Kosher Nostra

Der Frankfurter Balkan & Globalbeat-Aktivist Shantel hat mit dem österreichischen Künstler und Wiener Kurator Oz Almong die CD "Kosher Nostra" produziert und sich damit einem ganz speziellen musikalischen Feld genähert: Dem jüdischen Beitrag zum organisierten Verbrechen.

"Das fing in Wien an", erinnert sich Shantel. "Ich war vor sieben, acht Jahren im Jüdischen Museum hier und habe die Ausstellung 'Oz Almog - Kosher Nostra' besucht, rein zufällig. Ich habe mich sehr gewundert, weil normalerweise ein jüdisches Museum im deutschsprachigen Raum nicht jüdische Gangster thematisiert."

Doch gerade das machte Stefan Hantel - besser bekannt unter seinem Musikerpseudonym Shantel - neugierig. Der Frankfurter Balkan-Beat-Musiker, DJ und Produzent studierte daraufhin die Geschichte des jüdischen Gangstersyndikats in den USA, der "Kosher Nostra".

Jüdisches Gangstersyndikat

"Wir kennen die klassische sizilianisch geprägte Cosa Nostra, aber dass es auch ein relevantes jüdisches Gangstersyndikat gab, wissen eigentlich die Wenigsten", so der Musiker.

Das Ergebnis der Recherche ist jetzt als CD mit 60-seitigem Begleitbuch erschienen - gestaltet und illustriert vom Künstler Oz Almog. Der Titel: "Kosher Nostra - Jewesh Gangsters Greatest Hits". Der Inhalt: eine bunt gemischte Sammlung jiddischer Schlager der 1920er bis 70er Jahre - interpretiert von verschiedensten jüdischen und nicht jüdischen Künstlern. Ihr gemeinsamer Nenner: Die "Schirmherrschaft" des "jüdischen Syndikats".

Gerüchte um Connie Francis

"Connie Francis kennen wir als Schlagersängerin. Sie ist aber eigentlich Italo-Amerikanerin. Ich habe eine Platte in Las Vegas entdeckt, wo sie tatsächlich jüdische Songs singt. Es war eine große Überraschung. Ich wollte natürlich wissen: Warum hat sie diese Platte gemacht?", erinnert sich Shantel.

Bis heute hält sich das Gerücht einer Liaison zwischen dem 60er-Jahre-Schlagerstar und Meyer Lansky - einem führenden Kopf der "Kosher Nostra". Ihm soll die nicht jüdische Sängerin einen Teil Ihrer Karriere verdanken.

Starker Bezug zur Musikszene

"Die jüdischen Gangster hatten einen sehr starken Bezug zur Musikszene. Und ein Künstler, der auf dem Weg ist, ein Superstar zu werden, konnte das damals eigentlich nicht machen, ohne bestimmte Seilschaften einzugehen. Es sind Strukturen aufgebaut worden, um Karrieren zu beschleunigen, zu lancieren oder durchaus auch zu stoppen", so Shantel.

Der Einfluss der Kosher Nostra reichte in Musikclubs, Revuetheater, die Filmindustrie, Radiostationen und Spielkasinos. Namen der Kosher Nostra wie "Bugsy" Siegel oder Dutch Schultz tauchen in Verbindung mit Künstlern auf, die in ihrem Dunstkreis groß geworden oder groß geblieben sind: The Andrew Sisters, Benny Goodman, Sophie Tucker oder Chubby Checker. Einige sind auf der CD vertreten.

So auch Tom Jones, der wie Frank Sinatra in Las Vegas auftrat: "Er singt ja 'My Yiddishe Mama' - das ist ein sehr untypischer Tom-Jones-Song. Man darf nicht einen ernsthaften Maffia-Kontakt unterstellen. Dennoch ist es einfach so, dass Künstler, die innerhalb einer bestimmten Zeit in Las Vegas aufgetreten sind, das nur unter den Augen des Syndikats tun konnten."

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