GRZESIEK MART
Ö1 Klassik-Treffpunkt
Finale in der Kammeroper
Live aus RadioCafe im RadioKulturhaus in Wien
Gäste: Dirigentin Irene Delgado-Jiménez und Intendant Stefan Herheim
Präsentation: Helene Breisach
9. Mai 2026, 10:05
Es sollte eine Saison der Komödie werden für das MusikTheater an der Wien. Das kündigte Intendant Stefan Herheim in der Broschüre für 2025/26 an: eine Spielzeit der "Happy endings". Zu Saisonbeginn sah alles auch noch sehr glanzvoll aus, im prachtvollen neu renovierten Theater am Naschmarkt.
Im November wurde die Arbeit von Stefan Herheim und seinem Team besonders gewürdigt: bei den Opera Awards 2025 erhielt das MusikTheater an der Wien den Opern-Oscar als "Bestes Opernhaus". Herheim selbst gilt als einer der interessantesten Musiktheaterregisseure der Gegenwart. Im Herbst 2022 war er bereits im Ö1 Klassik-Treffpunkt zu Gast, am 9. Mai wird er wieder erwartet, diesmal mit der Dirigentin Irene Delgado-Jiménez, die im Juni eine Premiere in der Wiener Kammeroper leiten wird: die beiden Operneinakter "Lady Magnesia" von Mieczyslaw Weinberg und "Zweimal Alexander" von Bohuslav Martinu stehen auf dem Programm. Beide Werke haben dieselbe Ausgangslage: Ein Ehemann bezichtigt seine Frau der Untreue und ergreift Maßnahmen. Ob daraus eine Komödie, ein Kriminalstück oder eine Tragödie entsteht, wird der Abend in der Regie von Anna Bernreitner zeigen.
Die Wiener Kammeroper gehört zum MusikTheater an der Wien und ist der Förderung des professionellen Nachwuchses gewidmet. Studierende und Absolvent:innen arbeiten mit Profis zusammen und bekommen so die Gelegenheit, erste Berufserfahrungen zu sammeln und sich der Öffentlichkeit - und den Castingdirektor:innen vieler Opernhäuser - zu präsentieren. 28 Kunstuniversitäten und Musikhochschulen sind an diesem Projekt beteiligt.
Es sollte hier um die Kunst gehen - im Ö1 Klassik-Treffpunkt am 9. Mai und auch in diesem Artikel. Doch jetzt geht es zu einem wesentlichen Teil ums Geld. Denn mit der Nachwuchspflege ist nach der Produktion im Juni Schluss, zumindest vorläufig: Der Spielbetrieb in der Kammeroper "pausiert" ab Mitte 2026 - aus Spargründen. Ende 2025 wurden die Vereinigten Bühnen Wien, zu denen das MusikTheater an der Wien gehört, mit einer Sparvorgabe von 5 Millionen Euro für 2026 konfrontiert. Den Spielbetrieb in der Kammeroper bis auf weiteres einzustellen, war laut Franz Patay, Geschäftsführer der VBW, "die schnellste Möglichkeit, dieses Sparziel zu erreichen". Das sagte er bei einem Pressetermin Ende März 2026. Stefan Herheim sieht in den hohen Sparvorgaben ein kulturpolitisches Signal vonseiten der Stadt Wien: "Meines Erachtens sollten wir als größter Kulturträger der Stadt ein Opfer leisten." Dass es die Kammeroper trifft, bedauert Stefan Herheim sehr, "weil es vermeidbar gewesen wäre, hätten wir mehr Zeit gehabt und wäre es überhaupt im Raum gestanden, dass man nach alternativen Lösungen sucht."
"Wie lange die Kammeroper pausiert, kann ich Ihnen nicht sagen", erklärt Franz Patay bei besagtem Pressegespräch. "Das hängt davon ab, wie sich die Situation entwickelt". Drei Millionen Euro würden laut Patay pro Kalenderjahr durch den Stillstand in der Kammeroper eingespart. Doch damit nicht genug, auf das MusikTheater an der Wien werden weitere Einsparungen zukommen. Stefan Herheim als künstlerischer Leiter muss dort entscheiden, ob er das Angebot verkleinert - oder ob er an der Anzahl an Produktionen festhält, aber dafür Stücke mit kleinerer Besetzung und weniger Geld für die Ausstattung ansetzt. Aber das MusikTheater an der Wien hat ein Renommee, das auf dem Spiel steht. Stefan Herheim: "Ich kann nicht als das dritte Opernhaus in Wien plötzlich nur noch auf Sparflamme kleine Produktionen anbieten. Ich muss ein Haus füllen für 1000 Zuschauer:innen, die wissen, was das MusikTheater an der Wien kann und will und war und auch zukünftig meines Erachtens sein sollte."
Service
Produktion Lady Magnesia/Zweimal Alexander in der Kammeroper
