass Ärzte, Priester und Anwälte mit grausameren Folgen von Beziehungsdramen konfrontiert würden, als sie sich ein Schriftsteller auszudenken wage.

Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur

Marias, der bereits mehrfach als Kandidat für den Literaturnobelpreis genannt wurde, ist Träger von bedeutenden Auszeichnungen. Über den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, der ihm für seine - laut Jury - "metaphysischen Epen und moralischen Tiefenbohrungen im Kontext der europäischen Geschichte" Ende Juli in Salzburg überreicht wird, freut sich der Autor aufrichtig:

"In Salzburg war ich vor vielen, vielen Jahren, genau 1974. Es gefiel mir und ich kehre gerne dorthin zurück. Außerdem ist es für mich eine Ehre, in eine Liste von Preisträgern aufgenommen zu werden, die mir alle nahe stehen: Simone de Beauvoir, Auden oder Italo Calvino. Das sind Autoren, wie aus einer anderen Zeit. Fast schon große Meister vom Rang eines Balzac. Deshalb bereitet mir der Staatspreis eine besondere Freude."

Herr über Redonda

Seit sich Marias in seinem 1998 erschienenen Roman "Schwarzer Rücken der Zeit" als fiktiver Herrscher über die unbewohnte Karibikinsel Redonda gekrönt hat, verteilt er Adelstitel des Inselkönigreichs an verdiente Persönlichkeiten: So hob er bereits die Regisseure Francis Ford Coppola und Pedro Almodovar, den Schriftsteller Milan Kundera und seinen spanischen Kollegen Arturo Pérez Reverte in den Adelsstand.

Service

Javier Marias