Wasser

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Punkt eins

Dürre und Hitze: Wasserwirtschaft ist gefragt

Warum Abwasser immer wichtiger wird und vor welchen Herausforderungen die Siedlungswasserwirtschaft steht. Gast: Univ.Prof. Dr. Thomas Ertl, Professor am Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz, Universität für Bodenkultur, Wien. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Eine erste Hitzewelle in Europa, Rekordtemperaturen in ganz Österreich und nach wie vor kaum ein Tropfen Regen. Schon vor Wochen mussten Gemeinden zum Wassersparen aufrufen; für Bauern ist die Lage dramatisch und im wasserreichen Österreich wird langsam deutlich: Wasser ist nicht überall und jederzeit unbegrenzt verfügbar, Trinkwasser fließt nicht selbstverständlich aus der Leitung. Und Grundwasserressourcen sinken, während der Wasserbedarf aber steigt.

Der Schutz der Ressource Wasser wird immer wichtiger, und zwar über den gesamten Nutzungskreislauf von der Trinkwasserversorgung bis zur Abwasserentsorgung oder, wie Fachleute sagen: von Schwarz-, über Braun- und Gelb- bis zu Grau-, Grün- und Blauwasser. Mit diesem komplexen Forschungs- und Tätigkeitsfeld befasst sich die Siedlungswasserwirtschaft, die heute als sozio-technisches System verstanden wird, in dem Stoffströme und Ressourcen ineinandergreifen, Wasser, Abwasser, Abfall und Energie als Kreislauf gedacht werden. In Zeiten, in denen die Ressource Wasser zunehmend unter Druck gerät, wird vor allem der Umgang mit Abwasser immer wichtiger, nicht nur in Kläranalgen sondern das Regenwasser- und Straßenabwassermanagement.

Mit dem Antritt von Thomas Ertl als Professor am Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz der Wiener Universität für Bodenkultur stehen Abwasser und Kanalisation - lange etwas stiefmütterlich betrachtet - ganz oben auf der Liste von Forschungsprojekten. Seit Prof. Thomas Ertl 2014 diese Arbeit aufgenommen hat, hat er sich den Ehrentitel "Mr. Kanal" erarbeitet, forscht an verschiedenen Aspekten zum Schutz des Wassers und scheut sich nicht, selbst Kanäle zu begehen - und seien sie auch nur 90 cm breit und 135 cm hoch oder Teil eines Geflügelschlachthofs.

Seit 25. April leitet Thomas Ertl beispielsweise ein umfangreiches COMET-Projekt, das sich mit jenen bekannten und auch unbekannten Stoffen, Materialien und pathogenen Organismen befasst, die sich in Folge menschlicher Aktivitäten immer mehr in Gewässern ansammeln. Der Regen reinigt Verkehrsflächen - wie gehen wir mit dem schadstoffbelasteten Wasser um? Wie wirkt sich die Trockenheit auf die Remobilisierung von Wasserschadstoffen aus Flusssedimenten aus? Wie lässt sich ressourcenschonend die für eine resiliente Gesellschaft so zentrale Begrünung von Städten gießen? Welche Herausforderungen kommen auf die kommunale Siedlungswasserwirtschaft in Zeiten der Klimakrise zu? Das sind nur einige der aktuellen Forschungsfragen.

In dem heuer am Institut gestarteten Projekt GRAUfürGRÜN-BLAU wird die Nutzung von gereinigtem Grauwasser aus Wohngebäuden zur Bewässerung öffentlicher Grünflächen und zur Grundwasserdotierung an zwei Standorten in Wien untersucht. Mit Monatsende wird eine Machbarkeitsstudie über die nachhaltige Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasserströmen und Klärschlamm als ein zentraler Bestandteil moderner Abwasserbehandlung und Kreislaufwirtschaft abgeschlossen.

Ein Aspekt Ertls Forschungen sind auch so genannte naturbasierte Lösungen für die Abwasserbehandlung als wichtige Technologien bei der Klimawandelanpassung und der Wiederverwendung von Wasser und diese führen den Wissenschaftler hoch hinaus in die heimischen Berge, auf Schutzhütten, wo Wassermangel in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat und ressourcenorientierte Sanitärkonzepte - Pflanzenkläranlagen - stark gefragt sind.

Einblicke in Infrastruktur, die man für gewöhnlich (lieber) nicht sieht, in Forschung die zentral, aber im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent ist und neue Perspektiven auf Wasser und unseren Umgang mit Ressourcen gewinnen Sie in dieser Ausgabe von Punkt eins und wie immer sind Sie herzlich eingeladen, Thomas Ertl Ihre Fragen zu stellen: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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  • Barbara Zeithammer

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