Residenzgalerie zeigt Bergbilder

Die Alpen als Sehnsuchtsort

Wer Europa in Nord-Südrichtung durchquer, stößt auf die Alpen als Hindernis. Das geht heutigen Italienreisenden nicht anders als Hannibal. Engländer, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur großen Tour zu klassischen Stätten aufbrachen, entdeckten als erste "Touristen" die Schönheiten der Alpen.

Kultur aktuell, 16.07.2011

So viele Berge: Eiger und Großglockner, Untersberg und Hoher Göll und gleich "Drei weiße Berge" zum Auftakt: Stephan Huber hat drei Gipfel aus den Dolomiten nachgebildet, nicht ganz detailgetreu, stellt Erika Oehring, Kuratorin der Ausstellung, fest. Freien Umgang mit geografischen Details hat die Kuratorin allerdings auch bei Markus Pernhart Anfang des 19. Jahrhunderts festgestellt.

Das Liebliche und Heroische

Romantik und Biedermaier prägen bis heute die Vorstellung der meisten Menschen von den Alpen, die Ausstellung zeigt Alpendarstellungen von Hubert Sattler, Salzkammergutbilder von Franz Steinfeld und Ferdinand Waldmüller und eine Tierszene im Gebirge von Friedrch Gaumerann.

Der Tourismus im beginnenden 20. Jahrhundert hat diese Bilder aufgenommen und noch verstärkt: Das Liebliche und Heroische von Tirol und Salzburg findet bei Gebrauchsgrafikern Eingang in Prospeke und Postkarten und Plakate.

Wie Zivilisation und Kultur die Natur verändern und wie Künstler diese Änderungen wahrnehmen, das ist das eigentliche Thema der Ausstellung. Der Bogen spannt sich von unberührter, als heroisch präsentierter Gebirgslandschaft bis zu Videos und Installationen, in denen die Sicht auf die Alpen Zivilisationskritik transportiert.

Gebirge als Eventarena

Die Kunst unserer Tage hat die Alpen erst kürzlich wieder entdeckt. Nach 1945 rochen die Berge zu intensiv nach Blut und Boden, die künstlerischen Strömungen wie Abstraktion oder Minimalismus suchten andere Stoffe. Als die Künstler wieder auf die Alpen schauten, entdeckten sie Liftstützen und Aussichtsterrassen, das Gebirge als spektakuläre Eventarena.

Kaum auszumachen zwischen Heroismus und dessen Überwindung: Ironie und Leichtigkeit. Sie vermittelt sich zum Beispiel in der Arbeit des Salzburger Künstlerkollektivs Alpine Gothic: Sie haben gelernt, aus Birkenholz Edelweiß zu schnitzen und haben diese Fähigkeit auch anderen beigebracht, so dass dank vieler fleißiger Hände in ganz Europa nun Tausende Edelweiß in der Salzburger Ausstellung erblühen.

Textfassung: Ruth Halle

service

"Alpen - Sehnsuchtsort und Bühne", 15. Juli bis 6. November 2011, Residenzgalerie Salzburg,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (15 Prozent).

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